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15.04.2011

10:14 Uhr

Energiegipfel

Deutschland sucht den Superstrom

VonJürgen Flauger

Die Kanzlerin lädt zum Energiegipfel. Das größte Problem sind aber Deutschlands Stromnetze. Sie für den Energiemix der Zukunft tauglich zu machen, kostet Milliarden. Doch Geld ist bei weitem nicht der einzige Engpass.

Atomstrom versus erneuerbare Energien: Langfristig steht der Gewinner fest, aber der Weg dorthin ist steinig. Quelle: dpa

Atomstrom versus erneuerbare Energien: Langfristig steht der Gewinner fest, aber der Weg dorthin ist steinig.

DüsseldorfEon-Chef Johannes Teyssen nahm kein Blatt vor den Mund. "Wenn wir jetzt so viele Reaktoren abschalten, wissen wir nicht, ob dass das Netz aushält", sagte er wenige Tage nach dem Reaktorunglück von Fukushima. Acht Kernkraftwerke waren es zunächst, im Mai sind es wahrscheinlich 13. Der Markt sei dann nicht mehr derselbe wie zuvor. Das könne gut gehen, aber der Zustand des Netzes sei definitiv kritischer. Das hat sein Unternehmen auch dem Bundeswirtschaftsministerium mitgeteilt.

Die Energiewende in Deutschland ist eingeleitet. Die Kernenergie hat keine Zukunft mehr - zumindest keine lange mehr. Und die erneuerbaren Energien werden ausgebaut. Die Energiewende stellt aber große Herausforderungen an die Stromnetze. Sie müssen aus- und umgebaut werden: Darin sind sich Energiemanager, Politiker und Wissenschaftler einig. Ansonsten droht tatsächlich dass, wovon Teyssen warnt: Ein Blackout.

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) sieht allein bei den Übertragungsnetzen, den großen Stromtrassen, bis 2020 einen Bedarf von 3600 zusätzlichen Kilometern. Strom wird künftig schließlich über weite Strecken transportiert werden müssen. Geschätzte Kosten: rund zehn Milliarden Euro.

Die Kernkraftwerke, die abgeschaltet werden, stehen überwiegend verbrauchsnah, in der Nähe von Ballungsräumen oder industriellen Großabnehmern. Jetzt setzt die Bundesregierung auf große Offshore-Windparks vor den Küsten in Nord- und Ostsee. Der Strom wird also verstärkt im Norden transportiert und muss mit zusätzlichen Leitungen in den Süden abtransportiert werden.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

15.04.2011, 10:50 Uhr

Das ist irre! In einem beispiellosen Propagandafeldzug setzt Merkel auf "Windstrom aus Nord- und Ostsee". Aber Windstrom aus Nord und Ostsee hat den gleichen Nachteil wie jeder Windstrom: er ist nicht planbar. Die Leistungsbereitstellung in einem Stromnetz muß aber planbar sein. Damit ist der Windstrom für das, um das es geht, ungeeignet.

Die Illusion, hinter der sich die Politik versteckt, ist die, daß dann, wenn über Land kein Wind weht, er das wenigstens über dem Meer tut. Das stimmt teilweise, aber dann, wenn über dem Meer kein Wind weht, weht zumeist auch keiner über Land. Die heimliche Hoffnung der selbsternannten "Energieexperten" der Parteien, irgendwie zu einem Glättung der Angebotsmengen zu kommen, scheitert schlicht an der meteorologischen Realität. Und noch eins: wenn es mal wieder zu einem richtigen Winterorkan kommt, dann reißt es die Illusionen buchstäblich von den Masten. Bis dahin aber werden Abermilliarden investiert sein, fehlkinvestiert, vernichtetes Kapital auf Kosten unserer Kinder.


fahstat

15.04.2011, 12:29 Uhr

Das zeigt, welche Konsequenzen es hat, wenn man Staatseigentum (somit unser Eigentum)privatisiert.
Meine Frage dazu ist, was hat Deutschland davon, das unsere Stromnetze ausländischen Konzernen gehört??? Meiner Meinung nach nur die latente Gefahr, das wir diese irgendwann teuer zurückkaufen müssen und sanieren müssen. Wir zahlen über unseren Preisen die Sanierung und ausländische Konzerne (oder allgemein Konzerne) streichen sich den Gewinn ein? Und kommt mir keiner, das wenn es nicht privat wäre alles noch teurer sein würde. Jetzt müssen wir nicht nur die Kosten tragen, sondern auch die Gewinne andere. Wacht auf ihr Leute!!!!! Orwell ist real!

Account gelöscht!

15.04.2011, 12:52 Uhr

Zur Energiewirtschaft gehören eben auch die Netze, nicht nur die Ausschüttung allen Geldes an die Aktionäre. Während andere Länder moderne Netze haben, haben wir z.B. noch die Stromzähler von vor 50 Jahren. Alles nur, weil die Energiekonzerne in Privathand sind und da ein Monopol haben. Es gibt da keine von den gelben Chaoten propagierte Macht des marktes.
Und so wird nur abgezogen und nichts investiert - die Stromausfälle im Münsterland (die Masten waren 80 Jahre alt).
Dramatisch ist die Sache bei der Kernenergi, sobald Gewinnstreben im Spiel ist, wird diese zur Gefahr. Die Krone setzt man in Deutschland auf, da haben die Energiekonzerne mit dem TÜV-Süd zur Überprüfung der Anlagen eine Firma, bei der ENBW der 60%-ige Eigner ist. Wessen interessen dann wohl vertreten werden? Sicherheitsinteressen sicher nicht.

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