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18.01.2010

14:58 Uhr

Energienetze

Toshiba erhält Auftrag für Smart Grid

VonFinn Mayer-Kuckuk

Der Mischkonzern Toshiba hat den Zuschlag für die Zulieferung von Komponenten für eines der ersten intelligenten Energienetze in Japan erhalten. Das Unternehmen profitiert damit schon früh von geplanten Milliardeninvestitionen in den Umbau der Energiewirtschaft.

Toshiba-Chef Sasaki freut sich über einen dicken Auftrag. Quelle: Reuters

Toshiba-Chef Sasaki freut sich über einen dicken Auftrag.

TOKIO. Wie andere Industrieländer will Nippon die Stromversorgung von zentraler Produktion in Großkraftwerken auf lokale Lösungen umstellen. Bis zum Jahr 2020 wollen die Stromversorger des Landes daher offenbar mehr als 7,5 Mrd. Euro in den Aufbau so genannter „Smart Grids“ stecken. Das Auftragsvolumen liege im aktuellen Fall jedoch zunächst nur um 40 Mio. Euro, sagte Toshiba-Technologievorstand Shoji Takenaka gestern in Tokio.

Die „Smart Grids“ gelten derzeit als die Zukunft der Energieversorgung. In Deutschland lassen Wirtschafts- und Umweltministerium derzeit in zwölf Modellregionen die Umsetzbarkeit der Idee untersuchen. US-Präsident Barack Obama hat bereits 3,4 Mrd. Dollar für den Aufbau von Pilotprojekten in den USA zur Verfügung stellen lassen. In Japan bauen die Stromversorger Okinawa Electric Power und Kyushu Electric Power nun auf den südlichsten Inselgruppen des Landes in den kommenden Jahren zehn Beispielnetze auf. Toshiba liefert für das Projekt in Okinawa Batterien und Solaranlagen.

Computer verteilen in Smart Grids den Strom aus Windrädern, Solarzellen oder örtlichen Kleinkraftwerken ständig neu, um eine gleichmäßige Versorgung zu sichern. Bei Stromüberschuss – wenn etwa die Sonne scheint – speichert das System die Energie in Akkus zwischen. Es lädt dann beispielsweise auch die Batterien angeschlossener Elektroautos. In einer Sekunde argen Strommangels könnte andere Verbraucher sich umgekehrt aus den Batterien von geparkten Autos bedienen.

Japans Technikfirmen überbieten sich derzeit mit Zubehör für die Smart Grids. Toshiba hat bereits den Protoyp für das „Smart House“ fertig gestellt, das sich mit den Ladecomputern von Hybridautos des Fahrzeugherstellers Toyota verbindet. Toyota schätzt, dass bei Ausnutzung aller Möglichkeiten in Gegenden mit gutem Wetter bereits eine Solaranlage mit einer Leistung von sechs Kilowatt reicht, um die Stromversorgung eines Haushalts plus Autofahrten bis zu 10 000 Kilometer mit einem Elektroauto zu ermöglichen.

Die japanische Regierung will zusammen mit 20 führenden Strom- und Technologiefirmen in den kommenden drei Jahren einheitliche Standards für die Stromnetze festlegen – damit beispielsweise Zulieferungen von Hitachi problemlos mit Komponenten von Panasonic oder Toshiba zusammen arbeiten. Japan wird auf dem möglichen Zukunftsmarkt auch bereits als Exporteur aktiv. Die Windkraftfirma Japan Wind Development Co. wird vermutlich am ersten britischen Smart Grid auf den Orkney-Inseln beteiligt sein, wie japanische Wirtschaftsmedien meldeten. Tokio will auch gegenüber der indischen Regierung darauf hinwirken, dass die eigene Industrie beim geplanten Netzaufbau in dem Entwicklungsland zum Zuge kommt.

Anfang Januar hatten Zeitungsmeldungen zu dem geplanten Netzumbau an der Börse Tokio heftige Nachfrage nach Werten entsprechender Anbieter ausgelöst. Angefangen mit bekannten Spielern wie Tokyo Electric Power und Panasonic stiegen die Werte auch unbekannter Unternehmen, die in Zusammenhang mit Smart Grids gebracht werden können. Es stiegen beispielsweise die Aktien des Relaisherstellers Toko Electric oder des Stromzähler-Anbieters Osaki Electric.

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