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12.07.2012

13:23 Uhr

Elektroautos

BMW und Opel fordern staatliche Starthilfe

Die Hoffnungen sind groß, doch auf der Straße sind Elektroautos weiterhin eine Rarität. Auf der Handelsblatt-Jahrestagung Automobilität sorgen sich Opel und BMW um ihre Investitionen und rufen nach Staatshilfe.

Der Ampera ist Opels große Hoffnung auf dem Elektromarkt. dapd

Der Ampera ist Opels große Hoffnung auf dem Elektromarkt.

MünchenBMW und Opel fordern Subventionen für Elektroautos, damit ihre teuer entwickelten Fahrzeuge keine Ladenhüter werden. BMW-Vorstandschef Norbert Reithofer sagte am Donnerstag in München, die Bundesregierung wolle in acht Jahren eine Million Elektrofahrzeuge auf der Straße haben. „Doch im vergangenen Jahr wurden gerade einmal 2000 verkauft, davon 100 an Privatkunden“. Damit trotz der hohen Preise mehr gekauft würden, brauche es Anreize „zum Beispiel aus dem Steuerrecht“.

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Opel-Technikvorstand Rita Forst sagte auf der „Handelsblatt“ -Auto-Jahrestagung in München: „Es bringt nichts, nur ein paar Pilotfahrzeuge und Schaufensterprojekte zu haben.“ Die Kunden erwarteten bezahlbare Alternativen hier und jetzt, aber „der Kaufpreis stellt ein großes Problem dar“. In Frankreich und einigen anderen Ländern gebe es Subventionen. Wenn Europa den Abschied von fossilen Energien wirklich ernst meine, „dann sind finanzielle Anreize die einzige logische Konsequenz“, sagte Forst. „Die Autoindustrie braucht weitere, stärkere Unterstützung.“ Denn am Ende des Tages müsse sie mit Elektroautos auch Geld verdienen.

Professor Stefan Bratzel vom Zentrum für Automotive Management in Bergisch Gladbach sagte am Rande der Tagung der dpa: „Reine Elektromobilität wird eine kleine Nische bleiben.“ Der Ruf nach Subventionen werde in der Finanzkrise kaum erfolgreich sein. In Frankreich gehe es trotz Subventionen nicht richtig voran, auch dort seien nur ein paar tausend Fahrzeuge verkauft worden. Weil Benzin- und Dieselmotoren immer sparsamer würden, werde die Hürde für den Kauf eines Elektroautos noch höher. Die Autoindustrie sollte Plug-in-Hybridautos durch größere Stückzahlen billiger machen, sagte Bratzel.

Allianzen der Autobauer

Daimler/ Chrysler

In der Vergangenheit hatte vor allem die Achterbahnfahrt von Daimler und Chrysler lange für Schlagzeilen gesorgt. 1998 gaben die Daimler-Benz AG und Chrysler Corporation die Fusion zur DaimlerChrysler AG bekannt. Der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp übernahm Chrysler für knapp 40 Milliarden Dollar. Doch das US-Unternehmen entpuppte sich als milliardenschwerer Sanierungsfall. 2007 wurde das Ende der Allianz besiegelt. Chrysler wird nun vom italienischen Autobauer Fiat kontrolliert.

BMW/ Rover

Auch BMW musste für die Übernahme der britischen Rover Lehrgeld zahlen. Der damalige Vorstandschef Bernd Pischetsrieder fädelte 1994 die Fusion ein. BMW zahlte zwei Milliarden DM und steckte erhebliche Summen in die Entwicklung neuer Modelle. Als diese sich nicht verkaufen ließen, stieg BMW 2000 wieder aus.

Renault/ Nissan

Segensreich für beide Partner war dagegen die Liaison des Renault-Konzerns mit dem japanischen Autobauer Nissan. 1999 wurde die französische Nummer zwei größter Anteilseigner bei Nissan und machte aus dem angeschlagenen Hersteller ein ertragreiches Unternehmen.

Renault-Nissan/ Daimler

Renault-Nissan verbündete sich 2010 zudem mit Daimler. Renault und Nissan halten 3,1 Prozent an Daimler und die Schwaben wiederum halten 3,1 Prozent an Renault und 3,1 Prozent an Nissan. Die zwei Seiten versorgen sich gegenseitig mit Antrieben und Antriebsteilen.

Volkswagen/ Porsche

Volkswagen konnte erst nach einem erbitterten Übernahme- Machtkampf mit Porsche das Rennen für sich entscheiden. Zwar ist eine geplante Fusion wegen milliardenschwerer Schadensersatzklagen geplatzt. VW will aber nun die Porsche AG - in der das Autogeschäft gebündelt ist - schrittweise übernehmen. Derzeit hält VW 49,9 Prozent Volkswagen baut sein Imperium mit Milliardeninvestitionen massiv aus.

Volkswagen/ Suzuki

Im Dezember 2009 beteiligte sich der VW-Konzern für 1,7 Milliarden Euro mit knapp 20 Prozent an Japans viertgrößtem Autobauer Suzuki. Mittlerweiler gibt es allerdings reichlich Ärger. Suzuki Motor will seine Kooperation mit Volkswagen nach Vorwürfen des gegenseitigen Vertragsbruchs beenden und den eigenen Anteil von rund 20 Prozent von VW zurückkaufen. Doch die Deutschen stellen sich quer. Im November haben die Japaner deswegen ein Schiedsgericht angerufen.

Reithofer erwartet für Hybrid- und Elektroautos zusammen bis 2020 einen Marktanteil von 7 bis 15 Prozent. In den USA bekämen Elektroautos bei den Vorgaben für den zulässigen Flottenverbrauch der Autohersteller einen Bonus. In Europa wolle die EU-Kommission den CO2-Ausstoß drastisch senken. Aber den CO2-Ausstoß der BMW-Flotte von heute 148 auf 100 Gramm zu senken, sei „eine gewaltige Herausforderung“. Um solche Grenzwerte zu erreichen, müssten kleinere Autos gebaut und mittelgroße Autos auch mit Dreizylindermotoren ausgerüstet werden. BMW werde sein Angebot an Hybridautos ausbauen und Ende 2013 mit der Serienfertigung des Elektro-BMW i3 starten.

Beim Übergang auf neue Technologien täten sich die Hersteller am schwersten, „die mit alten Technologien noch erfolgreich sind“, sagte Reithofer. BMW, Daimler und Volkswagen sonnten sich im Erfolg ihrer Verbrennungsmotoren, die Käufer verlangten sie. Aber das könne leicht den Blick auf die Zukunft trüben.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Ludwig500

12.07.2012, 14:01 Uhr

Wenn keiner solche Elektrokrücken will, dann will sie halt keiner. Um Subventionen zu bitten halte ich angesichts der Erträge von BMW für unverschämt. Sich mit der i-Linie als umweltbewusst präsentieren und diese Werbung dann vom Steuerzahler finanzieren zu lassen kann ja wohl nicht richtig sein.

Auf jeden ist es mal wieder bezeichnend, dass Reithofer unter diesen Vorraussetzungen Mutti´s Politik lobt.

drschaeffera

12.07.2012, 14:01 Uhr

Das hätten die Marktforschungsabteilungen der Unternehmen aber auch vorher herausfinden können: Elektromobilität macht ja für den Endkunden in erster Linie dann Sinn, wenn er sich damit im Vergleich zum Tanken an der Benzin-Zahpfsäule Geld spart. Wenn der Stromverbrauch der E-Autos zwar billiger ist als der Benzinkonsum, aber die Kunden die Akkus ihrer Autos für 60-90 € im Monat mieten sollen, dann geht diese Rechnung natürlich nicht auf. Dann müsste der Kunde neben einem höheren Anschaffungspreis auch höhere laufende Ausgaben als für sein herkömmliches Auto berappen. Dass das dann zusätzlich zu den übrigen Einschränkungen (Reichweite etc.) kein Kassenschlager wird, hätte somit klar sein können. Und an die Entwicklungsabteilungen: Die Autos sind eben so lange noch nicht fertig entwickelt, wie es keine vernünftigen Lösungen für das Speichern der Energie in geeigneten Akkus gibt.

Pranger

12.07.2012, 14:04 Uhr

Immer diese Rufe nach Subventionen und Hilfe vom Staat. Bietet endlich vernünftige Elektroautos an und verschleudert das Geld nicht für Werbeanzeigen mit irgendwelchen Konzeptautos. Herr Reithofer hat Recht, wenn er die Hersteller anprangert, dass diese sich in ihrem Erfolg mit Verbrennungsmotoren sonnen und die Zukunft verschlafen.

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