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04.11.2014

13:51 Uhr

Elektroauto BMW i3

Warum sieht man den nirgendwo?

VonLukas Bay

Mit viel Tamtam hat BMW vor einem Jahr den i3 vorgestellt. Doch auf den Straßen ist das kleine Elektroauto ein absoluter Exot. Warum der kleine Stromer trotzdem einen erfolgreichen Start hingelegt hat.

Futuristisch, aber selten: Der i3 wird derzeit vor allem an Händler als Vorführwagen ausgeliefert. Imago

Futuristisch, aber selten: Der i3 wird derzeit vor allem an Händler als Vorführwagen ausgeliefert.

DüsseldorfAllein die Werbekampagne versprach nicht weniger als eine Revolution. Im Fernsehen, im Internet und auf Plakatwänden warb BMW im vergangenen Jahr bei fast jeder Gelegenheit für ein kleines futuristisches Gefährt, das so wenig mit seinen Konzernbrüdern gemein hatte und ihnen doch so weit voraus sein sollte. Doch auch ein Jahr nach seinem Marktstart ist der i3 auf den Straßen allerdings immer noch ein absoluter Exot. 

Beim detaillierten Blick auf die Zahlen kann das kaum überraschen. Laut Zulassungsstatistik wurden in Deutschland von Januar bis September 1869 Exemplare des i3 verkauft. Damit hat der Elektroflitzer einen Marktanteil von etwa 0,08 Prozent. Und ein großer Teil dieser Fahrzeuge geht nicht einmal an die Kunden, sondern wird von Händlern als Vorführ- und Ausstellungswagen gebraucht.

Was aussieht wie ein Fehlstart, ist tatsächlich längst einkalkuliert. Für BMW-Chef Reithofer ist der „Project i“ ein Marathon – vergleichbar mit dem Übergang von der Kutsche zum Automobil. Kaum ein Fahrzeug in der Geschichte von BMW ist jemals so umfangreich beworben worden wie der i3, keines wurde so aufwendig entwickelt. Der Kompaktwagen mit Elektroantrieb soll der Vorbote eines Umbruchs bei Deutschlands erfolgreichstem Premiumautobauer sein. Ein Umbruch, der im Jahr 2007 begann. Mit einem Milliardenetat und bis zu 200 Mitarbeitern entwickelten die Münchener die Grundlage für die Submarke „BMW i“. Mittlerweile hat man sich die Rechte an den Bezeichnungen von i0 bis i9 gesichert. Der i3 ist nur ein Vorbote. 

Die Bestseller von BMW

Platz 10

X6 - 36.668 verkaufte Fahrzeuge im Jahr 2013

Das Crossover aus SUV und Coupé wurde 2012 überarbeitet und verfügt serienmäßig über einen Allradantrieb. Bei den Kunden verkaufte sich das Dickschiff im Jahr 2013 um 16 Prozent schlechter.

Platz 9

7er - 56.000 verkaufte Fahrzeuge

Die Luxuslimousine von BMW konkurriert mit der neuen S-Klasse und dem Audi A8. Im vergangenen Jahr verkaufte sich das Spitzenmodell schlechter. Der Verkäufe sanken um 5,4 Prozent.

Platz 8

Mini Countryman - 101.897 verkaufte Fahrzeuge

Der kleine Crossover der britischen Tochter wird im BMW-Auftrag vom österreichischen Zulieferer Magna Steyr gefertigt. Im Jahr 2013 stagnieren die Verkäufe mit einem leichten Minus von 0,4 Prozent.

Platz 7

X5 - 107.231 verkaufte Fahrzeuge

Der dritte Generation des SUVs ging erst im vergangenen Jahr an den Start. Die Verkäufe im zweiten Halbjahr sanken trotzdem leicht um 1,2 Prozent.

Platz 6

Mini Hatch - 128.498 verkaufte Fahrzeuge

Der Klassiker ist auch in seiner Neuauflage seit Jahren ein Verkaufsschlager. Im vergangenen Jahr schrumpfte der Absatz trotzdem um 2,3 Prozent.

Platz 5

X3 - 157.303 verkaufte Fahrzeuge

Es gibt kaum ein Segment im Automarkt, das derart boomt wie die Kompakt-SUVs. Davon sichert sich BMW ein dickes Stück. Im Jahr 2013 steigen die Verkäufe um 5 Prozent, damit macht der kompakte Geländewagen zehn Prozent des BMW-Umsatzes aus.

Platz 4

X1 - 161.353 verkaufte Fahrzeuge

Seit 2012 wird der kleinste SUV von BMW auch in China produziert. Um satte 9,2 Prozent legten die Verkäufe im Gesamtjahr zu.

Platz 3

1er - 213.611 verkaufte Fahrzeuge

Die Kompaktklasse war jahrelang ein Zugpferd des Wachstums. Mittlerweile sinkt der Absatz aber wieder. Im Jahr 2013 gingen die Verkäufe um 5,8 Prozent zurück. 72 Prozent aller verkauften 1er sind Fünftürer.

Platz 2

5er - 366.992 verkaufte Fahrzeuge

Die Mittelklasse bei BMW kommt in drei Varianten daher. Limousine, Touring und Gran Turismo verkauften sich im Jahr 2013 insgesamt um 2,2 Prozent besser.

Platz 1

3er - 500.332 verkaufte Fahrzeuge

Der Bestseller von BMW kommt mittlerweile in fünf Varianten daher. Limousine, Touring, Coupé, Cabrio und Gran Turismo verkaufen sich 30,2 Prozent besser als im Vorjahr. Den Großteil machen Limousine und Touring-Varianten aus.

Und er ist vor allem ein internationales Projekt. Auch wenn die Nachfrage aus deutscher Perspektive erst einmal gering erscheint: In China und den USA dürfte der i3 schon bald einen signifikanten Anteil  an den Zulassungen haben. Schon in diesem Jahr hat der Konzern in den ersten neun Monaten in den USA 3104 Fahrzeuge verkauft. Seit Mitte des Jahres wird das Modell auch in China und Japan verkauft, was dem Absatz einen zusätzlichen Schub gegeben hat. In den chinesischen Metropolen werden Elektroautos bei der Zulassung bevorzugt behandelt. „Im Moment haben wir mehr Kundenanfragen, als wir bei der derzeitigen Produktionskapazität liefern können - das gilt für i8 und i3“, hatte Konzernchef Reithofer im April erklärt. Tatsächlich muss man vier Monate warten, wenn man einen i3 bestellt.

Darum schraubte der Konzern Mitte des Jahres 2014 auch die Produktion in Leipzig von 70 auf 100 Fahrzeuge pro Tag hoch. Insgesamt 20.000 i3 sollen das Leipziger Werk bis zum Jahresende verlassen. Zum Vergleich: Das derzeit erfolgreichste Elektroauto der Welt, der Nissan Leaf, hat sich seit seinem Produktionsstart im Jahr 2010 rund 140.000 Mal verkauft.

Zahlen, an denen sich auch der i3 messen muss. Im dritten Quartal hat der kleine BMW-Stromer bereits die Marke von 10.000 verkauften Fahrzeugen erreicht – und liegt damit schon vor dem Absatz, den Experten dem i3 für das ganze Jahr vorausgesagt hatten. Auch das zweite Modelle aus der i-Reihe, der Sportwagen BMW i8, ist zufriedenstellen angelaufen. Seit Juni kommt der i8 auf 341 verkaufte Fahrzeuge. Für ein Modell, bei dem schon die Basisversion 128.000 Euro kostet, sind das recht ordentliche Zahlen. Doch das wurde auch teuer erkauft. Den Werbeetat für den i8 im ersten Halbjahr schätzt die Fachzeitung „Werben & Verkaufen“ auf 16,6 Millionen Euro. Geld, das sich auszahlt. Denn BMW kann mit der i-Reihe vor allem neue Kunden für BMW begeistern: 80 Prozent der i3-Kunden kommen laut Vorstand Ian Robertson von anderen Marken oder hatten zuvor überhaupt kein Auto.

Kommentare (6)

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Frau Helga Trauen

04.11.2014, 14:00 Uhr

Ein Adventorial für den i3. Wie putzig. Was hat BMW dafür bezahlt? Und ich bitte darum, diesen Beitrag als profane Werbung zu kennzeichnen.
Wer einen i3 kauft, der braucht nicht rechnen zu können.

Herr Tom Schmidt

04.11.2014, 14:13 Uhr

Was in dem Artikel fehlt sind doch all die Kunden, die sich mal ein Elektroauto ansehen und fahren wollten, sich dagegen entschieden haben (z.B. wegen Reichweite, ...) aber dann schon mal im BMW-Autohaus standen und noch ein paar andere schöne Dinge rumstehen gesehen haben...

Frau White Paper

04.11.2014, 14:37 Uhr

Für den Preis eines i3 mit ein bisschen Lametta bekommt man einen M 235i. Da fällt die Wahl ja leicht.

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