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05.11.2012

14:44 Uhr

Energieversorgung

Angriff der Kleinen

VonDana Heide

Früher war die Welt der Energieversorger übersichtlich: Eon, RWE, Vattenfall und EnBW hatten Deutschland unter sich aufgeteilt. Doch mit der Energiewende kommt die Wende auf dem Markt: Kleine Stadtwerke machen mobil.

Energiewende vom Land: Photovoltaikanlage im brandenburgischen Dorf Dallgow-Döberitz. dpa

Energiewende vom Land: Photovoltaikanlage im brandenburgischen Dorf Dallgow-Döberitz.

KasselWenn die Sonne mittags hoch am Himmel steht, muss man auf dem Weg ins Tal nach Altenhasungen die Augen zukneifen. Zu viele Solarmodule auf den Dächern des kleinen Dorfes in der Mitte von Deutschland spiegeln das grelle Sonnenlicht wieder - da hilft auch eine schützende Brille wenig.

Auf dem Land war die Energiewende schon Thema, als Kanzlerin Angela Merkel noch nicht den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hatte. Dank üppiger Einspeisevergütungen hat sich in Dörfern wie Philippinenburg, Istha und Oelshausen bei Kassel in Nordhessen jeder, der es sich leisten konnte, längst ein paar Module auf sein Dach geschraubt. 

Die Energiewende kommt vor allem von unten, aus Dörfern wie Altenhasungen. Viele Mini-Kraftwerke auf Dächern und Feldern statt weniger großer Atommeiler – das ist die neue Richtung. Die kleinen Stadtwerke nutzen nun diesen Trend zur Dezentralisierung und greifen die großen Energieriesen an: Allein im vergangenen Jahr steigerten sie ihren Marktanteil von unter 10 auf fast 13 Prozent.

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Rund 4400 Megawatt neue Stromerzeugungskapazität sind derzeit im Bau oder in Genehmigungsverfahren. Bis 2020 wollen die Stadtwerke einen Marktanteil von 20 Prozent haben. Möglich machen ihre Aufholjagd viele kleinteilige Lösungen und eine vielversprechende Technologie, die die zahlreichen Mini-Kraftwerke verbindet.

Die Stadtwerke sind derzeit im Vorteil gegenüber den vier großen Energieversorgern. „Die großen Versorger wurden von der Energiewende kalt erwischt“ sagt Josef Auer, Energieexperte bei Deutsche Bank Research zu Handelsblatt Online. RWE, Eon, Vattenfall und EnBW, die rund 80 Prozent des Strommarktes kontrollieren, müssen nun erst einmal ihre Wunden lecken. Der deutsche Marktführer RWE hat seinen Schaden durch die Energiewende in einer noch laufenden Klage gegen die Bundesrepublik Deutschland auf acht Milliarden Euro beziffert. Insgesamt fordern die großen Versorger RWE, Eon und Vattenfall 15 Milliarden Schadensersatz dafür, dass sie ihre Atommeiler abschalten mussten.

Das sind die größten Stromverbraucher weltweit

Platz 1: China

China ist die weltweite Nummer Eins unter den Stromverbrauchern. Kein anderes Land benötigt mehr Strom. Auch bei der Stromerzeugung ist das Land an der Spitze, exportiert jedoch nicht besonders viel von seiner Energie. Im Ranking der Strom exportierenden Länder belegt die Volksrepublik nur den neunten Platz.

Platz 2: USA

Der zweitgrößter Stromverbraucher der Welt ist die USA. Fast fünf Prozent der installierten Stromerzeugungskapazität waren im Jahr 2010 regenerative Energien.

Platz 3: Japan

Den dritten Platz der größten Stromverbraucher belegt Japan. Das Land ist zugleich viertgrößter Stromproduzent der Erde, vor ihm liegen nur Russland, China und die USA. Mit seinen Erzeugungen versorgt sich Japan im Gegensatz zu diesen Ländern jedoch ausschließlich selbst.

Platz 4: Russland

Fast genauso viel Strom wie Japan verbraucht Russland und liegt somit auf dem vierten Platz der weltweit größten Verbraucher. Das Land ist zudem drittgrößter Stromproduzent.

Platz 5: Indien

Der fünftgrößte Stromverbraucher der Welt ist Indien. Kein Wunder: Das Land ist nach China das bevölkerungsreichste der Welt, 1,3 Milliarden Einwohner leben dort laut Schätzungen.

Platz 6: Kanada

Auf dem sechsten Platz der größten Stromverbraucher gibt es eine Überraschung: Kanada. Dabei ist das Land relativ spärlich besiedelt, nur 34 Millionen Menschen leben dort.

Platz 7: Deutschland

Mehr als doppelt so viele Einwohner wie Kanada hat Deutschland, und ist dennoch hinter dem nordamerikanischen Land, wenn es um den Stromverbrauch geht. 545 Milliarden Kilowattstunden wurden 2011 verbraucht. Beim Export von Strom ist Deutschland hingegen fast Spitze. Im weltweiten Vergleich exportiert nur Nachbarland Frankreich mehr.

Platz 8: Frankreich

Als Stromexporteur ist Frankreich die weltweite Nummer Eins. Beim Stromverbrauch liegt das 65 Millionen Einwohner-Land dagegen nur auf dem achten Platz.

Die Franzosen setzen bei der Stromerzeugung voll auf Atomkraft. 58 Meiler waren 2011 in Betrieb. Zum Vergleich: In Deutschland waren es im gleichen Zeitraum neun Atomkraftwerke, in Spanien acht und im Vereinigten Königreich 18.

Platz 9: Brasilien

Neungrößter Stromverbraucher ist Brasilien. In dem südamerikanischen Land leben 200 Millionen Menschen.

Platz 10: Südkorea

Südkorea ist auf dem zehnten Platz der größten Stromverbraucher der Welt. Das Land versorgt sich laut der US-Informationsbehörde CIA komplett selbst, importiert also keinen Strom. Seinen Strom erzeugte Südkorea im Jahr 2010 zu fast einem Drittel mit Atomkraft, bis 2024 soll sie fast 50 Prozent der Stromproduktion ausmachen.

Kommentare (14)

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vandale

05.11.2012, 15:43 Uhr

Eine Dezentralisierung und "Erneuerbare Energien" sind ein Widerspruch.

Ein Haushalt verbraucht stark schwankend zwischen 50W und 5kW. Je mehr Verbraucher zusammengefasst sind, desto mehr ebnen sich die Verbrauchsspitzen ein.

Ein dezentraler Generator wäre auf die Höchstlast auszulegen und damit extrem überdimensioniert. Er müsste den Lastschwankungen innerhalb kürzester Zeit folgen. Bei Ausfall des Generators gäbe es keinen Strom. Je mehr Kraftwerke zusammengefasst werden, desto stabiler wird die Erzeugung.

Sonne und Wind erzeugen ihren Strom gem. den Launen des Wetters gänzlich unabhängig vom Bedarf der Verbraucher.

Am Ende sind es die modernen Grosskraftwerke und Speicherkraftwerke im In- und Ausland die das Netz stabil halten. Wenn der Anteil an Zufallsstrom steigt, sinkt die Netzstabilität und der Zusammenbruch wird zum regelmässigen Erlebnis.

Vandale

Account gelöscht!

05.11.2012, 15:57 Uhr

Es gibt ja nicht nur Sonne und Wind, die erneuerbaren Energien sind vielfältiger.

Dezentralisierung ist der richtige Weg. Vermeidet Monopolstellungen, schafft Wettbewerb und ist billiger.
War schon immer meine Meinung.^^

Schon die Unterstützung der Windräder auf 20 Jahre, verhindert andere Projekte.

Account gelöscht!

05.11.2012, 16:37 Uhr

die Energiewende ist ein vom privaten Verbraucher finanziertes Konjunkturprogramm mit dem der Staat auch noch Steuermehreinnahmen erziehlt.

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