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24.05.2015

15:54 Uhr

Elektro-Rikschas in den USA

Tuk Tuks im Trend

In Asien bewegen sie seit Jahrzehnten die Massen: Rikscha-Taxis. Schon bald könnten die Dreiräder auch im Westen Einzug halten – in einer umweltfreundlichen Variante. Hersteller sehen in den USA großes Potenzial.

Der niederländische Hersteller E-Tuk lässt seine Fahrzeuge unter anderem in Denver fertigen (auf dem Bild v.l.n.r.: Colin Sommers, Walid Mourtada und Michael Fox). ap

E-Tuk

Der niederländische Hersteller E-Tuk lässt seine Fahrzeuge unter anderem in Denver fertigen (auf dem Bild v.l.n.r.: Colin Sommers, Walid Mourtada und Michael Fox).

DenverOhne Rikschas ist das Straßenbild von Metropolen wie Bangkok, Neu Delhi oder Peking kaum vorzustellen. Ihre Abgase tragen oft wesentlich zur Luftverschmutzung bei. In vielen Ländern Asiens sind sie dennoch ein beliebtes Verkehrsmittel – die wendigen kleinen Fahrzeuge kommen auch in verstopften Innenstädten meist schnell voran und sind in der Regel recht günstig. Vereinzelt sind Rikschas seit ein paar Jahren auch in westlichen Großstädten unterwegs. Bisher werden die motorisierten Dreiräder dabei überwiegend als Touristenspaß eingesetzt. In den USA könnten sie sich auch darüber hinaus als sehr praktisch erweisen.

Die aktuelle Popularität in Europa und Nordamerika liegt vor allem daran, dass es Rikschas neuerdings auch mit Elektroantrieb gibt. Mit den lärmenden Dreckschleudern in Asien haben diese dann nur bedingt noch zu tun – nicht umsonst wird das Fahrzeug etwa in Thailand lautmalerisch Tuk-Tuk genannt. Doch der Charme der Rikscha scheint auch in der umweltfreundlichen Version gut anzukommen. Und gerade in den USA, in denen der öffentliche Nahverkehr in manchen Städten zu wünschen übrig lässt, sehen die Hersteller großes Potenzial für ihren sogenannten eTuk.

Antriebsarten und ihre Abgaswerte

Motoren im Vergleich

Wie sehr ein Auto die Luft verpestet, hängt davon ab, was unter der Haube steckt. Denn je nach Motor stößt ein Wagen unterschiedlich viele Feinstaub-Partikel (PM) und Stickstoffdioxide (NO2) aus. Hier ein Überblick über das Abgasverhalten verschiedener Motoren.

Benzinmotoren

Moderne Benzinmotoren werden durch Direkteinspritzung zwar sparsamer gegenüber der Vergaser-Technik - und damit wird auch ihr CO2-Ausstoß gesenkt. Doch haben die Einspritzmotoren oft einen höheren Feinstaub-Ausstoß. Nach einer Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe stoßen sie eine sehr hohe Zahl an ultrafeinen Partikeln aus, die massive gesundheitliche Folgen für die Atemwege und das Herz-Kreislauf-System haben können. In der Untersuchung kam heraus: Benzinfahrzeuge überschritten den aktuellen Grenzwert für Dieselfahrzeuge teils um das Sechsfache.

Dieselmotoren

Trotz Rußpartikelfilter - Selbstzünder sind laut Verkehrsclub Deutschland (VCD) die weniger sauberen. Der Grund: Ihr aktueller Grenzwert nach Euro-5-Norm ist beim Ausstoß von Stickoxiden (NOx) dreimal höher als bei Ottomotoren. Demnach dürfen Diesel bis zu 180 mg/km an Stickoxiden ausstoßen, während der Vergleichswert bei Benzinern bei 60 mg/km liegt. Bei den Feinstaubpartikeln liegen beide Verbrennungsprinzipien mit erlaubten 5 mg/km gleichauf. Diesel-Pkw können die aktuelle Euro-5-Norm nur mit Hilfe eines Partikelfilters erreichen.

Erdgas- und Autogasantriebe (CNG und LPG)

Erdgas gilt unter den fossilen Treibstoffen in der Expertenwelt als der sauberste. So stoßen Fahrzeuge, die CNG (Compressed Natural Gas) tanken, noch weniger Stickoxide aus als Benziner. Der TÜV Süd nennt gegenüber Benzinern eine Reduktion um bis zu 60 Prozent, bei LPG seien bis zu 15 Prozent weniger möglich. Erdgasautos emittieren zudem fast gar keine Rußpartikel.

Hybrid- und Elektroantriebe

Auch Hybridfahrzeuge müssen die Abgasnormen der EU einhalten. Generell lässt sich dem VCD zufolge sagen, dass Dieselhybride, wie sie neuerdings angeboten werden, mehr Schadstoffe ausstoßen als Benzinhybride. Fahren sie im rein elektrischen Modus, stoßen sie keine Schadstoffe aus - doch liegt die Reichweite für den E-Modus meist nur bei wenigen Kilometern. Dann springt der Verbrenner an. Elektroautos stoßen während der Fahrt zwar keinerlei Schadstoffe aus. Doch bei ihrer industriellen Fertigung und bei der Stromerzeugung werden ebenfalls Rußpartikel und Stickoxide erzeugt.

Aktuelle Luftdaten
Übersicht: Deutsche Umweltzonen
Studie zu Umweltzonen
Kurzinfo zu Umweltzonen
Hintergrundpapier zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Feinstaub
Fragen und Antworten zu Stickstoffoxiden

Ursprünglich stammt der eTuk aus den Niederlanden. Die dort ansässige Tuk Tuk Factory hat inzwischen aber nicht nur Vertriebspartner in mehreren europäischen Ländern. Ein Lizenzvertrag mit der eTuk USA aus Denver sichert die Herstellung und den Verkauf auch jenseits des Atlantiks. Nicht nur an Einzelpersonen, sondern auch an Werbefirmen und Essenshändler aus allen Teilen der USA seien bereits Elektro-Rikschas verkauft worden, sagt der dortige Vertriebsleiter Michael Fox. Der Preis liege, je nach individuellen Wünschen bezüglich der Ausstattung, zwischen 16 950 und 25 000 Dollar (etwa 15 400 bis 22 700 Euro).

In der Innenstadt von Denver gibt es sogar schon einen eTuk-basierten Taxi-Rufservice. Die Elektro-Rikscha hat damit ein Marktsegment betreten, in dem seit einigen Jahren immer mehr Spieler mitmischen – klassische Taxis konkurrieren hier nicht nur mit Carsharing-Angeboten und Fahrtvermittlungsdiensten wie Uber und Lyft, sondern auch mit pedalbetriebenen Pedicabs oder Golfcarts. Vertriebsleiter Fox ist dennoch zuversichtlich – er setzt ganz auf das luftige Design der an den Seiten offenen Rikschas.

Ganz ohne Rückschläge ging es aber bisher nicht. Einige Taxi-Unternehmen hätten sich erfolgreich dafür eingesetzt, die neue Konkurrenz in engen Schranken zu halten, sagt Terry Bote von der für die Zulassungen zuständigen Behörde des US-Staats Colorado. So sei in Denver heute klar geregelt, wo und in welcher Art die Rikschas fahren dürften. Von der lukrativen Route zum Stadion des Football-Teams Denver Broncos seien sie etwa ausgeschlossen.

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