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04.05.2012

13:50 Uhr

Energiekonzern

Verbund will Frankreich „Adieu“ sagen

Der Energiekonzern Verbund will Frankreich den Rücken kehren und schon bald seine zwei Gaskraftwerke verkaufen. Nach Konzernangaben gibt es bereits Interessenten für die Anlagen, die 200 Millionen Euro wert sein sollen.

Verbundchef Wolfgang Anzengruber in Wien Reuters

Verbundchef Wolfgang Anzengruber in Wien

WienDer österreichische Energiekonzern Verbund will sich in den kommenden Jahren von seinen zwei Gaskraftwerken in Frankreich trennen. „Wir werden sie mittelfristig verkaufen und wir werden sie auch anbringen. Es gibt Interessenten“, sagte Firmenchef Wolfgang Anzengruber am Freitag. Es sei absehbar, dass Gaskraftwerke durch die Energiewende in Europa wieder eine Renaissance erleben würden, sagte er. Auch in einem schlechten Markt seien die beiden Kraftwerke daher mindestens 200 Millionen Euro wert und Verbund könne sie mit Gewinn losschlagen.

Ein Verkauf würde das Ende des missglückten Verbund-Engagements in Frankreich markieren. Die Österreicher waren vor einigen Jahren in der Hoffnung auf eine Liberalisierung in den französischen Strommarkt eingestiegen - diese hatte sich aber nicht erfüllt. Von einem Großteil des lange defizitären Geschäfts hatte sich das Unternehmen bereits im vergangenen Jahr getrennt und seinen 46-Prozent-Anteil am französischen Stromanbieter Poweo an den Konkurrenten Direct Energie verkauft. Poweo beziehungsweise Direct Energie haben nun bis Mitte nächsten Jahres noch die Option, die zwei Gaskraftwerke zu kaufen. Sie sind derzeit nicht in der Bilanz von Verbund enthalten - würden diese aber bei einer Einbeziehung durch ihre laufenden Verluste mit 94 Millionen Euro belasten.

Allerdings könnte sich der Wert der beiden insgesamt für gut 800 Megawatt ausgelegten Kraftwerke schon bald schlagartig erhöhen: Der französische Präsidentschaftskandidat Francoise Hollande hat angekündigt, künftig weniger Strom aus Atomkraftwerken beziehen zu wollen. Bislang kommen drei Viertel des französischen Stroms aus den Meilern - nach den Willen von Hollande soll es künftig nur mehr die Hälfte sein. Um einen Versorgungsengpass zu vermeiden, könnten Gaskraftwerke eingesetzt werden.

Einen größeren Wiedereinstieg in den französischen Markt schließt Anzengruber angesichts der hohen Verluste in den vergangenen Jahren aus. „In Frankreich machen wir nichts mehr - irgendwann muss man seine Lektion lernen.“

Das Wüstenstromprojekt Desertec sieht Anzengruber skeptisch. Es sei „unrealistisch“, den Strom aus der Wüste nach Deutschland zu bringen, weil die dafür benötigte Leitung fehle. „Das ist ja kein Verlängerungskabel, das man da einbaut, das ist eine Schneise durch Europa, die frei gehalten werden muss. Die ist sicher 100 Meter breit“, sagte der Verbund-Chef. Dennoch sei das Projekt ein Schritt in die richtige Richtung. Um es zum Erfolg zu führen, müsse die Zusammenarbeit bei Energiethemen in Europa aber noch verbessert werden.

Den Desertec-Plänen zufolge soll Europa künftig einen Teil seines Stroms emissionsfrei in den Wüsten Nordafrikas gewinnen. Angestrebt wird, dort rund 15 Prozent des eigenen Bedarfs sowie einen erheblichen Teil des Verbrauchs in den Erzeugerländern zu produzieren. Die Initiative, die von E.ON, RWE, der Deutschen Bank, Siemens und der Münchener Rück vorangetrieben wird, hat bis 2050 ein geschätztes Investitionsvolumen von 400 Milliarden Euro.


Von

rtr

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