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06.09.2015

16:19 Uhr

Energiewende

Autobauer machen Druck wegen E-Autos

E-Autos sind noch immer Exoten auf deutschen Straßen. Dabei sollen es in fünf Jahren eine Million sein. Die Autobauer kassieren dieses Ziel nun ein. Das Regierungsziel sei aus heutiger Sicht einfach unerreichbar.

Eine BMW-Mitarbeiterin montiert Räder in der Produktion des Elektrowagens i3. Der i3 ist der erste in Großserie gefertigte BMW mit Elektroantrieb. Doch Deutschland ist in Sachen Elektromobilität weit vom selbst gesteckten Ziel entfernt. dpa

E-Autos in Deutschland

Eine BMW-Mitarbeiterin montiert Räder in der Produktion des Elektrowagens i3. Der i3 ist der erste in Großserie gefertigte BMW mit Elektroantrieb. Doch Deutschland ist in Sachen Elektromobilität weit vom selbst gesteckten Ziel entfernt.

BerlinDeutsche Autobauer fordern mehr Engagement der Bundesregierung beim Ausbau der Elektromobilität. Das Regierungsziel von einer Million E-Autos auf deutschen Straßen bis 2020 sei aus heutiger Sicht unerreichbar, sagte Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche der „Bild am Sonntag“. „Wenn die Politik bis 2020 auf diese Zahl kommen möchte, müsste sie die Bedingungen ändern.“ Ein BMW-Sprecher nannte das Vorhaben „sehr ambitioniert“. Er forderte bessere Rahmenbedingungen beim Kauf von E-Autos wie steuerliche Vorteile für den Aufbau von Unternehmensflotten. „Politische Unterstützung ist vonnöten“, sagte der Sprecher am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur.

Zahlen und Fakten zum E-Antrieb

Gewicht

Eine E-Maschine, also der Motor-Generator inklusive der Elektronik drum herum, wiegt nur etwa 50 bis 70 Kilogramm. Ein Verbrenner ist deutlich schwerer: Ein 4-Zylinder-Benziner wiegt ungefähr um die 220 Kilo, eine kleinere Dieselmaschine sogar knapp 300 Kilogramm. Der reine Vergleich der Antriebsformen ist jedoch nur die halbe Wahrheit: Entscheidend ist das Gesamtgewicht - dazu zählen auch die benötigte Batterie oder - beim Verbrenner - der mit Sprit gefüllte Tank.

Reichweite

Reichweite ist noch eines der größten Probleme bei E-Autos. Als Faustformel gilt, dass für eine ähnliche Streckenleistung wie mit einem spritfressenden Fahrzeug das 10- bis 20-Fache der Batterie benötigt wird. Bei 60 Litern Tankvolumen wären das rund 600 bis 1.200 Liter Batterievolumen - eine enorme Größe. Die Leistungssteigerung der Batterien ist daher eines der wichtigsten Themen beim E-Auto.

Wartung

Eine E-Maschine ist auf Lebensdauer wartungsfrei. Verbrenner nicht. Diesel mit großem Hubraum gelten als langlebig - Laufleistungen von mehreren Hunderttausend Kilometern sind nicht selten. Die für die E-Autos benötigten Batterien haben allerdings auch eine begrenzte Lebenserwartung. Sie werden mit der Zeit und dem Laden schwächer.

Ölwechsel

Ein E-Motor braucht keinen Ölwechsel, so wie es bei Verbrennern früher oder später der Fall ist. Die Lagerfette in den E-Antrieben sind auf eine lebenslange Funktionstüchtigkeit ausgelegt.

Getriebe

E-Autos kommen ohne Schaltgetriebe aus. Zulieferer wie ZF Friedrichshafen oder Getrag, die einen großen Teil ihrer Umsätze mit Getrieben erzielen, oder Hersteller wie Daimler, die ihre Getriebe selbst entwickeln und fertigen, werden sich umstellen müssen.

Porsche-Boss Matthias Müller warf Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) vor, sich nicht für das Thema zu interessieren. „Die Autoindustrie in Deutschland steckt etliche Milliarden in die Elektromobilität, und die Bundesregierung schaut dabei zu“, sagte Müller der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag). Andere Länder wie die Niederlande böten neben Kaufanreizen auch ein großes Netz an Schnellladestationen. Hingegen sagte der BMW-Sprecher, das Thema „stößt in der Politik nicht auf taube Ohren“.

Das Bundesverkehrsministerium verwies auf ein „umfangreiches Maßnahmenpaket zur Förderung der Elektromobilität“. Dazu gehöre etwa die Befreiung der E-Fahrzeuge von der Kfz-Steuer und Privilegien auf Sonderfahrspuren sowie kostenfreie Parkplätze, teilte ein Ministeriumssprecher in Berlin mit. „Aktuell bauen wir ein flächendeckendes Netz an Schnellladesäulen an den Autobahnraststätten auf, das durchschnittlich alle 30 Kilometer verfügbar ist.“

Allerdings forderte auch Zetsche weitere Anreize wie etwa steuerliche Vorteile. Hintergrund sei, dass E-Fahrzeuge in der Herstellung immer noch deutlich teurer seien als Verbrennungsfahrzeuge. Damit verdiene bislang kein Autobauer Geld.

Deutschland ist in Sachen Elektromobilität weit vom selbst gesteckten Ziel von einer Million E-Autos bis 2020 entfernt. Zu Jahresbeginn 2015 waren nur knapp 19 000 reine Elektroautos zugelassen. Im Vergleich zum Vorjahr war das aber immerhin ein Plus von 56 Prozent.

Der Porsche-Chef betonte, auch der Stuttgarter Sportwagenkonzern beschäftige sich mit einem E-Auto. „Aber glauben Sie mir, eine siebte Baureihe muss trotz allem ein sehr Porsche-typisches Fahrzeug sein.“ Müller gab sich skeptisch, was die Entwicklung hin zu selbstfahrenden Autos angeht. „Dieser Digitalisierung und Automatisierung werden auch wir uns nicht völlig verschließen, aber ein 911er-Fahrer wird auch in Zukunft gerne selber fahren, Gas geben, bremsen, lenken und schalten.“

Von

dpa

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