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04.04.2017

12:15 Uhr

Elektrokonzern ABB

Schweizer attackieren Siemens mit Milliardendeal

Der Schweizer Elektrokonzern ABB kauft sich Wachstum ein – und übernimmt den Steuerungshersteller Bernecker & Rainer aus Österreich. Der mutmaßliche Milliardendeal ist auch eine Attacke auf Platzhirsch Siemens.

Der Schweizer Elektronikkonzern kauft den österreichischen Steuerungshersteller Bernecker & Rainer für schätzungsweise zwei Milliarden Dollar. AFP; Files; Francois Guillot

ABB

Der Schweizer Elektronikkonzern kauft den österreichischen Steuerungshersteller Bernecker & Rainer für schätzungsweise zwei Milliarden Dollar.

ZürichMit der größten Übernahme seit fünf Jahren will der Schweizer Elektrokonzern ABB den Rückstand auf den Rivalen Siemens verkürzen. Die Zürcher kaufen den österreichischen Steuerungshersteller Bernecker & Rainer (B&R) mit einem Umsatz von gut 600 Millionen Dollar, wie ABB am Dienstag mitteilte. Mit der Übernahme der wachstumsstarken Firma schaltet Konzernchef Ulrich Spiesshofer, der sich bisher vor allem mit Kostensenkungen einen Namen gemacht hat, auf Angriff. „In Zukunft wird es weitere Akquisitionen von ABB geben“, erklärte der Manager in einer Telefonkonferenz.

Die beiden Firmen legten den Kaufpreis nicht offen, er entspreche jedoch der Bewertung anderer Unternehmen in der Branche. Der an der Börse gelistete Konkurrent Rockwell wird etwa mit dem dreifachen des Umsatzes bewertet. Für B&R ergäbe sich damit ein Kaufpreis von knapp zwei Milliarden Dollar.

„Das ist ein Meilenstein für ABB, weil wir damit endlich die historische Lücke in der Fabrikautomation schließen“, sagte Spiesshofer im Gespräch mit Reuters zur Übernahme, die im Sommer abgeschlossen werden soll. Um die Lücke zu stopfen hatte ABB einem Insider zufolge auch die Übernahme von anderen Anbietern ins Auge gefasst, darunter Rockwell. Ein ABB-Sprecher wollte sich dazu nicht äußern.

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B&R beliefert mehr als 4000 Maschinenbauer mit programmierbaren Steuerungsgeräten und Industrie-Computern, die das „Hirn“ dieser Maschinen bilden. Die 1979 von zwei Freunden im Keller einer Bank gegründete B&R ist in den letzten zwei Dekaden um durchschnittlich elf Prozent pro Jahr gewachsen und hat den Gesamtmarkt damit weit hinter sich gelassen. In spätestens fünf Jahren soll die Firma unter den Fittichen von ABB die Umsatz-Marke von einer Milliarde Dollar knacken. In der Industrieautomation kommen ABB und B&R gemeinsam auf einen Umsatz von rund 15 Milliarden Dollar. Marktführer ist Siemens, die Nummer drei ist Emerson aus den USA.

Die Bank Vontobel bezeichnete die Transaktion als „klugen strategischen Schachzug“. Und Barclays-Analyst James Stettler erklärte: „Damit wird ABB die einzige Firma, die die komplette Fabrikautomation mit Robotik kombiniert.“ Experten halten es für möglich, dass Konkurrenten damit unter Zugzwang kommen und sich nun ebenfalls nach geeigneten Zukäufen umschauen könnten. An der Börse zogen die ABB-Aktien 0,9 Prozent an. Der größte Eigner, die schwedische Investor, unterstützt die Transaktion. „Es ist wichtig, dass ABB weiter an der internen Effizienz arbeitet und gleichzeitig in strategischen Bereichen in die Zukunft investiert“, erklärte ein Sprecher. Die Nummer zwei, Cevian, wollte sich nicht äußern.

Mit der Übernahme der gut 3000 Mitarbeiter zählenden Gesellschaft weitet ABB nicht nur das Produktangebot aus, sondern sichert sich auch Zugang zu neuen Endkunden. Während die Schweizer vor allem Versorger und Infrastrukturanbieter beliefern, ist B&R bei Nahrungsmittel- und Verpackungsherstellern stark. „Es geht darum, die Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor zu reduzieren“, erklärte Spiesshofer. Angesichts der niedrigen Rohstoffpreise hatte die Branche zuletzt weniger investiert und damit auch Bremsspuren bei ABB hinterlassen.

Von

rtr

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