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22.10.2014

08:06 Uhr

Elektroauto-Hersteller

Daimler vergoldet die Anteile an Tesla

Daimler will vom Höhenflug der Tesla-Aktie profitieren - und verkauft die Anteile am Elektropionier. Man wolle weiter zusammenarbeiten, teilten die Unternehmen mit. Tesla ist nun offen für neue Investoren.

Genug geglänzt: Daimler steigt bei Tesla aus. ap

Genug geglänzt: Daimler steigt bei Tesla aus.

BerlinDaimler hat seine Beteiligung am amerikanischen Elektroauto-Hersteller Tesla verkauft. Die Zusammenarbeit mit Tesla sei von diesem Schritt aber nicht betroffen und bestehe weiter, teilte der Stuttgarter Konzern am Dienstagabend mit.

Durch die Veräußerung des Anteils von vier Prozent bekommt Daimler rund 780 Millionen Dollar (611 Millionen Euro). Der Verkauf werde sich auf den operativen Gewinn für 2014 in etwa der selben Größenordnung auswirken. Für Daimler ist die Tesla-Beteiligung eine Erfolgsgeschichte - in den letzten Jahren hat sich der Aktienkurs des an der Börse beliebten Unternehmens vervielfacht.

Ein Elektroauto von Mercedes: Daimler stößt seine Anteile an Elektroauto-Hersteller Tesla ab. dpa

Ein Elektroauto von Mercedes: Daimler stößt seine Anteile an Elektroauto-Hersteller Tesla ab.

„Wir sind mit der Entwicklung unserer Beteiligung an Tesla außerordentlich zufrieden. Für unsere Partnerschaft und Zusammenarbeit ist eine Finanzbeteiligung an Tesla aber nicht notwendig“, sagte Finanzvorstand Bodo Uebber. So habe Tesla auch die Möglichkeit, sich einer breiteren Investorenbasis zu öffnen.

Tesla entwickelt für Daimler den kompletten Antriebsstrang für die Elektrovariante der B-Klasse. Nach der Einführung im Sommer in den USA wird sie im November in Europa auf den Markt kommen. Auch die Batterien des Kleinstwagens Smart stammen von dem US-Unternehmen. „Die Partnerschaft mit Tesla ist sehr erfolgreich und wird auch künftig fortgesetzt“, sagte Konzernchef Dieter Zetsche.

Die Tesla-Chronik von 2003 bis 2013

2003, der Beginn

Zwei Teams um den US-Ingenieur Martin Eberhard und den Milliardär Elon Musk entwerfen die Vision eines Elektrofahrzeugs, das mit Akkus angetrieben wird. Auf der Basis des Prototyps T-Zero. Neben Musk stecken auch die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page und der eBay-Gründer Jeff Skoll Geld in das Projekt.

2006, Premiere des Roadster

Drei Jahre arbeitet Tesla am ersten Modell, im Juli 2006 stellt das Unternehmen den Roadster vor. Der zweisitzige Sportwagen auf der Basis des britischen Leichtgewicht-Roadster Lotus Elise verfügt über einen 215 kW (292 PS) starken Elektromotor, der seine Energie aus 6.831 Lithium-Ionen-Notebook-Akkus bezieht.  

2007, Eberhard geht

Im August 2007 tritt der damalige CEO Martin Eberhard zurück, im Dezember 2007 verlässt er das Unternehmen komplett. Am Ende landet der Streit der Gründer fast vor Gericht – bis eine außergerichtliche Einigung erzielt werden kann.

Mai 2009, Einstieg der Konzerne

Musks finanzielle Mittel alleine reichen zum Wachstum nicht mehr aus. Mit Daimler und Toyota steigen zwei große Autokonzerne bei Tesla ein. Trotzdem schreibt das Unternehmen weiterhin Millionenverluste.

September 2009, Premiere Model S

Lange war der Bau einer eigenen Limousine unter dem Codenamen „WhiteStar“ geplant. Auf der IAA in Frankfurt feiert das Model S, eine 5-sitzige Limousine die Premiere. Anfangs übernimmt Lotus die Fertigung. Ab 2011 wird das Modell in einer ehemaligen Toyota-Fabrik in Freemont gebaut. Pro Jahr werden zunächst 10.000 Modelle gefertigt.

Januar 2010, Geldspritze vom Staat

Tesla erhält vom US-Energieministerium einen Kredit über 450 Millionen Dollar. Das Geld investiert das Unternehmen in den Aufbau einer eigenen Fertigung.

Juni 2010, IPO

Musk wagt den Börsengang. Mit einem Ausgabepreis von 17 Dollar geht der Elektrohersteller in den Handel – und macht den Gründer wieder reich. Über Nacht erreicht erreichen die Anteile von Musk einen Wert von 650 Millionen Dollar, obwohl das Unternehmen bis zu diesem Zeitpunkt noch nie Gewinne gemacht hat.

2012, SUV-Pläne

Tesla veröffentlicht Pläne einen eigenen SUV an den Start zu bringen. Das Model X soll im Sommer 2015 erstmals ausgeliefert werden und die Modellpalette von Tesla erweitern.

2013, erstmals profitabel

Endlich schreibt Tesla schwarze Zahlen. Auch den Millionenkredit des Staats zahlt das Unternehmen neun Jahre früher als es nötig gewesen wäre. Mit der Ausgabe neuer Aktien und Anleihen nimmt das Unternehmen rund eine Milliarde Dollar ein. Der Aktienkurs des Unternehmens beläuft sich mittlerweile auf 147 Dollar. Damit ist das Unternehmen an der Börse mehr wert als Fiat.

Daimler war im Mai 2009 mit 9,1 Prozent bei Tesla eingestiegen, hatte aber 40 Prozent seines Anteils kurz darauf an den Staatsfonds Aabar aus Abu Dhabi veräußert. Das war noch vor dem Börsengang der Firma des schillernden Tech-Milliardärs Elon Musk Mitte 2010.

Die Tesla-Aktie drehte nachbörslich ins Minus, nachdem die Nachricht bekannt wurde.

Kommentare (1)

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Herr Klaus D. Beccu

22.10.2014, 14:41 Uhr

Recht seltsam, dass Daimler finanziell bei Tesla aussteigt. Braucht man in Stuttgart das Geld oder glaubt man (endlich) nicht mehr an die früher erhoffte, glorreiche Zukunft der elektrifizierten B-Klasse, angesichts des mangelnden Interesses an E-Autos in Europa ? Anscheinend hat Daimler "Ahnungslos in der Nacht ..." 780 Mio $ investiert und ist sich nun nicht mehr sicher, ob das eine gute Entscheidung war. E-Autos verkaufen sich nur noch recht gut in Kalifornien, wo der politische Druck eine weitere Verringerung der Emissionsgrenzen durchsetzt, aber der Markt für super-teure E-Karossen dürfte auch dort bald gesättigt sein.

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