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23.04.2012

09:07 Uhr

Elektrokonzern

ABB-Chef warnt vor Scheitern der Energiewende

VonHolger Alich

ExklusivDer Elektrokonzern ABB will seine Produktpalette mit kleineren Übernahmen erweitern. Vorstandschef Joe Hogan kündigt im Interview mit dem Handelsblatt „kleinere Zukäufe“ im Bereich Sicherungstechnik an.

ABB-Vorstandschef Joe Hogan auf einer Pressekonferenz in Zürich. Reuters

ABB-Vorstandschef Joe Hogan auf einer Pressekonferenz in Zürich.

MünchenJoe Hogan, Vorstandschef des Siemens-Konkurrenten ABB, warnt in einem Interview mit dem Handelsblatt vor einem Scheitern der Energiewende in Deutschland. „Je länger Deutschland mit dem Ausbau des Stromnetzes zögert, desto größer ist die Gefahr, dass die gesamte Energiewende scheitert“, sagte Hogan. Allen Beteiligten sei offenbar noch nicht klar, welche zentrale Bedeutung die Netze für den Erfolg der Energiewende hätten. Denn der Strom der geplanten Windparks in der Nordsee müsse 900 Kilometer weit in den Süden transportiert werden.

Die Einbindung von Windparks und Solaranlagen in das Stromnetz sei in den Dimensionen, wie es Deutschland plane, weltweit einmalig. „Die Welt schaut mit großem Interesse auf die deutsche Energiewende“, so Hogan.

ABB ist ein schweizer-schwedischer Industriekonzern mit 38 Milliarden Dollar Umsatz und 134.000 Mitarbeitern. Der Konzern ringt mit Siemens um die Marktführerschaft bei Stromnetzen. Daneben ist ABB in den Bereichen  Automatisierungstechniken, Antrieben und Steuerungsanlagen aktiv.

Im Bereich Steuerungstechniken kündigte Hogan gegenüber dem Handelsblatt „kleinere Zukäufe“ an. „Mit Zukäufen könnten wir noch weiße Flecken bei der Automatisierung und Steuerungstechnik füllen“, so Hogan. „Es gibt zwar immer wieder Gerüchte, dass wir Rockwell kaufen wollen. Das kann ich aber dementieren.“ Zuletzt hatte der Konzern die Übernahme des US-Anbieters Thomas & Betts für knapp vier Milliarden Dollar angekündigt.

Kummervoll äußerte sich Hogan über die Entwicklung der indischen Wirtschaft. „Sorgen mache ich mir um Indien. Das Land hat ein enormes Potenzial. Es leidet aber unter einem hohen Handelsdefizit, starker Inflation und hat nur geringen Spielraum in der Fiskalpolitik“, sagte der Amerikaner.

ABB hat vor knapp zwei Jahren den Anteil an seiner indischen Tochter für fast eine Milliarde Dollar aufgestockt und baut derzeit mehrere Fabriken für Stromtechnik auf dem Subkontinent. Indische Energieversorger bestellen ihre Anlagen traditionell gerne in Zürich, etwa vor einem Jahr eine 900 Millionen Euro teure Hochspannungsleitung. „Ich bin gespannt, was in den nächsten zwölf Monaten dort passiert. Das Land ist als Wirtschaftsmacht zu wichtig geworden“, sagte Hogan.

(mit Material von Reuters)

Kommentare (1)

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Ideologiefeind

23.04.2012, 13:00 Uhr

Herr Hogan hat mit seiner Warnung schon recht. Sein Focus auf den einfachen Ausbau von Trassen spricht aber pro domo. Wichtiger ist Forschung und Entwicklung der Steuerung intelligenter Netze. Da kann Deutschland wieder Weltmarktführer werden. Zumindestens wieder mal vorübergehend! Und ebenso wichtig wäre der richtige Ausbau von Anlagen zur Erzeugung von alternativen Energien. Die Einspeisungssätze von Windkraftanlagen müssten sich nach der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit richten. Eine WKA am Meer muss keine 50% Eigenkapitalrendite abwerfen und gleichzeitig können in Süddeutschland weitere lohnende Standorte entwickelt werden. Dabei müssen auch die Restriktionen für die Genehmigung gelockert werden. Die Folge: die alternative Stromerzeugung erfolgt vermehrt dort wo er gebraucht wird, Kosten für Netze, Kosten für Durchleitung und Verluste werden reduziert.

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