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01.05.2015

10:38 Uhr

Elon Musks neuester Coup

„Rette uns, Elon!“

VonBritta Weddeling

Mit einer neuartigen Lithium-Ionen-Batterie will Tesla-Chef Elon Musk die Stromversorgung revolutionieren – und natürlich auch ein bisschen die Welt retten. Zudem kommt er damit seinem großen Traum einen Schritt näher.

Weltverbesserer im Anzug. Reuters

Tesla-Chef Musk

Weltverbesserer im Anzug.

HawthorneDer Mann steht auf der Bühne und breitet die Arme aus. Er hat große Hände, doch vor den dicken dunklen Wolken auf der Leinwand hinter ihm sehen sie nun geradezu winzig aus. Für den Moment setzt die Party-Stimmung aus in der tiefblau beleuchteten Halle mitten auf dem Tesla-Gelände, wo sich mittelalte Herren mit kalifornischem Teint und Frauen in Bleistiftröcken bei Gin Tonic versammelt haben. Hunderte Smartphones sind auf die Bühne gerichtet. „Rette uns, Elon!“, ruft eine Stimme. Elon Musk, der Mann auf der Bühne, deutet elegant eine Verbeugung an und man weiß nicht genau, ob er das ernst meint. „Ich will nicht den Darwin-Preis gewinnen“, sagt der 43-Jährige, aber ja, er habe sich da etwas ausgedacht.

Mal eben die Welt retten, das funktioniert an diesem Abend in Hawthorne, Los Angeles, als eine Art Mix aus Cocktailempfang, Diashow und ein bisschen Moralin. Mittendrin als Gastgeber und Zirkusdirektor Alleskönner Musk, der Mann, dem sie in Silicon Valley und eigentlich auch überall sonst so ziemlich alles zutrauen. In dem Unternehmer aus Südafrika hat die Technologiewelt ihren neuen Superhelden gefunden.

Jeder Gründer in San Francisco oder Mountain View will sein wie der 43-Jährige, der sein Vermögen mit Paypal machte und das Geld dann weiter investierte. In das Raumfahrtunternehmen SpaceX steckte er 100 Millionen Dollar, in Tesla Motors 70 Millionen und 30 Millionen in SolarCity. Die größte Bewunderung wird ihm zuteil, weil er es gleichzeitig mit mehreren Gegnern aufnimmt, die Autoindustrie ebenso attackiert wie Luftfahrt- und Energie-Unternehmen.

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Tesla will den Markt für Energiespeicher aufmischen und rechnet mit einem Milliardengeschäft. Marktbeobachter sind skeptisch – und auch die deutsche Konkurrenz bleibt gelassen. Doch die Pläne passen perfekt ins Konzept.

Die einen halten Musk für den neuen Steve Jobs, die anderen gar für Iron Man. Der Vergleich mit der Comic-Figur zeigt denn auch, wie übersteigert der Kult inzwischen ist. Jeder Satz von Musk ist Medien eine Schlagzeile wert. Inzwischen bewegt der Mann mit einem Tweet Börsenkurse. An diesem Abend in schwarzer Jeans und Hemd, das sich über den beeindruckenden Spitzbauch spannt, steht er da und erklärt seinen Gästen, dass sein neues Produkt „fundamental verändern wird, wie die Welt Energie nutzt“. Er blickt Richtung Decke und die kleinen Augen verschwinden fast unter der riesigen Stirn. „Ja“, sagt Musk, „das mag vielleicht verrückt sein.“

Der Tesla-Chef präsentiert die neue Produktlinie Tesla Energy. Neue Lithium-Ionen-Batterien sollen es den Menschen ermöglichen, den Strom, den sie mit Solarzellen erzeugen, zu speichern. So müssten sie überschüssigen Strom nicht mehr an die Energie-Erzeuger zurück verkaufen, sondern könnten ihn aufheben. Die Batterie lässt sich direkt an Hauswand oder Garage anbringen und kostet von 3000 bis 3500 Dollar. Ein Äquivalent gibt es für den Einsatz in der Industrie, in 100 Kilowattstunden-Modulen zum Preis von 25 000 Dollar.

Weiterhin könnten Nutzer den Strom, den sie über den Tag verbrauchen, nachts einkaufen, wenn die Preise günstiger sind. „Die Sonne scheint nichts nachts, das ist das Problem“, sagt Musk, die Leinwand hinter ihm zeigt den blauen Planeten aus der Weltraumperspektive. Und wenn einmal ein Eissturm käme, dann könnte man „losgelöst vom Rest der Zivilisation“ überleben. Die alte Idee vom Bauern und seiner Scholle, angewandt auf die digitale Hochleistungsgesellschaft.

Für die Präsentation seines neuen Produkts brennt Musk ein Feuerwerk an Worten und Lichtern ab. Alles ist „giga“ oder „mega“. Das Publikum erlebt die perfekte Lightshow in Hawthorne, diesem ziemlich abgerockten Vorort zehn Autominuten entfernt von Los Angeles, wo verlassene Häuser, abbruchreife Hallen und jede Menge Ödnis das Bild bestimmen. Das weiße Rechteck der Firma Tesla, jenes etwa 50 000 Quadratmeter große Areal, wirkt wie ein Raumschiff aus der Zukunft – und vielleicht muss es das auch.

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