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30.10.2012

08:19 Uhr

Energiemarkt

Eon und RWE verkaufen britische Atomtochter

Eon und RWE verabschieden sich Schritt für Schritt von der Atomkraft: Die beiden Versorger verkaufen ihre gemeinsame britische Tochter, die zwei Kernkraftwerke bauen sollte. Sie werden damit eine schwere Last los.

Eon und RWE verkaufen ihre britische Atomtochter an Hitachi. dpa

Eon und RWE verkaufen ihre britische Atomtochter an Hitachi.

Düsseldorf/TokioDie beiden größten deutschen Energieversorger Eon und RWE kommen bei ihrem Ausstieg aus der Atomenergie voran. Die Konzerne haben ihre britische Nukleartochter Horizon verkauft, wie beide am Dienstag mitteilten. Neuer Besitzer von Horizon Nuclear Power wird für insgesamt rund 696 Millionen Pfund (866 Mio Euro) der japanische Industriekonzern Hitachi. Eon und RWE hielten jeweils die Hälfte an dem Gemeinschaftsunternehmen. Die Aktienkurse der beiden Unternehmen reagierten in einem freundlichen Marktumfeld kaum, da der Verkauf erwartet worden war.

Hitachi will nun die geplanten Kernkraftwerke in Wylfa in Wales und Oldbury-on-Severn im Südwesten Englands bauen. „Heute beginnt unser Engagement für die nächsten hundert Jahre in Großbritannien“, erklärte Hitachi-Chef Hiroaki Nakanishi. Die Atomkraft sei eine „langfristige, sichere, emissionsarme und günstige Energiequelle“.

Eon und RWE wollten mit dem Joint Venture 2009 von dem angekündigten Investitionsprogramm der britischen Regierung profitieren. Dieses sieht Ausgaben von rund 110 Milliarden Pfund (137 Milliarden Euro) für neue Kraftwerke, bessere Stromnetze und die Reduzierung der Umweltverschmutzung vor. Horizon hatte Pläne, in Großbritannien mindestens zwei Atomkraftwerke für 15 Milliarden Pfund zu errichten. Doch angesichts hoher Schulden durch den Atomausstieg in Deutschland entschieden die Konzerne um. Der Bau von Atomkraftwerken ist extrem teuer und dauert Jahre.

RWE betonte am Dienstag, mit dem Verkauf seines 50-Prozent-Anteils an Horizon verfolge das Unternehmen nun national wie international keine weiteren Neubauprojekte im Kernenergiebereich mehr. Großbritannien bleibe aber einer der Kernmärkte, Potenzial sehe RWE mit „modernen und effizienten Kraftwerken sowie bei erneuerbaren Energien“. Eon bezeichnete den Verkauf als einen „weiteren Baustein“, um bis Ende 2013 insgesamt 15 Milliarden Euro durch Verkäufe zu erlösen.

Kürzlich hatte RWE bereits angekündigt, seinen Anteil von 34 Prozent an dem finnischen AKW-Konsortium Fennovaima verkaufen zu wollen, das den Bau eines Reaktors auf der Ostsee-Halbinsel Hanhikivi plant. Eon entschied sich zunächst für einen Verbleib in dem Projekt.

Das sind die größten Energieversorger der Welt

Platz 10

Die Rangliste der größten Energieunternehmen der Welt eröffnet Kansai Electric Power. Der japanische Versorger kam 2011 auf einen Umsatz von 33,3 Milliarden Dollar.

Platz 9

Mit 39,3 Milliarden Dollar Umsatz liegt der südkoreanische Versorger Korea Electric Power (Kepco) auf dem neunten Rang.

Platz 8

Iberdrola landet auf dem achten Platz. Der spanische Versorger erwirtschaftete 2011 Erlöse in Höhe von 41 Milliarden Dollar.

Platz 7

Der britische Versorger SSE (Scottish and Southern Energy) landet auf Rang sieben der Rangliste. Umsatz 2011: 45,4 Milliarden Dollar.

Platz 6

Der erste deutsche Energiekonzern findet sich auf Platz sechs wieder. RWE erwirtschaftete im Jahr 2011 Erlöse von 63,7 Milliarden Dollar.

Platz 5

64,6 Milliarden Dollar erwirtschaftete Tokyo Electric Power im Jahr 2011. Besser bekannt ist das Unternehmen unter der Abkürzung Tepco. Nach der Katastrophe am Atomkraftwerk von Fukushima ist Tepco inzwischen mehrheitlich im Besitz des japanischen Staates.

Platz 4

Électricité de France (EDF) schrammt knapp am Treppchen vorbei. Die Franzosen kommen mit einem Umsatz 2011 von 84,6 Milliarden Dollar auf Platz vier.

Platz 3

Der größte italienische Energiekonzern ist weltweit die Nummer drei. Enel machte 2011 einen Umsatz von 103,2 Milliarden Dollar.

Platz 2

Der französische Versorger GDF Suez findet sich auf Rang zwei der Rangliste. Im Jahr 2011 erwirtschaftete GDF Suez Erlöse in Höhe von 117,5 Milliarden Dollar.

Platz 1

Der deutsche Branchenprimus ist auch weltweit die Nummer eins. Eon kam im Jahr 2011 auf einen Umsatz von 157,3 Milliarden Dollar - das reicht für die Spitzenposition.

Am Dienstag hat RWE außerdem verkündet, seinen Anteil an den Berliner Wasserwerken für 658 Millionen Euro an die Stadt Berlin verkauft zu haben. „Damit sind wir in unserem Desinvestitionsprogramm um über eine Milliarde Euro weitergekommen“, sagte eine Sprecherin. In die sieben Milliarden Euro rechnen die Essener nicht nur Verkäufe ein, sondern auch eingesparte Investitionen.

Kommentare (11)

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vandale

30.10.2012, 09:05 Uhr

Gleichwohl ich die Stimmung in der japanischen Gesellschaft nicht einzuschätzen vermag, scheint dort langsam die Atompanik der Vernunft zu weichen. Die Restriktionen der Evakuierungszone wurden gelockert - Die Strahlendosen sind in der Gegend ungefähr so hoch wie im Südschwarzwald, oder dem Erzgebirge. Die vorrübergehend stillgelgten Kernkraftwerke werden nach und nach wieder in Betrieb genommen. Der Neubau eines Kernkraftwerks wurde wieder aufgenommen. Ein anderer Versorger klopft beharrlich wegen der 2011 fast erteilten Baugenehmigung für ein neues Kernkraftwerk bei den Behörden an. Das dürfte Hitachi mit Zuversicht erfüllen.

Der Kauf des EON/RWE Unternehmens in GB erlaubt es Hitachi seine Kernkraftwerke einfacher nach Grossbritannien zu exportieren und das Duopol von AREVA EPR und Westinghouse AP1000 aufzubrechen.

Ein Wehrmutstropfen dürfte die Energiepolitik GB's darstellen. In GB möchte man Wind und Kernenergie eine grössere Rolle einräumen. Wind und Kernenergie passen zwar technisch gut zusammen, ökonomisch jedoch weniger. Die Windstromerzeugung ist den Launen des Wetters geschuldet. Ein Kernkraftwerk kann technisch im Lastfolgebetrieb gefahren werden und die Schwankungen dieser Einspeisung folgen. Oekonomisch erfordert ein Kernkraftwerk hohe Investitionen und geringe Betriebskosten. Um wirtschaftlich betrieben zu werden benötigt es einer hohen Vollaststundenzahl.

Vandale


HofmannM

30.10.2012, 09:09 Uhr

Möchte nur wissen, womit EON und RWE in Zukunft Profit machen wollen. Mit den vom Staat abhängigen Erneuerbaren Energien wird dies nicht funktionieren. Dauersubventionen ersetzt kein auf marktwirtschaft basierendes Geschäft!
Ich glaube mit dem Kernkraftwerksausstieg ist bei EON und RWE jeglicher technischer und wirtschaftlicher Verstand und Vernunft aus dem Unternehmen abgezogen worden und wurde durch ideologische Glaubensgrundsätze einer "neuen Ökologiediktaturwelt" ersetzt worden.
Die Energiekonzerne Deutschland haben sich dem Diktat der Politik unterworfen und damit ihre marktkonforme Wettbewerbsselbständigkeit verloren. Diese Unternehmen fahren zusammen mit der ethisch basierden Energiewende der Ökomerkel in ein Sachgasse und damit gegen die Wand (Insolvenz/Konkurs)

vandale

30.10.2012, 09:19 Uhr

Hi HofmannM...mit der entschädigungslosen Stillegung der umweltfreundlichen Kernkraftwerke in D haben die beiden Versorger viel Geld verloren. Das zwingt diese Investitionen zu kürzen. Dann bietet es sich an die Kernkraftprojekte die hohe Investitionen erfordern, aufzugeben.

Vandale

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