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12.11.2012

14:25 Uhr

Energie aus der Tiefe

Der neue Öl-Rausch in Texas

VonGerd Braune, Thomas Jahn

Die USA steigen zum größten Ölförderer der Welt auf. Allein in Texas holen Unternehmen jeden Monat Öl im Wert von 100 Millionen Dollar aus Schieferstein heraus. Neue Bohrtechniken beflügeln den Boom.

Raffinerien in Texas: In den USA bricht ein neuer Öl-Rausch aus. Reuters

Raffinerien in Texas: In den USA bricht ein neuer Öl-Rausch aus.

New York/OttawaTexas zeigt das Ausmaß der Veränderung am Weltölmarkt. Allein der Cowboy-Bundesstaat holt jeden Monat Öl im Wert von 100 Millionen Dollar aus Schieferstein heraus. Neue Bohrtechniken ermöglichen den Zuwachs. Andere Fördergebiete in North Dakota und Montana produzieren in wenigen Jahren so viel Öl wie ganze Länder am Persischen Golf.

Insgesamt verfügen die USA über 20 solche Schiefersteinölformationen. Dort können die Unternehmen das schwarze Gold für Preise von 50 bis 65 Dollar je Barrel fördern. Derzeit kostet ein Barrel knapp 90 Dollar in Nordamerika - es verbleibt also ein satter Profit von bis zu 45 Prozent. „Das Schiefersteinöl verändert die Welt“, analysiert Leonardo Maugeri in seiner Studie „Öl: Die nächste Revolution“, die der frühere Topmanager vom italienischen Ölkonzern Eni bei der Harvard Business School veröffentlichte.

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Laut Maugeri steigt die Ölproduktion in den USA von derzeit acht auf 11,6 Millionen Barrel pro Tag im Jahr 2020. Trifft das ein, verdrängen die USA Russland als zweitgrößten Ölproduzenten, nur noch Saudi-Arabien wäre größer. Amerika könnte allerdings auch das Scheichtum entthronen. Laut Maugeri besitzen die USA ein Potenzial von zusätzlichen 3,1 Millionen Barrel Öl pro Tag, die aber nicht gehoben werden: ungenügende Leitungen, zu wenige Raffinerien und Umweltbedenken.

Die neue Bohrmethode Fracking wird von Umweltschützern kritisiert. Sie befürchten vor allem eine Verschmutzung von Trinkwasservorkommen durch die Chemikalien, die für das Aufsprengen von Schieferstein genutzt werden. Allerdings sind fast alle Vorfälle nach unabhängigen Studien wie von der MIT auf ungenügende Sicherheitsmaßnahmen beim konventionellen Teil der Bohrung wie der korrekten Zementierung des Bohrschachts zurückzuführen.

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Der Öl-Boom verringert die Abhängigkeit Amerikas von Importen. Noch vor sieben Jahren stammten in den USA 60 Prozent des Öls nicht aus Nordamerika, heute sind es nur noch 42 Prozent. Der Anteil wird weiter fallen, nach Schätzung des Forschungsinstituts Bentek Energy in zehn Jahren auf fünf Prozent. Eine entscheidende Rolle spielt dabei neben Schieferöl auch das aus Sand gewonnene Öl in Kanada, das derzeit täglich 2,6 Millionen Barrel Öl in die USA exportiert. „Wir erwarten, dass die Zahl auf 4,3 Millionen Barrel pro Tag steigen wird“, sagt Jay Williams, Energie-Analyst von Bentek Energy.

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