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07.03.2013

14:13 Uhr

Energieversorger

Das Rennen um den flüchtigen Kunden

VonDana Heide

Der Kampf um die deutschen Stromkunden wird härter. Immer mehr Anbieter drängen zu Dumpingpreisen auf den Markt, noch nie wollten so viele Stromkunden wechseln. Wie sich die Großen um König Kunde bemühen.

Das Rennen um den Stromkunden hat begonnen. Getty Images

Das Rennen um den Stromkunden hat begonnen.

DüsseldorfVor ein paar Jahren war die Welt von Eon, EnBW und RWE noch in Ordnung – die drei größten Energieversorger Deutschlands mussten nur eines machen: Strom produzieren und verkaufen. Sie mussten sich weder um Vertriebsstrategien noch um ihre Kunden bemühen. Die kamen von selbst und blieben. Doch seit einiger Zeit ist alles anders.

Der Wettbewerb in der Strombranche ist deutlich schärfer geworden. Allein zwischen 2009 und 2011 hat sich die Zahl der Stromanbieter von 25 auf 50 verdoppelt, heißt es in einer Studie der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Wenn man die Untermarken der Versorger einrechnet, seien es inzwischen sogar insgesamt rund 800 Anbieter, schätzt Steffen Roos von der Unternehmensberatung Detecon. In manchen Regionen hat der Kunde die Auswahl zwischen bis zu 400 Marken.

Mit dem Wettbewerb wuchs auch die Wechselfreude der Kunden. Wenn ihnen der Preis nicht passt oder sie mit dem Service unzufrieden sind, gehen sie einfach zum nächsten Anbieter. Die Anzahl der Wechselkunden werde bis 2016 auf voraussichtlich 12 Millionen ansteigen, heißt es in der Studie von A.T. Kearney – das ist fast jeder dritte Haushalt (30 Prozent). 2011 waren es noch 7 Millionen. Die gestiegene Wechselbereitschaft erklären sich viele mit der gestiegenen Aufmerksamkeit für das Thema Strom, verursacht etwa durch die Atomkatastrophe in Fukushima oder die deutsche Energiewende, die den Strom teurer macht.

Fragen zum Netzausbau

Wie groß ist der Ausbaubedarf?

Der von den Netzbetreibern vorgestellte Entwicklungsplan sieht bis 2022 insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen vor, dazu den Ausbau von 4.400 Kilometern bereits bestehender Leitungen. Das soll rund 20 Milliarden Euro kosten.

Um welche Leitungen geht es?

Es gibt zwei Arten von Stromleitungen: Übertragungsnetze und Verteilnetze. Das Übertragungsnetz verhält sich zum Verteilernetz in etwa so wie eine Autobahn zu einer Landstraße oder innerstädtischen Straße. Beim Ausbau der Netze geht es vor allem um die Übertragungsnetze, die den Strom etwa vom windreichen Norden in den Rest der Republik transportieren sollen.

Das Übertragungsnetz

Das Übertragungsnetz in Deutschland ist rund 35.000 km lang und wird von den vier Übertragungsnetzbetreibern Tennet, 50Hertz, Amprion und Transnet BW betrieben.

Das Verteilnetz

Das Verteilnetz in Deutschland ist hingegen rund 1,7 Millionen Kilometer lang und wird von etwa 900 Unternehmen, darunter viele Stadtwerke, betrieben.

Wer bezahlt den Ausbau?

In letzter Instanz zahlt der Stromverbraucher über eine Umlage auf den Strompreis den Netzausbau. Diese Umlage nennt sich Netzentgelt, also eine Gebühr dafür, dass der Strom der Verbraucher über die Leitungen der Netzbetreiber geschickt werden darf. Die Gebühr macht derzeit 23 Prozent des Strompreises aus.

Über diese Umlage finanziert der Staat den Netzausbau: Die Netzbetreiber erhalten von der Bundesnetzagentur auf ihre Investitionskosten 9,5 Prozent Eigenkapitalverzinsung garantiert. Sie müssen lediglich dafür sorgen, das nötige Kapital für den Ausbau aufzutreiben.

Um die Kunden zu sich zu locken, verkaufen viele Anbieter derzeit ihren Strom unter ihren Produktions- oder Einkaufskosten, warnen Experten. „Aktuell findet ein ruinöser Preiskampf statt“, sagt etwa Unternehmensberater Roos im Gespräch mit Handelsblatt Online. Verbraucherschützer warnen jedoch vor Lockangeboten und Knebelverträgen.

Kommentare (4)

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07.03.2013, 14:55 Uhr

Ich schlage jetzt zwei Fliegen mit einer Klappe,denn ich beziehe meinen Strom von einem Ökoanbieter,bei dem ich auch mein Geld angelegt habe.So unterstütze ich das Unternehmen,in das ich auch investiere.Und der Preis stimmt auch.Besser geht´s nicht.Und dass ich den "Großen"damit noch ein Schnippchen schlagen kann freut mich ungemein!

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07.03.2013, 16:44 Uhr

"Dumpingpreise" impliziert, daß es die Kunden wirklich billig bekommen (habe ich persönlich nicht bemerkt und 100000 tausenden wird in DE der Strom abgedreht weil sie die Rechnungen nicht bezahlen können). Offenbar soll so von den hohen Kosten der Grünen Energie-Liebhaberei abgelenkt werden. Hier zu den Kosten des Energie-Einpscheiße-Gesetzes (ops, ein kleiner Tipfehler):

http://www.windwahn.de/index.php/wissen/hintergrundwissen/wind-im-haar-sonne-auf-der-haut-und-ebbe-in-der-kasse

Hier die Konsequenzen:
http://www.format.at/articles/1309/525/353735/wolfgang-eder-europa
Grüne Kernkompetenz: Vertreibung von Investitionen.

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07.03.2013, 16:47 Uhr

@babsack69
Das ist vielleicht wirklich eine gute Idee, um seine Opfer-Rolle bei diesem EEG-Subventionsschwindel quasi zu "hedgen" (durch einen Täter-Long gewissermaßen). :o)

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