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12.11.2012

17:16 Uhr

Ende der Sekt-Legende

Rotkäppchen-Chef tritt ab

Die Nachricht aus dem Rotkäppchen-Mumm-Konzern kam überraschend. Der Macher der Ost-West-Erfolgsgeschichte, Gunter Heise, wechselt vom Vorstand in den geplanten Beirat. Die Gründe für den Rückzug sind unklar.

Noch ein letztes Glas im Stehen? Gunter Heise zieht sich zurück. dpa

Noch ein letztes Glas im Stehen? Gunter Heise zieht sich zurück.

FreyburgEr ist der Macher einer wohl eher außergewöhnlichen Ost-West-Erfolgsgeschichte: Gunter Heise hat es vom leitenden Mitarbeiter der kleinen DDR-Sektkellerei Rotkäppchen zum Chef des Marktführers auf dem deutschen Sektmarkt, Rotkäppchen-Mumm, gebracht. Jetzt will er im Mai 2013 seinen Posten als Vorstandschef aufgeben und an die Spitze des Beirates der Unternehmensgruppe wechseln. Die Nachricht kam am Montag überraschend. Über Gründe wurde gerätselt. Immerhin wird der Manager im kommenden April erst 62 Jahre. Er selbst war am Montag für Nachfragen nicht erreichbar.

40 Jahre hat Heise mit der Sektbranche zu tun und fast 20 Jahre ist der Vorstandschef der heutigen Rotkäppchen-Mumm-Gruppe. Der Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg, Gerald Lange, sagte: „Solche Nachrichten kommen immer überraschend.“ Allerdings sieht er den Rückzug von Heise als einen weiteren Schritt auf dem Weg zum Generationswechsel, der schon seit einigen Jahren bei Rotkäppchen vollzogen werde. „Und außerdem, Herr Heise verlässt das Unternehmen ja nicht, er tritt nur an eine andere Stelle“, sagte Lange. Die Winzervereinigung ist unmittelbarer Nachbar von Rotkäppchen.

Als es nach der Wiedervereinigung mit der Rotkäppchen-Sektkellerei im sachsen-anhaltischen Freyburg immer mehr bergab ging, setzten Heise und einige Mitstreiter auf Risiko. Über ein Management-Buy-Out übernahmen Mitglieder der Führungsetage die Firma von der Treuhandanstalt. Der Getränkespezialist Harald Eckes und seine zwei Töchter stiegen ein.

Danach ging es Stück für Stück bergauf - aber erstmal nur im Osten. Im Westen war der prickelnde Schaumwein aus dem Osten fast unbekannt. Das änderte sich erst, als Rotkäppchen seinen ersten Coup wagte: Vor einem Jahrzehnt übernahm das kleine Unternehmen die Sektmarken Mumm, Jules Mumm und MM Extra, mit den Produktionsstandorten in Eltville am Rhein und in Hochheim (beides Hessen).

Schon ein Jahr später folgte die Edel-Marke Geldermann (Breisach/Baden-Württemberg). Heise folgte weiter der Devise Wachstum durch Zukauf. 2006 schlickte Rotkäppchen die Eckes Spirituosen & Wein GmbH im thüringischen Nordhausen und 2009 die Weinmarke Blanchet. Die Firmenübernahmen gingen unaufgeregt und fast lautlos über die Bühne. Heise ist kein Mann der lauten Worte und hat einen Wahlspruch: „Geht's dem Unternehmen gut, geht's den Mitarbeitern gut.“

Die Rechnung scheint bisher aufzugehen, obwohl der Erfolg hauptsächlich von den Sektmarken getragen wird. Schluck für Schluck kämpfte sich Rotkäppchen-Mumm an die Spitze. Mit fast 48 Prozent ist die Gruppe vor den Wettbewerbern Henkell und Schloß Wachenheim Marktführer im deutschen Sektmarkt. Das Unternehmen hat heute insgesamt rund 550 Mitarbeiter.


Von

dpa

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