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05.04.2016

06:26 Uhr

Elon Musk verfehlt Absatzziele

Produktionsprobleme belasten Tesla

VonLukas Bay, Axel Postinett

Die kalte Dusche kam nach einem siegestrunkenen Wochenende: Die Vorstellung des Model 3 geriet noch zum Triumph. Doch im Tagesgeschäft von Tesla häufen sich die Pannen. Die aktuellen Zahlen sorgen für Ernüchterung.

Ernüchterung bei Tesla

Run auf Model 3: Tesla kommt mit Produktion nicht hinterher

Ernüchterung bei Tesla: Run auf Model 3: Tesla kommt mit Produktion nicht hinterher

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San FranciscoWenigstens 16.000 Teslas sollten zwischen Januar und März an die Kunden ausgeliefert werden. Das hatte Elon Musk noch im Februar versichert. Damit sollten Anleger und Gläubiger darüber hinwegtröstet werden, dass der Rekord von 17.400 Einheiten vom Schlussquartal 2015 nicht wieder erreicht wird.

Doch am Montag kam die Ernüchterung. Nur 14.820 der begehrten Elektroautos fanden ihren Weg zu den Kunden. Nachbörslich gab die Tesla-Aktie in New York ihre Tagesgewinne vollständig wieder ab.

Tesla war klar, dass man diese Zahlen nicht unkommentiert stehen lassen durfte. In einer Mitteilung gab es „wegen der ungewöhnlichen Umstände des Quartals“ zusätzliche Informationen, die es üblicherweise in Quartalsausweisen nicht gebe, so Konzernchef Elon Musk.

Die Probleme hatten mit Zulieferern und genau sechs Bauteilen des Model X zu tun. Sie seien nicht in genügender Menge zu bekommen gewesen. Mangelnde Qualitätskontrolle bei Zulieferern, ungenügende In-House-Expertise, um Teile selbst zu produzieren und eine „unentschuldbare Selbstüberschätzung“ zu viele technische Gimmicks schon in die erste Serie einbauen zu wollen, hätten zu dem schlechten Ergebnis geführt.

300.000 Vorbestellungen dürften es in den nächsten Tagen werden

Doch die Jahresprognose von 80.000 bis 90.000 Fahrzeugen hält Musk ausdrücklich aufrecht. Er hat also drei Quartale Zeit, um 65.000 Autos auszuliefern, damit er nur die Untergrenze seines Absatzziels ankratzt. Daher sollte ab jetzt besser jedes Quartal ein Rekordquartal sein.

Die Chancen dafür sind da, versichert der Vorstandschef. Die Bestellungen für das Flaggschiff, das Model S mit einem Preisschild von 70.000 Dollar aufwärts, hätten im Quartal 45 Prozent über Vorjahr gelegen. Die Produktion laufe jetzt „planmäßig“.

Die Firmen von Elon Musk

Zip 2

Als das Internet massentauglich wurde, gründeten Elon Musk und sein Bruder Kimbal die Firma Zip 2, ein durchsuchbares Firmenverzeichnis – damals eine Innovation. Große Zeitungsverlage schlossen mit dem Start-up Verträge ab. 1999 übernahm der Computerhersteller Compaq die Firma für gut 300 Millionen Dollar, Musk erhielt 22 Millionen Dollar.

X.Com

Musk dachte schon länger darüber nach, wie man mit einer Online-Bank die Finanzbranche umkrempeln könnte. Er engagierte die besten Programmierer und gründete 1999 mit dem Großteil des Verkaufserlöses von Zip2 X.Com. Die Firma experimentierte mit radikalen Konzepten und ermöglichte etwa den Versand von Geld per E-Mail.

Paypal

Auch andere entwickelten ein Bezahlsystem fürs Internet – etwa das Start-up Confinity mit seinem Dienst Paypal. Erst konkurrierten X.com und Confinity, dann schlossen sie sich zusammen. Eine große Finanzierungsrunde ermöglichte weiteres Wachstum, 2002 übernahm Ebay den Dienst für 5,1 Milliarden Dollar. Musk erhielt davon 165 Millionen Dollar.

Space X

Mit dem Geld konnte Musk seine Faszination für den Weltraum ausleben. Die erträumte Marsmission war zunächst unrealistisch, der Unternehmer ließ sich aber 2002 davon überzeugen, eine günstige Rakete zu entwickeln. Heute bietet Space X tatsächlich Raumflüge zu deutlich günstigeren Konditionen an als etwa Boeing oder Lockheed Martin.

Tesla Motors

Das bekannteste Musk-Projekt ist Tesla, auch wenn andere die Firma gründeten und der Macher erst 2004 mit seinem Geld dazu stieß. Zunächst nahm in der Autobranche niemand die Idee eines reinen Elektrofahrzeuges ernst, dank der Ingenieursleistung von Tesla ist das jetzt anders. Bei allem Erfindergeist ist die börsennotierte Firma immer noch nicht profitabel.

Solar City

Weil Solarzellen teuer waren, gründeten Lyndon und Peter Rive 2006 die Firma Solar City. Sie produzierte selbst keine Module, sondern finanzierte die Anlage vorab, so dass die Kunden sie nicht auf einen Schlag bezahlen mussten. Ihr Cousin Elon Musk stieg als Investor ein und war größter Anteilseigner. Die Firma gehört zu den größten Anbietern von Solarzellen in den USA. Im November 2016 stimmten die Aktionäre Musks Plan zu, Solar City durch den Autobauer Tesla übernehmen zu lassen.

Hyperloop

Als Musk vom Eisenbahnsystem enttäuscht war, ersann er eine Alternative: Transportkapseln sollen durch Druckluftröhren schießen und so auch lange Strecken in kurzer Zeit bewältigen. Mehrere hochrangige Ingenieure von Space X und Tesla erarbeiteten ein Konzept. Derzeit ist eine Verbindung zwischen Los Angeles und Las Vegas geplant. Kosten: mehr als 8 Milliarden Dollar.

Vor allem eines versprach Musk: „Tesla adressiert alle Grundübel, um sicherzustellen, dass diese Fehler mit dem Model-3-Start nicht wiederholen werden.“

Die Meldungen werden mindestens 276.000 Tesla-Fans mit gemischten Gefühlen aufgenommen haben. So viele Vorbestellungen hatte es für das Model 3 bis zum Samstag bereits gegeben. Bereits am Wochenende orakelte Musk per Twitter: „Ich werde definitiv nochmal über unsere Produktionsplanung nachdenken müssen.“

Die Marke von 300.000 Vorbestellungen dürfte in den nächsten Tagen geknackt werden. Und das obwohl noch kein einziger Käufer das Modell, das erst nächstes Jahr in Produktion gehen soll, gesehen hat oder eine Probefahrt machen konnte.

Kommentare (11)

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Herr Holger Narrog

05.04.2016, 09:17 Uhr

Herr Musk und Tesla sind eine Marketingmaschine. Bei solchen Marketingmaschinen, Beispiel Apple, stellt sich dann die Frage inwieweit sie den visionären Ansprüchen gerecht werden. Apple hat dies geschafft. Bei Tesla stellt sich die Frage ob sich Herr Musk mit seinen Visionen nicht überfordert.

Grundsätzlich ist die industrielle/technische Kompetenz in den USA in den vergangenen Jahrzehnten weitgehend verloren gegangen. Die Autohersteller haben in Jahrzehnten eine enorme Kompetenz und Erfahrung gesammelt die es ihnen erlaubt sehr komplexe Autos kostengünstig und sehr zuverlässig herzustellen. Dabei agieren die Autohersteller aus Angst vor Rückrufen die leicht den Jahresgewinn verzehren können recht vorsichtig. Ich erachte es als ziemlich unwahrscheinlich, dass es Herrn Musk gelungen ist sich diese Leute und dieses Wissen einzukaufen. Insofern ist die Hauptherausforderung dass sich, sobald der Heiligenschein verzogen hat enorme technische Fehler zeigen werden.

Weiterhin wird behauptet, dass Tesla über Garantien und Vorauszahlungen erhebliche finanzielle Lasten aufgebaut hat.

Herr Helmut Metz

05.04.2016, 09:50 Uhr

Sowas ist garantiert nicht mein Traumauto.
Wenn ich die Kohle hätte, dannn würde ich mir ein total unvernünftiges und politisch-inkorrektes Teil zulegen - wie beispielsweise die Corvette C7:
https://de.wikipedia.org/wiki/Corvette_C7
SO muss ein Ami-Schlitten sein: 6 Liter Hubraum und wie ein Löwe brüllender Sound, wenn man das Gaspedal bearbeitet! Selbstkastration für Öko-Spinner brauche ich nicht...
Nichtsdestotrotz konnte man (und kann vielleicht auch noch etwas länger) mit Tesla-Aktien Geld machen - solange der Hype läuft.
Raus muss man, wenn der Hype zu Ende geht, und das ist leichter gesagt als getan. Gerade E-Autos benötigen aber ein inflationäres Umfeld / eine ausgeprägte Kreditexpansion, da sonst nicht finanzierbar.
In einem deflationären Umfeld bzw. Kreditkontraktion sollte man sich daher von solchen Aktien auch mit als Erstes trennen...

Account gelöscht!

05.04.2016, 09:53 Uhr

Wer sich ein E-Auto (Tesla und Co.) anschaft der hat entweder keine Ahnung von Technik oder hat zuviel Geld auf der hohen Kante.
E-Autos sind weder billig noch alltagstauglich. E-Autos bedeuten einen Rückschritt für die Menschheit. Genauso wie die staatlich erzwungene Energiewende/Energieeinsparverordnung in Deutschland....diese bedeutet nämlich auch Mangel und Armut für uns ALLE. Danke!

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