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02.08.2012

13:56 Uhr

Energieversorger

EnBW will alte Atommeiler „zügig“ abreißen

Die Atomkraftwerksblöcke Neckerwestheim und Philippsburg wurden 2011 stillgelegt – nun will sie der Versorger EnBW „zügig“ abreißen. Zuerst aber müssen die Brennelemente abkühlen und Genehmigungen eingeholt werden.

Der Meiler in Neckarwestheim wurde 2011 stillgelegt. Reuters

Der Meiler in Neckarwestheim wurde 2011 stillgelegt.

StuttgartDer Versorger EnBW will zwei 2011 stillgelegte Atomkraftwerksblöcke in Neckarwestheim und Philippsburg zügig abreißen. "Wir nehmen unsere Verantwortung wahr und schieben die Rückbauarbeiten nicht auf die lange Bank", teilte der Energiekonzern am Donnerstag in Karlsruhe mit, der an beiden Standorten noch je einen weiteren Atommeiler betreibt. EnBW habe sich daher für den direkten Rückbau und gegen den sogenannten sicheren Einschluss entschieden. Bevor die Rückbauarbeiten beginnen könnten, vergehen aber voraussichtlich noch Jahre: Die Brennelemente müssten abkühlen, die erforderlichen Genehmigungen zum Rückbau bei den Atom-Aufsichtsbehörden müssten eingeholt werden.

EnBW hat bereits Erfahrung mit dem Rückbau eines Atomkraftwerks, da der Meiler in Obrigheim 2005 abgeschaltet wurde. Im Herbst 2008 begann dort die Demontage, die insgesamt mit Kosten von 500 Millionen Euro veranschlagt wurde. Für die Rückbau- und Abrisskosten haben die Kraftwerksbetreiber Rückstellungen in Milliardenhöhe gebildet. Die beiden noch laufenden EnBW-Atommeiler sollen noch bis 2019 beziehungsweise 2022 Strom produzieren, danach werden sie ebenfalls abgerissen. Ein Endlager für den hochradioaktiven Abfall aus dem Atomkraftwerken gibt es in Deutschland bisher nicht.

RWE hat für den Abriss seiner beiden Atommeiler Biblis A und B Kosten von rund 1,5 Milliarden Euro einkalkuliert. Auch die Essener hatten sich für den direkten Rückbau entschieden und die Alternative des "sicheren Einschlusses" verworfen. In den ersten etwa fünf Jahren ist das Vorgehen bei beiden Varianten gleich. In dieser Zeit wird der Brennstoff aus der Anlage geholt.

Beim schnellen Rückbau wird jedoch anschließend sofort mit der Demontage begonnen, beim "sicheren Einschluss" geschieht dies erst nach 20 bis 30 Jahren. In dieser Zeit kann die Radioaktivität weiter abklingen. Der schnelle Abriss hat den Vorteil, dass das bisherige Personal in dem Kraftwerk Aufgaben übernehmen könnten.

Nach der jahrzehntelangen Nutzung der Kernenergie befinden sich in Deutschland bereits rund ein Dutzend Atomkraftwerke im Rückbau. Dazu gehören etwa die alten DDR-Meiler Greifswald und Rheinsberg oder das niedersächsische Atomkraftwerk Stade: Das AKW war 2003 stillgelegt worden. Die Gebäude sollen bis 2015 verschwunden sein.

Von

rtr

Kommentare (5)

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vandale

02.08.2012, 15:06 Uhr

Kürzlich konnte ich bei einer Reise nach Deutschland das traurige Bild des alten, einst sehr zuverlässigen Kernkraftwerks Obrigheim sehen. Es ist faszinierend wie man im destruktiven ökoreligiösen Eifer die umweltfreundlichste und sicherste Energiequelle abreisst um im Gegenzug eine am Mittelalter orientierte Energieversorgung zu errichten sucht.

Die Abrisskosten liegen bei etwa 800 Mio. €. In den USA rechnet man mit eher 400 Mio. $. Der Unterschied ist der ökologisierten Atomaufsicht und den Politikern mit dem Hickhack um Endlager für radioaktive Abfälle geschuldet. Die Betreiber haben Rückstellungen für den Atommüll und den Abriss der alten Kernkraftwerke gebildet.

Bekannte haben mehrfach angemerkt man könne die zuverlässigen und umweltfreundlichen Kernkraftwerke wieder in Betrieb nehmen wenn die Politiker wieder zur Vernunft kommen. Beispielsweise stellt man in den USA in den 70er Jahren begonnene Kernkraftwerke fertig, z.B. Watts Bar II, Belefonte.
Allerdings musste ich Ihnen entgegnen, dass dies in Deutschland bereits nach dem alten Atomgesetz nicht möglich war, weil Kernkraftwerke dem Stand von Wissenschaft und Technik genügen müssen was für ein altes Kernkraftwerk grundsätzlich nicht zutrifft.

Vielleicht werden dann die Nachfahren Deutscher Oekos ein paar Malereien in ihre steinzeitlichen Höhlen malen.

Vandale

Merke

02.08.2012, 18:22 Uhr

Bekannte haben angemerkt, dass das Kernkraftwerk Watts Bar mehr als 8 Mrd. Dollar gekostet hat (mehr als 7.000 Dollar/ KW) und völlig unwirtschaftlich ist und ohne die Mitnutzung durch das amerikanische Militär niemals gebaut worden wäre. Ich mußte Ihnen entgegensetzen, dass so ein Irrsinn in Deutschland nicht mehr möglich sein wird.

Vielleicht werden paramilitärische Bürgerwehren eines Tages die Brennstäbe für die Verteidigung ihres Vorgartens und das Kernkraftwerk als Bunker verwenden. Schließlich gibt ihnen die Verfassung der Vereinigten Staaten ja das Recht.

vandale

02.08.2012, 19:33 Uhr

Hi Merke...Watts Bar I und II gehören der Tennessee Valley Authority. Mit dem Miitär hat das meines Wissens nichts zu tun. Wenn Sie mehr Kenntnisse haben als das Repetieren ökoeligiöser Parolen dann sollten Sie vielleicht sollten Sie einmal überlegen was die US Streitkräfte mit einem kommerziellen Leichtwasserreaktor anfangen sollen?

Es stellt sich dann auch die Frage wie Sie die Kosten dieses Kraftwerks auf 8 Mrd.$ kalkulieren.

Vandale

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