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14.08.2015

07:52 Uhr

Embraer vs. Cessna

Neue Luxus-Jets für die Milliardäre

Milliardäre haben bald die Qual der Wahl: Sowohl Embraer als auch Cessna führen neue Luxus-Jets ein, um Kunden anzulocken. Beim Preis unterscheiden sich die Millionenflieger kaum, doch Experten sehen eine Maschine vorn.

„Geschäftsflugzeuge sind letztlich wie Autos.“ AFP

Blick in die Legacy 450

„Geschäftsflugzeuge sind letztlich wie Autos.“

DüsseldorfDie konkurrierenden Flugzeugbauer Embraer und Cessna stellen ihre neuen Luxus-Jets vor. Beide Unternehmen hoffen, dass die neuen mittelgroßen Flugzeuge jene Käufer anlocken können, die sich in den vergangenen sieben Jahren mit Käufen zurückgehalten haben. Während Embraer die Legacy 450 präsentiert, setzt die Textron-Sparte Cessna auf die Latitude. „Geschäftsflugzeuge sind letztlich wie Autos. Die Leute mögen das Neueste und das Beste“, sagt Cai von Rumohr, Analyst bei Cowen & Co.

Der Wettbewerb ist gnadenlos in der Branche, die in der ersten Hälfte dieses Jahres bei den Auslieferungen von Geschäfts-Jets einen Rückgang von 4,1 Prozent zu verzeichnen hat. Der Ölpreisverfall sorgte für eine schwächere Nachfrage aus Russland und Staaten des Nahen Ostens und Lateinamerikas. Hinzu kamen maue Auftragseingänge aus Europa und den USA.

Doch es ist Land in Sicht. Weil die Wirtschaft in den USA an Fahrt gewinnt, könnten Unternehmensmanager und reiche Privatpersonen wieder stärker auf Einkaufstour gehen, meint Jens Hennig von der General Aviation Manufacturers Association (GAMA) in Washington. „Angesichts der jetzt besseren Entwicklung in den USA sollten wir dort die Chance für eine Erholung in den kleinen und mittelgroßen Segmenten sehen“, erklärt Hennig in einem Interview mit Bloomberg. Zudem: „Wenn unsere Hersteller neue Produkte auf dem Markt vorstellen, gibt es auch ganz natürliche Kaufanreize für Kunden.“

Mit diesen Flugzeugen heben Geschäftsleute ab

Platz 10

Citation II - 18.957 Starts
Der Flugzeugbauer Cessna ist gleich fünfmal in den Top 10 der Business-Flugzeuge in Europa vertreten. Den Anfang macht die Citation II. Zusammen mit ihrem Nachfolgemodell Citation Bravo verlor der zweistrahlige Jet aber 9,4 Prozent aller Abflüge. Die Citation II ging Ende der 70er-Jahre erstmals in die Luft.

Quelle: Die Rangliste basiert auf Angaben von WINGX Advance. Das Marktforschungsinstitut hat dafür die Daten der europäischen Luftverkehrskontrolle Eurocontrol für 2014 ausgewertet.

Platz 9

Challenger 600 - 23.847 Starts
Im Jahr 1978 schickte Bombardier die erste Version des zweistrahligen Jets an den Start. Seitdem hat sich die Challenger zu einem der beliebtesten Privatjets gemausert. Zusammen gab es für die Flugzeuge der 600er-Reihe 2014 allerdings Einbußen – die Starts gingen um 4,2 Prozent zurück.

Platz 8

PC-12 - 24.316 Starts
Der Turboprop-Flieger ist der Gewinner unter den Business-Flugzeugen 2014. Die PC-12 des Schweizer Herstellers Pilatus legte bei den Abflügen in Europa um 17,1 Prozent zu. Der Zuwachs ist aber zum Großteil damit zu erklären, dass das finnische Militär die PC-12 verstärkt zur Sicherung der Grenzen mit Russland einsetzt, hat WINGX Advance analysiert.

Platz 7

Citation CJ2 - 25.394 Starts
Der Businessjet des US-Flugzeugbauers Cessna ist seit dem Beginn des Jahrtausends auf dem Markt. Um 0,5 Prozent nahmen die Abflüge in Europa zuletzt zu. Mit knapp 800 Stundenkilometern geht es mit der Citation CJ2 knapp 3000 Kilometer weit.

Platz 6

Citation Jet - 26.794 Starts
Der Citation Jet und das Nachfolgemodell CJ1 von Cessna waren 2015 in Europa weniger gefragt. Die Abflüge nahmen um 5,5 Prozent ab. Beim CJ1 wurde vor allem die Elektronik verbessert, zudem wurde der Businessjet effektiver. Seit 2011 wird er jedoch nicht mehr produziert.

Platz 5

Citation Mustang - 27.470 Starts
Die Klasse der „Very Light Jets“ liegt voll im Trend. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Citation Mustang zu den Gewinnern 2014 in Europa zählt. Der kleinste Jet der Citation-Reihe - maximal fünf Passagiere finden darin Platz - legte bei den Starts um 10,3 Prozent zu.

Platz 4

Falcon 2000 - 27.594 Starts
Die zweimotorige Maschine gehört zu den Klassikern des französischen Dassault-Konzerns. Er wird in verschiedenen Varianten ausgeliefert, die sich hinsichtlich ihrer Konfiguration unterscheiden. 2014 gingen die Abflüge des Business-Flugzeugs leicht um zwei Prozent zurück.

Platz 3

Hawker 700-900 - 34.372 Starts
Unter dem Dach des US-Konzerns Raytheon begann bereits in den 60er-Jahren die Entwicklung des zweistrahligen Businessjets. Nach etlichen Weiterentwicklungen gehören die Hawker-Modelle heute unter dem Dach von Beechcraft zum Cessna-Hersteller Textron. Die Jets werden aber nicht mehr gebaut, es sind nur noch Update-Programme verfügbar. 2014 gingen die Starts leicht um 3,8 Prozent zurück, doch das reicht für das Treppchen in Europa.

Platz 2

Super King Air 200 - 51.991 Starts
Eines der beliebtesten Business-Flugzeuge in Europa ist eine Turboprop-Maschine: Auf Platz zwei der Rangliste findet sich die Super King Air 200 von Beechcraft (gehört zum Cessna-Hersteller Textron) wieder. Die erste King Air hob bereits in den 60er-Jahren ab. Trotz eines Rückgangs bei den Starts um 2,1 Prozent 2014 ist die Flugzeugreihe nicht wegzudenken.

Platz 1

Citation Excel - 54.051 Starts
Spitzenplatz verteidigt: Die Citation Excel (und ihre Weiterentwicklungen XLS und XLS+) von Cessna ist das gefragteste Business-Flugzeug des Kontinents. Seit dem Jahr 1998 werden die Flieger ausgeliefert, die maximale Flugstrecke der aktuellsten Version beträgt knapp 3500 Kilometer. 2014 wuchs die Anzahl der Starts leicht um 0,1 Prozent.

GAMA-Daten zufolge dürften die Auslieferungen von Geschäftsflugzeugen in diesem Jahr in etwa auf dem Niveau von 2014 liegen. Damals seien 722 Maschinen verkauft worden, nach 1317 im Spitzenjahr 2008.

George Ferguson, Analyst bei Bloomberg Intelligence, warnt jedoch davor, dass der Wettbewerb zwischen Latitude und Legacy in Kombination mit weniger Kunden aus Schwellenländern zu einem Druck auf die Margen führen könnte.

Sowohl die 17 Millionen Dollar teure Legacy 450 als auch die 16 Millionen Dollar teure Latitude bieten Kunden eine Kabine von 1,80 Meter Höhe. Die Legacy 450 verfügt zudem über zwei Klub-Sitze, die sich zu flachen Betten herunterklappen lassen. Die Latitude kommt mit einer Couch, sowie einem Internet- und Unterhaltungssystem an den Sitzen.

Embraer-Präsident Marco Tulio Pellegrini setzt große Hoffnungen auf das neue Modell. ap

Legacy 450

Embraer-Präsident Marco Tulio Pellegrini setzt große Hoffnungen auf das neue Modell.

Legacy-Hersteller Textron sieht dabei „Chancen“ in Brasilien und Lateinamerika, sagt Bob Gibbs, Geschäftsführer für die Regionen Lateinamerika und die Karibik.

Embraer jedoch ist gut positioniert, um Marktanteile zu gewinnen – weil die Firma ein brandneues Modell vorstellt, meint Brian Foley, Berater für die Luftfahrtbranche in New Jersey. Seinen Worten zufolge wird das Modell von Embraer für mehr Furore sorgen. Die Latitude hingegen „kann nicht wirklich als neues Flugzeug bezeichnet werden”. Sie basiert auf dem Modell Citation.

Kunden von Geschäftsflugzeugen haben hohe Ansprüche – und sie wollen alles haben, sagt Ferguson, der Analyst von Bloomberg Intelligence. „Dies ist ein funkelndes Geschäft – wer hat das jüngste Modell?“

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