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10.02.2012

15:00 Uhr

Energieversorgung

In Süddeutschland wird das Gas knapp

Die Kältewelle stellt die Energieversorgung in Deutschland vor gewaltige Herausforderungen. In Süddeutschland wird das Gas knapp. Und auch beim Stromtransport in den Süden gelangt das System an die Kapazitätsgrenze.

Pipeline in Lubmin: In Süddeutschland wird die Gaslieferung an einige Kunden bereits gedrosselt. dapd

Pipeline in Lubmin: In Süddeutschland wird die Gaslieferung an einige Kunden bereits gedrosselt.

Frankfurt/MoskauDie Kälte stellt den Energietransport in Deutschland vor eine harte Probe. Wegen gedrosselter Gas-Lieferungen aus Russland unterbrechen Pipeline-Betreiber hierzulande ihre Zufuhr an bestimmte Kunden, darunter Kraftwerke, wie der Betreiber Open Grid Europe am Freitag bestätigte. Das wiederum bringt die Übertragungsnetze für Strom an ihre Grenzen, weil nun über sie mehr Strom über weitere Strecken fließen muss.

Seit gut einer Woche liefert der russische Energiekonzern Gazprom weniger Gas in die Europäische Union. Davon betroffen ist auch Deutschland, wo beispielsweise am Übertragungspunkt Waidhaus an der deutsch-tschechischen Grenze zuletzt bis zu 30 Prozent weniger Gas ankam, wie ein Sprecher von Open Grid Europe am Freitag sagte. Gleichzeitig stieg bei den kalten Temperaturen die Nachfrage nach Gas an.

Erste Stadtwerke im südwestdeutschen Raum riefen deshalb dazu auf, den Gasverbrauch zu drosseln. „Wir müssen unsere Kunden bitten, trotz der extremen Kälte die Raumtemperatur etwas abzusenken“, hatte unter der Woche der Geschäftsführer der Stadtwerke Schramberg, Peter Kälble, erklärt. Die Lieferanten des Grundversorgers stießen an ihre Kapazitätsgrenzen. „Wenn weniger Gas da ist, kann man weniger transportieren“, brachte der Open-Grid-Europe-Sprecher das Problem auf den Punkt.

Um Ausfall und Mehrverbrauch besser zu kompensieren und zu kanalisieren, habe der Pipeline-Betreiber zuletzt die Belieferung ausgesuchter, sogenannter unterbrechbarer Kunden ausgesetzt. Dazu gehören auch Kraftwerke. Beispielsweise ist seit mehreren Tagen das Gaskraftwerk RDK 4 in Karlsruhe komplett vom Netz. Das wiederum birgt Probleme für die Stromversorgung.

Der russische Energieriese Gazprom hat derweil angekündigt, wegen der Eiseskälte seine unterirdischen Gasspeicher in Europa anzuzapfen. So erreiche das Unternehmen eine stabile und sichere Versorgung der europäischen Kunden, teilte Vizechef Alexander Medwedew am Freitag in Brüssel mit. Der staatliche Konzern hatte vor einigen Tagen erstmals Lieferprobleme eingeräumt. In den vergangenen Wochen habe das Unternehmen in Spitzenzeiten täglich Gas bis zur höchstmöglichen Menge von mehr als 38 Millionen Kubikmeter aus den unterirdischen Speichern in Österreich, Deutschland und Serbien geholt, sagte Medwedew.

Gazprom will demnach seine unterirdische Gasspeicher-Kapazität in Europa bis 2015 auf etwa fünf Billionen Kubikmeter verdoppeln, um die Versorgung zu sichern, und hofft auf die Unterstützung der europäischen Behörden. Europäische Firmen hatten den Energiegiganten wegen der Kältewelle darum gebeten, seine Lieferungen hochzufahren. Gazprom erklärte jedoch, aus seinen unterirdischen Speichern in Europa bereits pro Tag 38 Millionen Kubikmeter zu entnehmen und damit die höchstmögliche Menge. Der Konzern könne deshalb nicht alle Zusatzanfragen bedienen. Gazprom liefert etwa ein Viertel des in Europa verbrauchten Gases.

Kommentare (22)

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10.02.2012, 15:08 Uhr

Kein Wunder, wenn"s selbst in diesen Tagen nach Frankreich exportiert wird. Fehlleitung oder Fehlinformation? (Das Handelsblatt berichtete...)

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10.02.2012, 15:13 Uhr

Auch mich verwundert die Meldung etwas. gestern noch wurde berichtet, dass unsere nationale Gasreserve derzeit täglich um 1 Prozent schrumpfe - bei einem aktuellen Stand von 63 Prozent. Danach müssten auch bei einer reduzierte Belieferung eigentlich bis weit in den Frühling genug gasreserven vorhanden sein. Was bedeutet nun die jetzige Meldung?

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10.02.2012, 15:16 Uhr

In der Tat hat Deutschland zu Beginn der Kältewelle noch ein Überangebot gehabt und deswegen sogar noch Strom nach Frankreich exportiert. Das liegt unter anderem an dem relativ großen Anteil an Windkraft am der deutschen Stromproduktion. Damit schwankt das Angenbot in Deutschland stärker als z.B. in Frankreich. Zurzeit wird sicherlich kein Strom exportiert.

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