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29.06.2011

10:19 Uhr

Elektroauto-Pionier

Daimlers chinesischer Partner in Not

VonFlorian Brückner

Warren Buffett setzt auf Build Your Dreams, Daimler auch. Doch nun ist der Gewinn bei dem chinesischen Elektroautopionier gleich um 84 Prozent eingebrochen. VON FLORIAN BRÜCKNER

Ein chinesischer Arbeiter sitzt vor einem Logo der chinesischen Autobauers Build Your Dreams. Quelle: Reuters

Ein chinesischer Arbeiter sitzt vor einem Logo der chinesischen Autobauers Build Your Dreams.

DüsseldorfBYD, diese drei Buchstaben stehen für einen der größten Hoffnungswerte in der Automobilbranche. Die Investorenlegende Warren Buffett ist bei dem weltgrößten Produzenten von wieder aufladbaren Batterien eingestiegen. Und Daimler hat mit Build Your Dreams (BYD), der auch groß im Autogeschäft aktiv ist, ein Jointventure gegründet. Doch gerade hier läuft es für BYD alles andere als gut - und das nicht erst seit gestern.

Nachdem BYD mit 500.000 statt 800.000 Wagen bereits im vergangenen Jahr insgesamt viel weniger Autos absetzte als ursprünglich angepeilt waren, hat sich die Lage auch im ersten Quartal dieses Jahres nicht entspannt. Von Januar bis März hat BYD 27,5 Prozent weniger Autos verkauft. Und auch im Mai war für BYD keine Besserung in Sicht. Dass gleichzeitig auch noch das Kerngeschäft mit Batterien und Handybauteilen unter Druck geriet, machte die Lage nicht besser. Die heute veröffentlichte Bilanz für das erste Quartal ist entsprechend ernüchternd: BYDs Gewinn ist um 84 Prozent eingebrochen.

Interview mit Henry Li - Exportchef BYD

Video: Interview mit Henry Li - Exportchef BYD

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In einer Börsenmitteilung macht BYD selbst das Nicht-Autogeschäft für den Umsatzrückgang von 6,8 Prozent verantwortlich - und den Autobereich für das schlechte Abschneiden im Vorjahr.
Die Gemengelage für BYD ist nicht einfach. Im Handygeschäft etwa zählt ausgerechnet der schwer angeschlagene Riese Nokia zu einem der wichtigsten Kunden. Und im Autobereich fehlen BYD schlichtweg neue Produkte. Die Absätze des bis dato meistverkauften BYD-Wagens F3 sind rückläufig. Das 2005 eingeführte Modell tut sich gegen die Konkurrenz von General Motors und Nissan zunehmend schwer.
In den ersten fünf Monaten dieses Jahres ist der Absatz des Modells um 30 Prozent eingebrochen. “Was BYD jetzt braucht, ist eine überarbeitete Version des F3”, meint denn auch Johnny Wong, Autoanalyst von Yuanta Securities, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg.

Erschwerend kommt für BYD allerdings noch hinzu, dass sich die Rahmenbedingungen für den chinesischen Automarkt verschlechtert haben. Die Regierung hat ihre Kaufanreize wie etwa steuerliche Vergünstigungen für Kleinwagen ausgesetzt. Die Nachfrage hat sich abgekühlt.

Auf der Automesse in Genf gab sich BYD im Gespräch mit Handelsblatt Online indes noch kämpferisch. Von Problemen wollte Exportchef Henry Li da nicht sprechen, vielmehr von  „Herausforderungen.“ Und zwar vor allem auf Vertriebsseite. Technik? Produkt? Da sah Li keine Probleme. Den Verkaufsstart in Europa hatte er für das 4. Quartal 2012 angekündigt, in den USA wolle BYD früher an den Start gehen.

Doch die großen Expansionspläne haben die Anleger bislang kaum beeindruckt. Laut dem Wall Street Journal haben die Papiere von BYD an der Hongkonger Börse 70 Prozent ihres Wertes seit dem Allzeithoch im Oktober 2009 verloren - und allein in diesem Jahr hat die Aktie 38.7 Prozent nachgegeben. William Russo von der Unternehmensberatung Synergistics hat dafür eine Erklärung: “BYD fehlt ein kontinuierlicher Zustrom neuer Produkte, mit denen das Unternehmen auf seine anfänglichen Erfolge hätte aufbauen können. Sie haben zu viel versprochen und zu wenig geliefert.”

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