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12.11.2012

15:22 Uhr

Energieagentur

Die USA steigen zum Öl-König der Welt auf

VonSebastian Ertinger

Pennsylvania statt Persischer Golf: Die USA steigen der Internationalen Energieagentur zufolge zum größten Ölförderer der Welt auf. Sie deklassieren Saudi Arabien und Russland. Doch das Nachsehen werden andere haben.

Umstrittene Energiequelle: Ein Bohrloch für Schiefergas im US-Bundesstaat North Dakota. Reuters

Umstrittene Energiequelle: Ein Bohrloch für Schiefergas im US-Bundesstaat North Dakota.

Düsseldorf/LondonDie USA werden bei der Ölproduktion die klassischen Förderländer Saudi Arabien und Russland überholen. Bis zum Jahr 2017 werden sich die USA vom weltgrößten Energieverbraucher zum größten Produzenten wandeln, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA). Das Land werde seinen Bedarf weitgehend aus den eigenen Quellen decken können, schreibt die Agentur in ihrem heute vorgestellten Ausblick zum Energiemarkt. Schon bis 2015 steigt das Land zudem zum größten Gasproduzenten der Welt auf.

Die wachsende Fördermenge aus unkonventionellen Quellen katapultiert das Land bis zum Jahr 2030 sogar in die Rolle eines Öl-Exporteurs. „Die USA importieren derzeit rund 20 Prozent ihres gesamten Energiebedarfs. Doch das Land wandelt sich zum Selbstversorger“, heißt es in dem IEA-Bericht. „Das ist eine drastische Umkehr zu der Entwicklung in anderen Staaten, die Energie einführen.“

Was hinter „Fracking“ steckt

„Fracking“ - umstrittene Förderung von Erdgas

Das umstrittene „Fracking“ wird seit mehreren Jahrzehnten zur Gewinnung von Erdgas aus Gesteinsporen eingesetzt. Bei dem „Hydraulic Fracturing“ wird Gestein in 1000 bis 5000 Metern Tiefe mit hohem hydraulischen Druck aufgebrochen.

Künstliche Fließwege

Um das Gas fördern zu können, werden künstliche Fließwege geschaffen. Dazu wird ein flüssiges Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien in den Boden gepresst, so dass Risse im Gestein entstehen. Durch sie entweicht das Gas und gelangt schließlich an die Oberfläche.

Gefahr für das Grundwasser

Unter den Chemikalien sind auch gefährliche Stoffe, die bei unsachgemäßer Verwendung Mensch und Umwelt gefährden können. Kritiker weisen darauf hin, dass der Chemikalien-Cocktail bei Bohrpannen oder dem Durchstoßen von Wasserspeichern ins Grundwasser gelangen kann. Auch das Umweltbundesamt äußert Bedenken.

Beherrschbarkeit des Verfahrens

Energiekonzerne wie ExxonMobil betonen dagegen die Beherrschbarkeit des Verfahrens: Jeder Eingriff („Frac“) werde durch eine stabile Ummantelung der Bohrung von der Umwelt getrennt.

Lagerstätten in Deutschland

In Deutschland wird das Gas in „unkonventionellen Lagerstätten“ vor allem in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Nord-Hessen und dem Oberrheingraben vermutet.

... und in der Welt

Über das weltweit größte Vorkommen verfügt laut einer Studie des US-Energieministeriums China, danach kommen die USA und Argentinien. In den USA sind die Energiepreise durch die massive Erschließung von Gasvorkommen eingebrochen - allerdings gibt es Berichte über massive ökologische Folgen.

Grund für diesen grundlegenden Wandel sind neue Fördermethoden, die bislang unerreichbare Öl- und Gasquellen erschließen. Bei der Fracking genannten Methode werden unter hohem Druck Wasser, Sand und Chemikalien in poröse Schiefergesteinsformationen gepresst, um darin gebundenes Öl oder Gas an die Oberfläche befördern zu können.

Nach konservativen Schätzungen lässt sich so die US-Ölproduktion von heute 7,8 Millionen Barrel pro Tag bis 2020 auf 11,6 Millionen Barrel steigern - mehr als Kuwait, Iran, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar dann zusammen fördern werden. „Die Grundpfeiler des weltweiten Energie-Systems werden verschoben“, sagt IEA-Chefökonom Fatih Birol.

Bisher haben die USA ihren Öldurst vor allem in den Golf-Staaten gestillt und zur Sicherung ihrer Versorgung in Bahrain, Katar, Kuwait und anderen arabischen Golf-Anrainerstaaten große Militärbasen eingerichtet. „Krieg für Öl“ wurde Washington vorgeworfen, als George W. Bush die US-Armee zum zweiten Mal in den Irak einmarschieren und den Diktator Saddam Hussein stürzen ließ. Nun spüren die Scheichs den Rückgang der Ölnachfrage aus den USA.

Energie aus der Tiefe: Der neue Öl-Rausch in Texas

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Die USA steigen zum größten Ölförderer der Welt auf. Allein in Texas holen Unternehmen jeden Monat Öl im Wert von 100 Millionen Dollar aus Schieferstein heraus. Neue Bohrtechniken beflügeln den Boom.

Der weltweite Verbrauch wird bis zum Jahr 2035 auf 99,7 Millionen Fass Rohöl am Tag steigen. Ein Fass Rohöl (Barrel) entspricht rund 159 Litern. Im vergangenen Jahr bezifferte sich der Öldurst auf 87,4 Millionen Fass, teilte die IEA mit. Die Organisation berät 28 Industrienationen bei Energiefragen, etwa die USA, Japan und Deutschland.

Die wachsende Förderung von Öl und Gas verschafft den USA eine größere Unabhängigkeit von ausländischen Quellen. Damit ist das Land auch weniger anfällig bei Lieferschwierigkeiten oder Störungen. Kriege und Stürme lassen die Förderung in den betroffenen Regionen stocken. Damit steigen auch die Preise auf dem Weltmarkt. Die EU-Staaten haben etwa ihre Öleinfuhren aus dem Iran ausgesetzt. Das Land war der zweitgrößte Produzent im Ölkartell Opec.

Kommentare (45)

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beobachter

12.11.2012, 15:07 Uhr

das vorhandensein erheblicher eigener vorräte dürfte jedoch das fortbestehen der vorhandenen strukturen zementieren mit der Folge nachlassenden Erforschung alternativer Energieformen und Strategien zur energieeffizienz, dieses dürfte wiederum langfristige folgen für die wettbewerbsfähigkeit der industrie haben. mnangel zwingt geradezu zur erfindungskraft.

Gast

12.11.2012, 15:10 Uhr

Die Amis machen halt einfach, während wir erstmal alles zerreden weil ein Feldhamster gefährdet werden könnte.
Die Amis stellen auf E85 um während wir uns über E10 kaputtreden.
Die Amis fördern soviel Shalegas, dass sie zum Exporteur werden und wir machen uns in die Hose wegen der bösen Chemie. Das in den USA höhere Umweltauflagen gelten interessiert hierbei keinen.Und das die Frakingflüssigkeit zu 99% aus Wasser und Sand besteht und wenn sie angemischt ist, durch die Verdünnung, nichtmal Kennzeichnungspflichtig ist, nach deutschen wie auch nach US- Recht ist auch allen egal. Und das Frakint in Niedersachsen seit nunmehr 60 Jahren benutzt wird will auch keiner hören.
Die Amis beginnen mit der Shaleoil-Produktion in großem Stil während bei uns die Leute zu Fahradfahrern umerzogen werden sollen. Die A40 in NRW soll entlastet werden indem paralell Fahradwege gebaut werden. Als erstes sollte man unsere Landtagsabgeordneten, die sich das ausgedacht haben, dazu zwingen die Strecke mit dem Fahrrad zum Landtag zurückzulegen. Wer wird denn bitte im Winter mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren, selbst wenn es nur 5 Kilometer sind?
Tja. Das Glück ist mit den Dummen. So ist ja die Meinung der Europäer über die Amis.

Harald

12.11.2012, 15:12 Uhr

Und wieder eine neue Propagandalüge made in USA! Und wenn sie mit Fracking am Ende sind werden sie feststellen, das sie Öl nicht essen und trinken können! Und was dann? Ich kann den Mist bald nicht mehr hören!

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