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24.01.2011

22:24 Uhr

Energiekonzern

EDF lässt sich nicht vertreiben

VonJürgen Flauger

Der französische Energiekonzern EDF will auch nach dem Ausstieg bei der EnBW eine wichtige Rolle auf dem deutschen Energiemarkt spielen. Warum EDF für Eon oder RWE nun sogar gefährlicher werden kann als über das Engagement bei der EnBW.

Der Energiekonzern EDF will wieder auf Brautschau gehen. Quelle: Reuters

Der Energiekonzern EDF will wieder auf Brautschau gehen.

BERLIN. Der Energiekonzern Électricité de France (EDF) lässt sich nicht aus Deutschland vertreiben. Nach dem unsanften Ausstieg aus der Energie Baden-Württemberg (EnBW) schaut sich der französische Branchenriese schon wieder nach Investitionsmöglichkeiten, Kooperationspartnern und möglichen Zukäufen um. „Deutschland ist der größte Energiemarkt in Europa. Hier müssen wir präsent sein – und wir werden bald wieder eine Rolle spielen“, sagte Pierre Lederer, der für Deutschland zuständige Vorstand, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass sein Unternehmen bereit ist, hier wieder Milliardensummen zu investieren. Für die Platzhirsche Eon und RWE dürften die Franzosen ein unbequemer Gegenspieler werden.

Vor elf Jahren war EDF der erste ausländische Versorger, dem mit dem Einstieg bei der EnBW überhaupt ein substanzielles Engagement in Deutschland gelang. Jetzt ziehen sich die Franzosen aber wieder aus Deutschlands drittgrößtem Energiekonzern zurück und verkaufen ihren Anteil von 45 Prozent für 4,7 Milliarden Euro an das Land Baden-Württemberg.

Der Ausstieg erfolgt dabei nicht ganz freiwillig. EDF hätte den Konsortialvertrag mit dem gleich starken Partner, dem Zweckverband Oberschwäbischer Elektrizitätswerke (OEW), der Ende 2011 ausgelaufen wäre, gerne erneuert. Ministerpräsident Stefan Mappus bedrängte EDF-Chef Henri Proglio aber heftig. Mappus wollte das Unternehmen, eines der größten in seinem Bundesland, unter baden-württembergische Kontrolle bekommen.

Außer EDF schaffte es bisher nur Vattenfall als Ausländer an die Spitze des deutschen Markts

EDF verliert damit auf einen Schlag seine starke Stellung auf dem deutschen Energiemarkt. Außer den Franzosen war es seit der Liberalisierung im Jahr 1998 nur noch dem schwedischen Vattenfall-Konzern gelungen, sich als ausländischer Konzern im Heimatmarkt von Eon und RWE in der Spitzengruppe zu etablieren. Jetzt sind die Franzosen hier nur noch im Großhandel sowie über einen gemeinsam mit EnBW betriebenen Gasspeicher in Niedersachsen aktiv.

Für einen der größten Energiekonzerne Europas, der unter anderem in Großbritannien und Italien einflussreiche Töchter hat, ist das unbefriedigend. Bis zum Abschluss der Transaktion Ende Februar sei EDF noch Aktionär bei der EnBW, sagte Lederer, sein Unternehmen schaue sich aber schon „den deutschen Energiemarkt unter neuen Gesichtspunkten an“.

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