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22.06.2012

18:03 Uhr

EnBW-Affäre

Morgan Stanley verteidigt sich vor Untersuchungsausschuss

Der Investmentbanker Dirk Notheis ist wegen seiner strittigen Rolle beim EnBW-Deal stark unter Druck geraten. Nun soll die Finanzaufsicht prüfen, ob der Morgan-Stanley-Chef in Deutschland seine Lizenz behalten darf.

Dirk Notheis hatte den Rückkauf der Aktien des Energiekonzerns EnBW durch das Land Baden-Württemberg vom französischen Staatskonzern EDF für fast fünf Milliarden Euro als Berater begleitet. dpa

Dirk Notheis hatte den Rückkauf der Aktien des Energiekonzerns EnBW durch das Land Baden-Württemberg vom französischen Staatskonzern EDF für fast fünf Milliarden Euro als Berater begleitet.

Stuttgart/BerlinDer Frankfurter Investmentbanker Dirk Notheis gerät wegen seiner umstrittenen Rolle bei der Rückverstaatlichung des Stromkonzerns Energie Baden-Württemberg (EnBW) immer stärker unter Druck. Die Grünen-Fraktion im baden-württembergischen Landtag verlangte von der Finanzaufsicht BaFin zu überprüfen, ob der Deutschland-Chef der US-Investmentbank Morgan Stanley seine Banklizenz behalten dürfe.

Auch aus den Reihen der CDU und FDP kamen am Freitag kritische Stimmen dazu, dass Notheis seinen Freund und ehemaligen Ministerpräsidenten Stefan Mappus (CDU) bei dem knapp fünf Milliarden Euro teuren Kauf von knapp 44 Prozent der EnBW-Anteile durch die Staatskasse vom französischen Versorger EdF maßgeblich beraten hat.

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Kritik an Notheis reißt nicht ab

FDP- und CDU-Politiker halten sein Verhalten für nicht akzeptabel.

Vor dem Untersuchungsausschuss des Landtags in Stuttgart zur Aufklärung des Ende 2010 auf Kredit finanzierten Milliarden-Geschäfts rechtfertigte der für Firmenübernahmen zuständige Morgan-Stanley-Banker Kai Tschöke die Arbeit der Investmentbank und den Kaufpreis als fair.

Das Wertpotenzial von EnBW habe höher gelegen und sei „nicht voll ausgeschöpft" worden, sagte der Banker in einem mehr als vierstündigen Kreuzverhör der Landtagsabgeordneten. Einer Investmentbank komme bei Übernahmeverhandlungen üblicherweise eine Führungsrolle zu, Rechts- und Steuerberatung erteile eine Bank aber nicht.

Auszüge aus Notheis' Mails im Wortlaut

...an Stefan Mappus, 26.11.2010

„Du solltest ihn anrufen und bitten, dass er das Meeting mit Sarko organisiert. Oder Du fragst Mutti, ob sie Dir das arrangieren kann.“

...an René Proglio, 28.11.2010

„Dein Bruder hat dem Deal bereits zu einem Preis von 40 Euro (pro Aktie) zugestimmt, und wir wissen, das ist mehr als üppig.“

(René Proglio ist Frankreich-Chef von Morgan Stanley und Bruder des EDF-Vorstandschefs Henri Proglio.)

...über Stefan Mappus, 3.12.2010

„Er kann Angela mit seinen Truppen töten.“

...an Stefan Mappus, 4.12.2010

„Bitte achte darauf, dass Du das durchziehst. Das verursacht sonst erheblich Sand im Getriebe, und das kann ich jetzt nicht gebrauchen.“

...an Stefan Mappus, 4.12.2010

„Du wirst Anrufe von zahlreichen Banken bekommen,.... Du musst das alles ablehnen (!!) und sagen, dass Du bereits vollständig beratungstechnisch aufgestellt bist.“

...von Stefan Mappus, 23.2.2011

„Geht es auch, die Rechnung in ca. drei Wochen zu stellen und die Bezahlung nach der Wahl durchzuführen?“

Der Untersuchungsausschuss war eingesetzt worden, nachdem der Staatsgerichtshof von Baden-Württemberg den ohne Mitwirkung des Landtags von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf der EdF-Anteile als Verfassungsbruch beurteilt hatte.

Die im Frühjahr 2011 ins Amt gewählte grün-rote Landesregierung von Baden-Württemberg moniert, dass die CDU-FDP-Vorgängerregierung unter Mappus' Führung und mit Notheis' Beratung zu viel für die EnBW-Anteile gezahlt hat. Der Börsenkurs des am stärksten von der Kernkraft abhängigen deutschen Versorgers war nach dem Beschluss zum Atomausstieg im Frühjahr 2011 stark gefallen, inzwischen müssen die EnBW-Aktionäre mit einer Kapitalerhöhung über rund 800 Millionen Euro für frisches Geld sorgen.

Aus dem E-Mail-Verkehr zwischen Notheis und Mappus geht hervor, dass Investmentbanker Notheis Ministerpräsident Mappus in teilweise flapsigem Ton genaue Regie-Anweisungen gab, wie er das am Nikolaustag 2010 überraschend verkündete Milliarden-Geschäft in der Öffentlichkeit und bei den Parteifreunden vermitteln solle.

In den Verhandlungen mit EdF soll er zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel als „Mutti" bezeichnet haben, die als Druckmittel von Mappus mobilisiert werden könne, um das Geschäft voranzubringen. Baden-Württembergs Vize-Regierungschef Nils Schmid (SPD) sagte dem „Handelsblatt" zufolge: „Die Mails zeigen, dass Dirk Notheis ein sehr zynisches Verhältnis zur Politik hat. Er dirigiert seinen Ministerpräsidenten fast nach Belieben." Notheis äußert sich derzeit nicht zu dem Thema. Er hat bereits im Kreuzverhör des Untersuchungsausschusses gestanden, könnte aber erneut vorgeladen werden.

Kommentare (4)

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Nachwuchs

22.06.2012, 18:52 Uhr

Steht der Banker nicht unter dem absoluten Schutz der Frau Merkel? Hat Sie den Banker nicht die absolute Übernahme der Schulden zu gesichert, da alternativlos und der Steuerzahler nicht weiß wohin mit seinem Vermögen?

Account gelöscht!

22.06.2012, 20:07 Uhr

Ich kann es kaum glauben, wie blauäugig hier das Handeln einer Investmentbank bewertet wird. Die Finanzbranche ist es, die die Schuldenmacherei der Kommunen, Gemeinden und des Bundes unterstützen. Wer glaubt, dass es hier keine Abhängigkeiten gibt, ist über das Bildzeitungsniveau nicht hinaus gekommen. Es wird noch viel schlimmer: Die Regierungen der Europäer rennen der chinesischen Regierung die Türen ein, um die Devisenreserven für ihre aberwitzige Veschleuderung von Geld zu finanzieren. Ich persönlich bevorzuge die direkte Ansage eines Herrn Notheis.

e480909

22.06.2012, 21:48 Uhr

"..Staatsgerichtshof von Baden-Württemberg den ohne Mitwirkung des Landtags von Mappus und Notheis eingefädelten Kauf der EdF-Anteile als Verfassungsbruch beurteilt hatte."

geht er nun in den knast? anzeige? strafe?

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