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21.08.2013

17:47 Uhr

Ende September

Opel-Getriebeproduktion in Bochum macht dicht

Die eigene Produktivität besiegelt das frühere Aus: Da das Getriebewerk von Opel in Bochum die benötigten Mengen für 2013 schon früher erreicht werden, läuft die Produktion bereits Ende September aus.

Ortschild in Bochum: Die Getriebeproduktion im Ruhrgebiet wird früher eingestellt als gedacht. dpa

Ortschild in Bochum: Die Getriebeproduktion im Ruhrgebiet wird früher eingestellt als gedacht.

BochumDie Getriebefertigung im Opel-Werk Bochum mit 275 Beschäftigten wird bereits Ende September eingestellt. Die weltweit benötigte Produktionsmenge werde das Werk dann voraussichtlich erreicht haben, teilte das Unternehmen am Mittwoch in Bochum mit. Danach würden noch umfangreiche Vorbereitungen getroffen, um alle Getriebe an die Kunden auszuliefern und die Getriebefertigung wie angekündigt bis zum Jahresende zu schließen. In der vorzeitigen Stilllegung der Getriebeproduktion sieht der Betriebsrat einen Verstoß gegen laufende Verträge.

In einem Gespräch mit der Tageszeitung „Junge Welt“ kündigte der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel an, gegen das Vorgehen des Managements Klage einzureichen. Die Zusage aus dem Tarifvertrag, die Getriebefertigung längerfristig zu erhalten, habe das Unternehmen niemals einhalten können und wollen, sagte er dem Blatt.

Opel in Bochum

1962

Das Werk entsteht nach ungefähr zwei Jahren Bauzeit auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Dammbaum. Das erste Auto, das vom Band rollt, ist ein Kadett A. Das Werk ist für 10.000 Beschäftigte konzipiert, viele der damaligen Arbeiter kommen aus dem Bergbau.

1967

Der Mittelklassewagen Olympia kommt ins Programm. Drei Jahre später sind es der Ascona und der legendäre Manta, die ab 1970 in dem Werk vom Band rollen.

1979

Höchststand bei der Beschäftigung: Zum Jahresende arbeiten mehr als 20 000 Menschen im Bochumer Opel-Werk.

1991

Der Astra löst den Kadett ab. Bis 2004 wird das Fahrzeug gefertigt, ab 1999 der Siebensitzer Zafira.

2004

Die Konzernmutter General Motors legt einen drastischen Sparplan für die europäische Tochter auf, bei der bis 2006 rund 10 000 Stellen gestrichen werden sollen. Opel beschäftigt in Bochum noch etwa 9000 Mitarbeiter.

2005

Betriebsrat und Management unterschreiben einen „Zukunftsplan“, der die Existenz des Bochumer Werks sichern soll. In dem Jahr kommt ein neues Zafira-Modell nach Bochum.

80er und 90er Jahre

Der Personalstand schwankt nach Angaben der Bochumer Werksleitung zwischen 15 000 und 17 000.

2009

GM kündigt einen weiteren drastischen Stellenabbau von Opel in ganz Europa an, rund 9000 der noch 55 000 Stellen sollen wegfallen.

2011

Seit dem Jahr wird der Zafira Tourer in Bochum gebaut. Es ist vermutlich die letzte Produktionslinie an dem Standort.

2012

Opel beschäftigt noch rund 3200 Menschen in Bochum. Seit Bestehen wurden in dem Werk 13,5 Millionen Autos gebaut. Das Werk besteht nun seit 50 Jahren.

2013

Die Bochumer Belegschaft sagt Nein zu einem neuen Sanierungsplan, der die Autoproduktion bis Ende 2016 vorsieht. Der Opel-Aufsichtsrat beschließt darauf das Aus für das Werk. Nur ein Warenverteilzentrum soll erhalten bleiben.

Wie Opel weiter mitteilte, sollen die Verhandlungen mit den Belegschaftsvertretern unabhängig von den jetzigen Plänen fortgesetzt werden. Opel hatte dem Betriebsrat nach dem Ende der Werksferien die Produktionsplanung für das zweite Halbjahr vorgestellt. Danach soll sich unter anderem die Fahrzeugproduktion leicht erhöhen. Ende kommenden Jahres ist die Schließung der Autofertigung in Bochum vorgesehen.

Der Bochumer Betriebsrat hatte bereits gegen die angekündigte Verlagerung der Zafira-Produktion aus dem Ruhrgebiet nach Rüsselsheim geklagt. Einenkel wirft dem Autobauer vor, den gesamten Aufsichtsrat nicht korrekt über seine Pläne informiert zu haben. Opel hat in Bochum derzeit noch rund 3.000 Beschäftigte.

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Rainer Einenkel gibt nicht auf: Der Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werkes verklagt den Vorstand. Der Aufsichtsrat sei nicht richtig informiert worden. Der Streit um die Werksschließung geht in die nächste Runde.

Die Bochumer Opel-Beschäftigten hatten im Frühjahr als einzige den Sanierungstarifvertrag des Unternehmens abgelehnt. Dieser sah unter anderem vor, dass in Bochum noch bis Ende 2016 Autos gebaut werden. Zudem sollten Jobs etwa im Warenverteilzentrum erhalten bleiben und eine neue Komponentenfertigung am Standort angesiedelt werden.

Von

dpa

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