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03.06.2013

08:56 Uhr

Elektronikriese

Siemens bekräftigt Gewinnziel für 2014

Der deutsche Traditionskonzern Siemens erwartet trotz mauer Wirtschaft weiterhin hohen Gewinn für 2014. Das Ziel sei wegen des Sparprogramms erreichbar. Doch die Industriekonjunktur läuft nur schwerfällig an.

Siemens-Chef Löscher blickt selbstbewusst auf das kommende Jahr. AFP

Siemens-Chef Löscher blickt selbstbewusst auf das kommende Jahr.

BerlinTrotz der weltweit schwächeren Konjunktur hält Siemens an seinem Gewinnziel für das nächste Jahr fest. Vorstandschef Peter Löscher sagte der "Bild"-Zeitung (Montagausgabe): "Unser Ziel von zwölf Prozent Gewinnmarge 2014 steht - auch wenn die Konjunktur weltweit bislang nicht so gut läuft wie erwartet." Doch für 2014 gingen alle Experten von einer anziehenden Konjunktur aus, was auch für Siemens gut wäre.

Löscher betonte, das jüngste Sparprogramm diene dazu, den Konzern weiterhin in der Weltspitze zu halten. "Siemens steckt nicht in der Krise", betonte er. Von den geplanten Einsparungen im Volumen von sechs Milliarden Euro habe Siemens bereits rund eine Milliarde realisiert. Mit dem Sparprogramm, das den Wegfall Tausender Arbeitsplätze vorsieht, will Löscher die nun noch einmal bekräftigte Rendite von mehr als zwölf Prozent erreichen. Zu den von Arbeitnehmervertretern vehement bekämpften Plänen gehört auch der Verkauf mehrerer Geschäftssparten.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

Für das laufende Geschäftsjahr hatte Siemens erst Anfang Mai seine Erwartungen zurückgeschraubt. Eine Vielzahl hausgemachter Probleme und die schwache Industriekonjunktur haben die Hoffnungen auf einen Gewinn aus fortgeführtem Geschäft von bis zu fünf Milliarden Euro zunichte gemacht. Das Unternehmen wird sich nach eigenen Angaben nun einem Ergebnis im unteren Bereich der ursprünglich angepeilten Spanne von 4,5 bis 5 Milliarden Euro "von unten annähern".

Die verspäteten ICE-Züge, die Löscher der Deutschen Bahn für das vergangene Jahr versprochen hatte, gingen nun Ende Juli in den Zulassungsprozess, erklärte der Manager. Wann die Eisenbahnen rollen würden, könne er nicht sagen. "Das hängt nicht von uns ab, sondern vom Eisenbahn-Bundesamt und der Dauer des Zulassungsverfahrens. Das ist komplex und für keinen Hersteller kalkulierbar", klagte er.

Siemens-Geschäftsfelder und ihre Zukunft

Energietechnik

Der Sektor hat dem Vorstand im vergangenen Jahr wohl den meisten Kummer bereitet. Siemens verpatzte den rechtzeitigen Anschluss von Windparks in der Nordsee und musste eine halbe Milliarde Euro Strafe zahlen. Zudem drückt verstärkt asiatische Konkurrenz auf den Markt für Transformatoren. Siemens reagierte auf den wachsenden Preisdruck mit dem Abbau Tausender Stellen.

Sortieranlagen

Nach Löschers Ansicht wirft das Geschäft mit Sortieranlagen für Postzentren und Flughäfen mit einer Rendite um die fünf Prozent bei Jahresumsätzen von 900 Millionen Euro zu wenig ab. Der Konzern sucht nun nach einem Käufer für das Segment, rund 3600 Mitarbeiter sind betroffen.

Wasseraufbereitung

Ein ähnliches Schicksal wie die Sortieranlagen-Sparte trifft auch die Wasseraufbereitungstechnik. Als Ausrüster von Wasserwerken setzt Siemens zwar rund eine Milliarde Euro um, unter dem Strich bleibt allerdings nur ein einstelliger Millionenbetrag hängen. Die Einheit soll verkauft werden.

Solarenergie-Technik

Der Ausflug in die Solarenergie-Technik erwies sich für die Münchner als teurer Flop. Mit dem Kauf der israelischen Solel für 418 Millionen Dollar und dem Erwerb von Anteilen an der italienischen Archimede wollte Siemens bei der solarthermischen Stromerzeugung mitmischen. Der Markt etablierte sich nie, Solel machte mehr Verlust als Umsatz. Die Anteile an Archimede hat Siemens bereits zurückgegeben, für Solel wurde ein Abnehmer gesucht.

Industriesoftware

Das Geschäft mit Computerprogrammen für die Industrie hat Siemens in den vergangenen Jahren stark ausgebaut. Für die Übernahme der belgischen LMS etwa zahlte der Konzern 680 Millionen Euro. Insgesamt elf solcher Softwareschmieden hat Siemens für zusammen mehr als vier Milliarden Euro gekauft.

Osram

Siemens verschenkt die große Mehrheit seiner Leuchtmittel-Tochter an die eigenen Aktionäre. Gut 80 Prozent sollen die Eigentümer behalten, der Rest bleibt bei der Mutter und deren Pensionsfonds. Siemens will in das Lampengeschäft nicht mehr investieren, Pläne für einen IPO waren gescheitert. Osram steckt selbst in der Sanierung, zunächst soll es keine Dividende geben. Zwischen 7300 und 8000 Stellen sollen weltweit abgebaut werden, einige Standorte geschlossen werden. Die Börsennotierung erfolgte Anfang Juli. Osram macht einen Jahresumsatz von gut fünf Milliarden Euro und erwartet für das laufende Geschäftsjahr wegen der Sanierungskosten Verlust.

Nokia Siemens Networks

Problem gelöst: Seinen Anteil an Nokia Siemens Networks hat der Münchner Konzern im Juli 2013 komplett an den finnischen Partner abgegeben.

Der Österreicher wetterte zudem gegen die deutsche Energiepolitik. "Die gesetzliche Förderung für die Erneuerbaren Energien muss komplett umgebaut werden." Es gebe derzeit Förderzusagen für die nächsten 20 Jahre von über 200 Milliarden Euro. "Das kann nicht so weitergehen. Dieses Geld fehlt Verbrauchern und Wirtschaft", schimpfte Löscher. Sein Konzern liefert für Erneuerbare Energien vor allem Windturbinen. Ein Ausflug in die Solarstromerzeugung endete in einem Debakel, aus der Fertigung von Solar-Wechselrichtern steigt Siemens gerade aus. Dagegen ist das Geschäft mit konventioneller Energietechnik, etwa Gasturbinen, das profitabelste bei Siemens.

Löscher, der sein Unternehmen gern als den "grünen Infrastrukturriesen" bezeichnet, verlangt eine Drosselung der Förderung von grünem Strom. "Erstens ist der Ausbau Erneuerbarer Energien um jeden Preis falsch. Damit verfehlen wir die Ziele der Energiewende." Besonders wichtig sei zweitens mehr Effizienz beim Verbrauch, etwa in Gebäuden. "Drittens brauchen wir bei der Energiepolitik mehr europäische Zusammenarbeit. Dann geht die Energiewende deutlich günstiger. Mit unseren Vorschlägen kann es gelingen, den Kostenanstieg für Privathaushalte bis 2020 auf die Hälfte zu reduzieren, statt 400 Euro nur 200 Euro pro Haushalt."

Von

rtr

Kommentare (2)

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HofmannM

03.06.2013, 09:44 Uhr

Soso...auf einmal wettert der Siemens-Löscher gegen die Energiewende. Diese deutsche wohlstandsvernichtende Energiewende auf der Gesetzgebung eines Bürger Zwangsgesetz EEG!
Hr. Löscher selbst war doch der glühenste Verfechter der merklisch diktierten Energiewende. Hr. Löscher ist und war noch nie ein Manager mit Rückgrat. Er ist und bleibt ein Skilehrer. Dieser Skilehrer kann sich und andere gut verkaufen aber von der realen Wirtschaft hat er KEINE AHNUNG!

ALFRED

03.06.2013, 11:23 Uhr

Bitte Compliance-Cromme nicht vergessen!

Dieser eitle Selbstdarsteller hat als langjähriger Auf-
sichtsrat bei Thyssen den Fast-Ruin zu verantworten.

Bei Siemens merkt man mittlerweile auch die Folgen seiner Politik, vor allem seiner Personalpolitik! Herr Löscher als Siemens-Vorstand ist das "Werk" von Herrn Cromme.

Keiner dieser Herren brachte das Fachwissen und die Er-
fahrung für einen breit diversifizierten Markt mit,
in dem Siemens erfolgreich war, ja sogar technisch füh-
rend entwickelt hat.
Leider fällt Siemens die letzten Jahre zunehmend nur
auf durch Pannen, Auslieferungsprobleme und Ergebnis-
Rückgänge!
Heuchlerisch ist die jetzige kritische Kommentierung
der "Erneuerbaren Energie"- Geschäfte. Vor ca. 4 Jah-
ren wurden die gleichen Phantastereien nachgebetet,
die die "grünen Visionäre" vorgebetet haben. Damit
wurde für unbedarftere Geister der aktuelle Irrsinn
(EEG-Gesetz) hoffähig gemacht...ja wenn der Siemens
einsteigt, muß doch was dran sein!

Siemens braucht dringend eine "Erneuerung" seiner Ar-
beits- und Erfolgskultur. Technik, Geschäftssinn und
Zuverlässigkeit müssen wieder in den Vordergrund, dazu
braucht es besonders eine andere Personalpolitik. Keine
Berater-und Finanzmarkt-Schwätzer, sondern wieder ge-
standene Ingenieure, Kaufleute und qualifiziertes Verkaufspersonal!

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