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11.07.2012

11:42 Uhr

EnBW-Skandal

Chronologie eines rücksichtslosen Geschäfts

Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus ließ sich von Morgan-Stanley-Banker Dirk Notheis rumkommandieren. Anstandsregeln kannte Notheis dabei nicht. Eine Chronologie des skrupellosen EnBW-Deals.

Wegen des EnBW-Deals wird gegen Mappus und Notheis ermittelt. dpa

Wegen des EnBW-Deals wird gegen Mappus und Notheis ermittelt.

Düsseldorf/StuttgartEine Chronologie der Ereignisse um den Rückkauf der EnBW-Anteile zeigt, wie einer der führenden Investmentbanker Deutschlands tickt: Montag, der 22. November 2010, gut 10.000 Meter über der Meeresoberfläche. Dirk Notheis, Deutschland-Chef von Morgan Stanley, war auf dem Weg nach New York, aber in Gedanken daheim. Seit er ins Flugzeug gestiegen war, hatte der Investmentbanker kaum den Blick gehoben. Er kauerte über seinem Blackberry, tippte unaufhörlich. Man sah es nicht, aber Notheis bewegte mit seinen zwei Daumen gerade Milliarden. Er plante und formulierte. Um 19:18 Uhr deutscher Zeit, nun auf amerikanischem Boden, drückte Notheis auf den Sendeknopf. Wenige Sekunden später traf die Nachricht beim Empfänger ein: Stefan Mappus, Ministerpräsident von Baden-Württemberg, erhielt neue Anweisungen.

„Mit wem muss gesprochen werden und wann?“ fragte Notheis und lieferte selbst die Antwort. Auf umgerechnet vier DIN-A4-Seiten schrieb der Investmentbanker, was der Minister zu tun und zu lassen hatte. „Du solltest drei Landräte, ohne den Aufsichtsratsvorsitzenden, zu einem vertraulichen Gespräch zunächst ohne Angabe von Gründen ins Staatsministerium einladen“, diktierte Notheis. Bundeskanzlerin Angela Merkel müsste über die Verstaatlichung der Energie Baden-Württemberg (EnBW) zwar informiert werden. Aber, so Notheis, erst „kurz davor“.

Auszüge aus Notheis' Mails im Wortlaut

...an Stefan Mappus, 26.11.2010

„Du solltest ihn anrufen und bitten, dass er das Meeting mit Sarko organisiert. Oder Du fragst Mutti, ob sie Dir das arrangieren kann.“

...an René Proglio, 28.11.2010

„Dein Bruder hat dem Deal bereits zu einem Preis von 40 Euro (pro Aktie) zugestimmt, und wir wissen, das ist mehr als üppig.“

(René Proglio ist Frankreich-Chef von Morgan Stanley und Bruder des EDF-Vorstandschefs Henri Proglio.)

...über Stefan Mappus, 3.12.2010

„Er kann Angela mit seinen Truppen töten.“

...an Stefan Mappus, 4.12.2010

„Bitte achte darauf, dass Du das durchziehst. Das verursacht sonst erheblich Sand im Getriebe, und das kann ich jetzt nicht gebrauchen.“

...an Stefan Mappus, 4.12.2010

„Du wirst Anrufe von zahlreichen Banken bekommen,.... Du musst das alles ablehnen (!!) und sagen, dass Du bereits vollständig beratungstechnisch aufgestellt bist.“

...von Stefan Mappus, 23.2.2011

„Geht es auch, die Rechnung in ca. drei Wochen zu stellen und die Bezahlung nach der Wahl durchzuführen?“

Dann riet er Mappus, er solle zur Mitarbeiterversammlung des drittgrößten Energiekonzerns Deutschlands „freundliche Journalisten mitnehmen.“ Er schrieb ihm auch gleich, was die Journalisten fragen würden und was Mappus antworten sollte. Falls jemand das Wort Verstaatlichung aufgreifen und fragen sollte, was den CDU-Mann Mappus von SPD-Chef Sigmar Gabriel unterscheide, empfahl er als Antwort: „Ich bin einige Kilo leichter. Scherz beiseite ...“

Es muss alles sehr lustig gewesen sein für Notheis damals, Ende 2010. Die Macht, der Spielraum, die absolute Kontrolle. Als „Master of the Universe“ sehen sich viele Investmentbanker oder als Manager, die „Gottes Werk“ verrichten, wie Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein in der Finanzkrise die Arbeit der Branche umschrieb. Doch immer seltener werden sie ihren eigenen Ansprüchen gerecht wie Notheis bei der größten Verstaatlichung, die Deutschland jenseits der Bankenrettung je erlebt hat.


Kommentare (7)

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Euroaus

11.07.2012, 12:16 Uhr

Am besten alle Marionetten aus den Parlamenten auf den Mond schießen und mit Investmentbänkern ersetzen,
die haben sowieso die Macht!

Koboldo

11.07.2012, 12:36 Uhr

Am Allerbesten wäre, Investmentbanker und Marionetten auf den Mond zu schießen, dann können sie ja dort ihre Geschäfte tätigen...

mnostg

11.07.2012, 16:52 Uhr

"Den Deal selbst, den Weg dorthin und sogar den Preis steuerte nur ein Mann. Aber es war nicht der Mann, dem die Wähler die Macht dazu erteilt hatten, nicht Ministerpräsident Stefan Mappus."

Tut mir leid, aber die Wähler haben Stefan Mappus niemals die Macht dafür gegeben so einen Deal alleine durchzuzielen.
Dies hat auch der Staatsgerichtshof so festgestellt.

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