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04.09.2014

10:10 Uhr

Elektroautos

Tesla will Mega-Fabrik in Nevada bauen

Der Elektroautobauer Tesla will seine geplante Batteriefabrik offenbar im US-Bundesstaat Nevada errichten. Der Konzern will bis zu fünf Milliarden Dollar investieren. Das Ziel: Elektroautos sollen günstiger werden.

Tesla Roadster: Der US-Elektroautobauer will Batterien künftig in der Massenproduktion fertigen lassen, um Kosten zu senken. dapd

Tesla Roadster: Der US-Elektroautobauer will Batterien künftig in der Massenproduktion fertigen lassen, um Kosten zu senken.

New YorkDer Elektroautobauer Tesla ist auf der Suche nach einem Standort für seine gigantische Batteriefabrik laut US-Medienberichten fündig geworden. Das bis zu fünf Milliarden Dollar verschlingende Mega-Projekt werde in Nevada hochgezogen, berichteten der TV-Sender CNBC und die „LA Times“ am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf eingeweihte Kreise.

Gouverneur Brian Sandoval wolle den Deal am heutigen Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Nevadas Hauptstadt Carson City verkünden, hieß es in dem Zeitungsbericht. Die von Tesla-Chef Elon Musk als „Gigafactory“ bezeichnete Riesenfabrik soll bis 2020 etwa 6500 Arbeitsplätze bringen. Kalifornien, Arizona, Texas und New Mexiko hatten sich ebenfalls bemüht.

Tesla braucht die Fabrik dringend, um die Kosten für die in den Elektroautos verbauten Batterien durch Massenproduktion zu senken. Nur so kann das Unternehmen Wagen herstellen, die sich auch die breite Bevölkerung leisten kann. Das aktuelle Tesla-Modell kostet etwa 70.000 Dollar (rund 53.300 Euro). Ab 2017 soll das „Model 3“ für 35.000 Dollar auf den Markt kommen.

Stromer kamen schon mal zu früh

Es begann 1881

Historisch gesehen war das Elektroauto schon öfter zu früh dran: Fünf Jahre vor Carl Benz erstem Auto mit Ottomotor fuhr bereits das erste Elektroauto. In den Kindertagen des Automobils behaupteten sich Elektroautos gleichberechtigt neben Dampfwagen und Verbrennern. Doch dann begann ein Jahrhundert des E-Mobil-Flopps. Nicht nur die begrenzte Fähigkeit der Energiespeicherung verhindert bis heute den Durchbruch der E-Autos.

Technische Puristen missgönnen bis heute Mercedes die Urheberschaft am Automobil. Sie reklamieren, dass nicht Carl Benz 1886 das erste Automobil der Geschichte gebaut hat, sondern der Franzose Gustav Trouvé fünf Jahre zuvor.

Der Erfinder und Elektroingenieur hatte 1881 in ein dreirädriges Fahrrad des englischen Herstellers "Starley Coventry" einen Elektromotor eingebaut. Mit Blei-Akkumulatoren erreichte das Vehikel, mehr rollender Prüfstand als Fahrzeug, eine Höchstgeschwindigkeit von zwölf Kilometern pro Stunde und schaffte eine Reichweite zwischen 14 und 26 Kilometern.

Vom Dreirad über die Kutsche zum Auto

Ein Jahr später bauten die englischen Professoren William Edward und John Perry ebenfalls ein elektrisch angetriebenes Dreirad. Die Regelung der Geschwindigkeit erfolgte über die Schaltung der zehn Akkumulatorenzellen. Jede hatte eine Kapazität von einer halben Kilowatt-Stunde bei einer Spannung von 20 Volt. Der Motor leistete 0,37 kW/0,5 PS. Zur weiteren Pionierleistung des Fahrzeugs gesellt sich die erste elektrische Beleuchtung bei einem Motorfahrzeug.

Werner Siemens baute 1882 in Halensee bei Berlin eine Kutsche mit elektrischem Antrieb. Das Fahrzeug konnte mehrere Personen befördern, lief aber über eine 520 Meter lange Versuchsstrecke nicht selbstständig mit einer Batterie, sondern zapfte Strom aus einer Oberleitung.

Die Ehre, das erste wirkliche Auto mit Elektroantrieb gebaut zu haben, gebührt der "Coburger Maschinenfabrik A. Flocken". Das vierrädrige Elektroauto für zwei Passagiere fuhr erstmals 1888. 2011 debütierte in Stuttgart eine Rekonstruktion des Fahrzeugs.

Frühe Erfolge

Da Ende des 19. Jahrhunderts mangels geeigneter Straßen noch nicht absehbar war, dass sich das Automobil zum brauchbaren Verkehrsmittel für Überlandfahrten qualifizieren würde, feierten Elektroautos als städtische Verkehrsmittel über kurze Distanzen beachtliche Erfolge. Zumal ihr Antrieb lautlos arbeitete. Angesichts des dichten Eisenbahnnetzes, das in jeden Winkel der Welt vorgedrungen war, erschien ein konkurrierendes Verkehrmittel als Antwort auf eine Frage, die niemand gestellt hatte. Alleine in Deutschland etablierten sich mehr als zwei Dutzend Hersteller von Elektrofahrzeugen.

Der Lohner-Radnaben-Porsche

Die Antriebstechnik verhalf auch einem jungen österreichischen Ingenieur zum Durchbruch. Der 24-jährige Ferdinand Porsche konstruierte 1899 für den seit 1821 aktiven Wagen- und Wagonbauer "k.u.k. Hofwagenfabrik Jakob Lohner & Co" in Wien ein Auto mit sogenannten "Radnabenmotoren". Dabei findet der Motor direkt im Rad Platz und sorgt ohne Einsatz von Antriebswellen für den direkten Vortrieb. Mit vier dieser Motoren realisierte Porsche ganz nebenbei den ersten Allradantrieb der Autogeschichte.

Alt-bekannte E-Auto-Probleme

Da das Gewicht der Batterie für eine akzeptable Reichweite rund eineinhalb Tonnen erreichte, konstruierte Porsche gleich den ersten Hybridantrieb mit einem Benzinmotor von Daimler, der als Generator die Radnabenmotoren mit Energie versorgte. Der Lohner-Porsche feierte 1900 seine Premiere auf der Weltausstellung in Paris. Bis 1906 entstanden rund 300 dieser Fahrzeuge, die zwischen 10.000 und 35.000 österreichische Kronen kosteten und vornehmlich als Taxen und bei der Wiener Feuerwehr zum Einsatz kamen. Wegen der geringen Reichweite floppte der Lohner-Porsche aber langfristig.

Starker Marktanteil in den USA

In den USA stellten 1900 die Autos mit Otto-Motoren nur einen Anteil von 22 Prozent am gesamten Fahrzeugbestand. 40 Prozent gingen an Dampfwagen, 38 Prozent an Elektroautos. In New York war sogar jedes zweite Automobil ein Elektrofahrzeug. 1912 erreichte der Elektroboom seinen Höhepunkt in den Vereinigten Staaten. 20 Hersteller hauten 33.842 E-Mobile.

Schlagartiger Bedeutungsverlust

Mit der rasant voranschreitenden Entwicklung von schnelllaufenden und leistungsstarken Otto-Motoren zu Beginn des 20. Jahrhunderts, verloren die Elektroautos schlagartig an Bedeutung und überlebten nur noch in Nischen, beispielsweise als Lieferfahrzeuge.

Zudem will Tesla seine Produktion mit dem riesigen Werk massiv ausweiten. Die „Gigafactory“ soll bis 2020 mehr Lithium-Ionen-Akkus fertigen als alle heutigen Fabriken zusammen. Bis Ende 2015 soll der Autoabsatz rund 25.000 Fahrzeuge pro Quartal erreichen. Zum Vergleich: Im gesamten letzten Jahr produzierte Tesla 20.000 Wagen, in diesem Jahr sollen es etwa 35.000 werden.

Wegen hoher Entwicklungs- und Vertriebskosten macht Tesla aber jetzt schon deutliche Verluste. Um ein profitables Geschäftsmodell mit günstigeren Elektroautos auf die Beine zu stellen, muss die Mega-Batteriefabrik ein Erfolg werden. Als Partner ist der japanische Elektronikkonzern Panasonic mit dabei.

Tesla selbst will sich laut Aussagen von Ende Juli um das Bauland und die Gebäude kümmern. Panasonic, das den Amerikanern schon heute Batterien zuliefert, wird mit der Fertigung der Batteriezellen die Hälfte der Fläche einnehmen. Den Rest sollen andere Zulieferer und Tesla besetzen, um die fertigen Batteriepacks für die Autos zusammenzubauen.

Von

dpa

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