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06.10.2012

10:44 Uhr

Energie-Begünstigungen

Industriefirmen pochen auf Subventionen

Stromintensive Unternehmen profitieren bei den Energiekosten von zahlreichen Ausnahmeregelungen. Für die einen ist es eine Frage des Überlebens, für die anderen sind es unerlaubte Subventionen zulasten der Verbraucher.

Papierfabrik Magdeburg: Durch die EEG-Novelle kommen nun deutlich mehr Unternehmen in den Genuss einer Umlagebefreiung. dpa

Papierfabrik Magdeburg: Durch die EEG-Novelle kommen nun deutlich mehr Unternehmen in den Genuss einer Umlagebefreiung.

Köln„Das ist eine Existenzfrage“. Oliver Bell aus dem Vorstand des Aluminiumherstellers Norsk Hydro nimmt kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Zukunft der energieintensiven Industrien in Deutschland geht. „Die Strompreise in Deutschland sind die zweithöchsten in Europa“. Von Glasherstellern bis Alu-Hütten, von Papiererzeugern bis zu Stahlkochern und der chemischen Industrie - allen drückt der Schuh besonders an einer Stelle: bei den Energiekosten. „Die Strompreise dürfen nicht aus dem Ruder laufen“, heißt es in einer Studie, die das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) Auftrag mehrerer Branchenverbände Anfang September vorgestellt hat.

Tatsächlich profitieren aber gerade die stromintensiven Unternehmen von Ausnahmeregelungen und milliardenschweren Befreiungen gleich auf mehreren Ebenen - bei der Ökosteuer, den Netzentgelten und der Umlage zur Förderung von erneuerbaren Energien (EEG). Einer Untersuchung des Beratungsunternehmens AREPO zufolge, das sich auf Themen erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimapolitik konzentriert, erreichten die Subventionen im vergangenen Jahr einen Wert von 8,2 Milliarden Euro. 2012 sollen es voraussichtlich 9,2 Milliarden Euro werden. Größter Einzelposten sei 2011 mit einem Anteil von 57 Prozent die Entlastung von der Ökosteuer gewesen.

Im Mittelpunkt des Streits steht auch immer wieder die EEG-Umlage, die die Stromnetzbetreiber an die Erzeuger regenerativen Stroms aus Wind, Sonne oder Biomasse zahlen. Derzeit liegt die Umlage bei 3,6 Cent je Kilowattstunde. Mitte Oktober werden die Netzbetreiber die EEG-Umlage für 2013 bekanntgeben. Branchenexperten erwarten einen Anstieg auf deutlich über 5 Cent je Kilowattstunde. Für einen Privathaushalt mit einem Verbrauch von 3500 KW pro Jahr dürften allein EEG-bedingt die Kosten von 125 Euro auf 175 Euro und mehr ansteigen.

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Stromintensive Unternehmen sind weitgehend von der Umlage befreit. So rechnet der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft VIK vor, dass ein mittelständisches Papierunternehmen durch die Entlastungen statt 9 Millionen Euro nur knapp 0,2 Millionen Euro und ein energieintensiver Grundstoffproduzent statt 45 Millionen Euro nur 0,67 Millionen Euro an EEG-Umlage pro Jahr berappen muss. Und trotzdem: Ohne diese Begrenzung würden zahlreiche Unternehmen vom Markt gefegt, warnt VIK-Hauptgeschäftsführerin Annette Loske.

Kommentare (7)

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Energystar

06.10.2012, 11:06 Uhr

Ich bin Privatverbraucher und poche auch auf Subventionen.

Deutschland ist wohl zu einem Selbstbedienungsladen der Industrie geworden?

Mal sehen, wann das Wirtschaftsministerium unter Rösler nachgibt und weitere Subventionsleistungen zahlt! Die FDP mit ihrem ausgeklügelten Lobbysystem erfüllt der Industrie (fast) jeden Wunsch.

Als Privatverbraucher werde ich die FDP bestimmt nicht mehr wählen. Hoffentlich gibt es viele Nachahmer und die FDP verschwindet ein für alle Mal aus dem deutschen Bundestag.

Steinweg

06.10.2012, 11:07 Uhr

Der Staat ist intelligenter als der Markt, daher ist es gut, wenn der Staat die Preise macht. Man schaue die Repraesentanten des Staates an, man kann da Vertrauen haben.

exFDPler

06.10.2012, 11:39 Uhr

Rösler hat den Scheck sicherlich schon gezückt! Er braucht doch einen neuen Arbeitgeber für die Zeit nach September 2013. Und wenn er Langeweile hat, dann daddelt er mit Lindner, Brüderle und Westerwelle ein wenig mit Spielautomaten rum.

So sehen deutsche Politiker aus, die Leistungsträger sein wollen. Traurig nur, dass sie dafür ein dicke Pension erhalten und die bei den Renten immer mehr eingespart wird.

Die FDP ist eine Looserpartei!

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