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19.11.2013

16:39 Uhr

Elektroauto

Tesla-Model wird nach Bränden untersucht

Eine US-Behörde schaut sich das Tesla Model S genauer an. Die Elektro-Sportlimousine war mehrmals in Brand geraten. Tesla-Chef Musk ist von der Sicherheit überzeugt – und hat die Behörde um die Untersuchung gebeten.

Ein Fahrzeug des Autobauers Tesla vom Typ Model S. Die Elektro-Sportlimousine ist eventuell besonders feuergefährdet. dpa

Ein Fahrzeug des Autobauers Tesla vom Typ Model S. Die Elektro-Sportlimousine ist eventuell besonders feuergefährdet.

Washington/Palo AltoNach drei Bränden beim Tesla Model S nimmt die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA das erfolgreiche Elektroauto aus Kalifornien unter die Lupe. Die Behörde leitete eine Voruntersuchung ein, die letztlich zu einem Rückruf führen könnte. Der mindestens 72.000 Euro teure Wagen wird seit kurzem auch in Deutschland verkauft.

Tesla-Chef Elon Musk bestritt am Montag im Firmenblog erneut, dass die Elektro-Sportlimousine besonders feuergefährdet sei. Gegenüber Autos mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren sei das Risiko sogar geringer, erklärte er und führte entsprechende Statistiken an. Es gebe „kein sichereres Auto auf der Straße als das Model S“.

Bei zwei Unfällen in den USA hatten Metallgegenstände auf der Fahrbahn die im Boden verbauten Batterien beschädigt. In einem dritten Fall in Mexiko löste eine Kollision das Feuer aus. Alle drei Fahrer konnten die Wagen unverletzt verlassen.

Tesla-Chef Musk betonte, die NHTSA selbst um eine Untersuchung gebeten zu haben. Er wolle verhindern, dass sich „eine falsche Wahrnehmung der Sicherheit von Elektroautos festsetzt“. Er kritisierte die Berichterstattung in den Medien, die die Vorfälle hochgespielt hätten.

Brennende Elektro-Fahrzeuge

Feuer nach Fremdeinwirkung

Ein Metallgegenstand hat den Brand eines Tesla-S-Sportwagens ausgelöst, der im US-Bundesstaat Washington Anfang Oktober 2013 unterwegs war. Dabei sollen auch die Batterien gebrannt haben.

Feuer nach Crashtest

Ein Chevrolet Volt (in Deutschland Opel Ampera) fing im Juni 2011 Feuer – drei Wochen, nachdem eine US-Behörde einen Crashtest an dem Fahrzeug durchgeführt hatte. Bei der simulierten seitlichen Kollision mit einem Pfahl war das Kühlsystem der Batterie beschädigt worden. (Abschlussbericht zum Vorfall der NHTSA). In dem Bericht heißt es, dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung (Januar 2012) der Behörde keine Feuer nach einem Unfall im echten Straßenverkehr mit Elektrofahrzeugen bekannt waren – trotz detaillierter Recherche.

Feuer nach schwerem Unfall

Ein Eletro-Taxi des Herstellers BYD fing in China Feuer nach einem schweren Unfall, bei dem drei Passagiere starben. Zwar löste die elektrische Verkabelung den Brand aus, aber es brannten weder alle Akkus aus noch gab es Explosionen.

Feuer bei geparktem Fahrzeug

Auch zwei andere Feuer erfassten den Elektro-Sportwagen von Fisker. Ein Hausbrand in Texas ging von dem Fahrzeug aus, bei einem anderen Brand im August 2012 hatte in Kalifornien ein defekter Ventilator das Feuer ausgelöst. Daraufhin wurden Fahrzeuge zurückgerufen, um das Bauteil zu tauschen.

Feuer nach Wasserschaden

Etwa 16 Elektro-Sportwagen des Herstellers Fisker haben im Oktober 2012 Feuer gefangen: Hurrikan Sandy hatte einen Großparkplatz unter Wasser gesetzt und die Fahrzeuge fingen danach Feuer und brannten komplett aus (Bilder bei Jalopnik). Laut Hersteller lösten aber nicht die Batterien den Brand aus, sondern ein anderer technischer Defekt auf Grund des eingedrungenen Salzwassers.

Feuer in der Fabrik

Noch in der Fabrikhalle fing im Märze 2013 eine Batterie eines Mitsubishi-Plugin-Hybrids des Tpys i-Miev Feuer. Das Batteriepaket war eine Maschine angeschlossen, die einen Entladungstest vornahm. Bei einem anderen Elektro-Modell des Konzerns schmolz im selben Monat ein Batteriepaket, das in einem Wagen verbaut war, der bei einem Händler im Ausstellungsraum stand.

Feuer während der Fahrt

Im April 2011 fing ein chinesisches Elektrotaxi (Modell: Zotye M300 EV) Feuer während der Fahrt. Als Grund nannte Sicherheitsexperten Mängel bei der Fertigung der Batterien und beim Einbau der Zellen.

Die verwendeten Lithium-Ionen-Batterien sorgten allerdings schon häufiger für Ärger, etwa in Laptops oder Mobiltelefonen. General Motors verbesserte die Konstruktion seines Elektroautos Chevrolet Volt, nachdem die Akkus sich nach Crashtests überhitzt hatten. Auch Boeing überarbeitete die Batteriekonstruktion in seinem „Dreamliner“ nach Bränden und einem daraus resultierenden Flugverbot.

Tesla hat bislang gut 19.000 Model S ausgeliefert. Um die Wahrscheinlichkeit eines Unfalls zu senken, wird der Hersteller nun die Bodenfreiheit der luftgefederten Autos erhöhen. Tesla dehnt als vertrauensbildende Maßnahme zudem seine Garantie auf Feuer aus. Einen freiwilligen Rückruf hatte Firmenchef Musk zuvor ausgeschlossen.

Die Brände hatten die Aktie des Senkrechtstarters Tesla einbrechen lassen. Am Montag fiel der Kurs um weitere 10 Prozent. Seit seinem Höchststand von 194,50 Dollar vor anderthalb Monaten hat das Papier annähernd 40 Prozent an Wert eingebüßt.

Tesla ist eigentlich eine Erfolgsgeschichte. Selbst nach dem Einbruch ist die Aktie noch mehr als dreimal so teuer wie zu Jahresbeginn. Das Model S heimste Spitzennoten bei Auto- und Sicherheitstests ein. Der Wagen fand besonders im wohlhabenden Silicon Valley viele Fans. In diesem Jahr will Tesla 21.000 Stück bauen; ein neues günstigeres Modell soll die Verkäufe vervielfachen.

Von

dpa

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