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22.02.2006

16:53 Uhr

Endesa-Übernahme

Eon stößt in neue lukrative Märkte vor

VonJürgen Flauger

Der Eon-Konzern vollzieht mit der überraschenden Offerte für den spanischen Stromversorger Endesa einen Strategiewechsel. Bislang hatte der deutsche Energiekonzern Spanien nicht im Visier. Mit der geplanten Übernahme würde sich Eon neue Märkte in Europa und Lateinamerika erschließen.

In diesen Ländern sind Eon und Endesa tätig. Zur Ansicht der gesamten Grafik klicken Sie bitte auf die Lupe.

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DÜSSELDORF. Vorstandschef Wulf Bernotat verspricht sich davon hohe Wachstumsraten. Ob sich das Engagement auszahlt, muss sich nach Einschätzung von Analysten allerdings noch erweisen.

„Eon und Endesa passen strategisch hervorragend zusammen“, sagte Bernotat am Dienstag während einer Pressekonferenz in Madrid. Die Transaktion erschließe attraktive Wachstumschancen und stärke nachhaltig die Position von Eon im europäischen Markt. Eon würde nach Abschluss der Übernahme mehr als 50 Millionen Kunden in über 30 Ländern versorgen – 20 Millionen Kunden mehr als bislang. Mit Endesa würde der Konzern nicht nur in Spanien, dem fünftgrößten Strommarkt Europas, eintreten, sondern auch erstmals in Lateinamerika, wo Endesa elf Millionen Kunden beliefert – mit Schwerpunkt in Chile. In Europa käme das fusionierte Unternehmen auf einen Marktanteil von knapp unter zehn Prozent.

Der Vorstoß kommt überraschend, schließlich lag Spanien bislang nicht im Fokus des Düsseldorfer Konzerns. Bernotat wollte eher das Geschäft in den Stammmärkten Zentraleuropa, Großbritannien, Nordeuropa, Italien und dem Mittleren Westen der USA ausbauen. Endesa soll nun als neue eigenständige Geschäftseinheit hinzustoßen und die Aktivitäten in Spanien, Lateinamerika und auch Italien bündeln. „Wir hatten Endesa nicht auf der Watchlist“, räumte Bernotat ein. Er sieht die Offerte aber nicht als Strategiewechsel, sondern als neuen Kurs.

Endesa rückte offenbar durch zwei Faktoren in den Fokus von Deutschlands größtem Strom- und Gaskonzern. Zum einen musste sich Bernotat nach anderen Optionen umschauen, als er mit seinem Übernahmeangebot für Scottish Power bei dessen Management auf Widerstand stieß. Bernotat wollte den britischen Versorger, der die Aktivitäten von Eon in Großbritannien gut ergänzt hätte, für 16,5 Milliarden Euro kaufen. Das Management wies die Offerte im November aber als zu gering zurück. Im Frühjahr hatte sich Bernotat bereits erfolglos für den italienischen Versorger Edison interessiert.

Gleichzeitig tat sich für Bernotat durch den Übernahmekampf zwischen Endesa und Gas Natural erst die Chance für den Einstieg in Spanien auf. Der Eon-Manager setzt bei seinem Angebot auf die Unterstützung der Endesa-Führung, für die die Offerte die letzte Möglichkeit sein dürfte, den unerwünschten Einstieg des heimischen Konkurrenten abzuwenden.

Eon hatte nach Informationen des Handelsblatts zum Jahresende Kontakt mit dem Endesa-Management aufgenommen. Der Konzern ist aber kein „weißer Ritter“, der von Endesa zur Abwehr gerufen wurde. Das Endesa-Management reagierte am Dienstag auch reserviert. Das Angebot sei zwar besser als die feindliche Offerte von Gas Natural, aber noch nicht hoch genug. es werde dem Wert des Unternehmens noch nicht gerecht.

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