Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.01.2012

09:08 Uhr

Energiewende

Das Stromnetz wird instabil

VonJürgen Flauger, Klaus Stratmann

Die Energiewende stellt die Netzbetreiber vor große Probleme. Sie kommen mit dem Bau neuer Leitungen kaum voran und warnen vor Stromausfällen.

Strommasten: Es wird zunehmend schwierig, die Spannung zu halten. dpa

Strommasten: Es wird zunehmend schwierig, die Spannung zu halten.

BerlinDie Energiewende droht an Engpässen im deutschen Stromnetz zu scheitern. Die Netzbetreiber warnen, dass sie gar nicht so schnell neue Leitungen bauen können, wie durch den rasanten Ausbau von Wind- und Solarenergie benötigt werden.

„Die Energiewende ist eine sehr schnelle Transformation eines langsam gewachsenen Energiesystems, und die Netze werden dabei eine Schlüsselrolle spielen – aber wir laufen der Entwicklung bei den Erneuerbaren deutlich hinterher“, sagte Boris Schucht, Geschäftsführer des Netzbetreibers 50-Hertz, der für die Überlandleitungen im Nordosten Deutschlands verantwortlich ist, gestern auf der Handelsblatt Jahrestagung „Energiewirtschaft 2012“. Die Branche stehe unter einem enormen Zeitdruck.

Das deutsche Stromnetz wird sowohl durch den dramatischen Ausbau der erneuerbaren Energien, die bis 2020 ihren Anteil an der Stromerzeugung von 20 auf 35 Prozent ausbauen sollen, als auch das schrittweise Abschalten der 17 deutschen Kernkraftwerke belastet. Es erfordert große Anstrengungen, Angebot und Nachfrage an Strom auszugleichen und so die Spannung im Netz stabil zu halten. Zum einen speisen Wind- und Solaranlagen Strom abhängig vom Wetter unregelmäßig ein. Zum anderen wird das Netz regional unterschiedlich belastet. Während vor allem im Norden Windparks entstehen und dort das Angebot steigt, sind gerade im Süden, wo die Nachfrage hoch ist, vier Reaktoren schon vom Netz.

„Es wird zunehmend schwierig, die Spannung zu halten“, bestätigt der Aachener Energieprofessor Albert Moser. Es sei nicht nur problematisch, dass überhaupt Kraftwerke fehlten, sondern auch an welchen Orten sie fehlten.

Vor allem das Übertragungsnetz steht schon jetzt unter Stress. Das sind die Hoch- und Höchstspannungsleitungen, die wie Autobahnen den Strom über große Strecken transportieren, ehe er über die Verteilnetze vor Ort zum Kunden kommt.

Kommentare (36)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

22.01.2012, 09:28 Uhr

Wir können es uns nicht leisten weitere Atomkraftwerke abzuschalten !!!
Deutschland hat eben nicht genug Kapazität um sich selber mit strom zu versorgen , das beweist auch die Inkompetenz des Ideologie gesteuerten Umweltbundesamtes und Grüner Energiepolitik .
Immer wieder hörten wir von Co 2 Ausstoß , Schadstoffe die in der Kernkraft nicht entstehen , dennoch schalten wir diese Kraftwerke ab und aktivieren dafür ein altes Öl Kraftwerk in Österreich,wollen Kohlekraftwerke bauen und mit Gas Strom erzeugen .
Deutschland ,die Deutschen sind an Verblödung erkrankt , den man nur noch mit einem großen Stromausfall heilen kann .Aus Erfahrung lernt man , lassen wir es also darauf ankommen , mit allen Konsequenzen !

Account gelöscht!

22.01.2012, 10:02 Uhr

Elektrische Energie lässt sich nicht in großen Mengen speichern. Sie kann weder abgefüllt noch angeliefert werden wie etwa Kohle oder Propangas, sondern ist an Leitungen gebunden. Daher muss zu jedem Zeitpunkt exakt so viel elektrische Energie erzeugt werden, wie verbraucht wird. Andernfalls ist die Netzstabilität gefährdet und Stromausfälle könnten die Folge sein.
Das Stromnetz im Gleichgewicht zu halten, erfordert eine möglichst genaue Prognose des Verbrauches, damit die nach einem „Fahrplan“ gesteuerte Stromerzeugung den Anforderungen der Stromverbraucher gerecht wird.
In West-Europa sind die Stromnetze vieler Länder zusammengeschaltet. In diesem Verbundnetz fließt der Strom mit einer Frequenz von 50 Hertz. Die Frequenz ist das Steuerungsinstrument, mit dem die Stabilität des Netzes kontrolliert wird. Ist die Stromnachfrage deutlich größer als die aktuell eingespeiste Strommenge, sinkt die Frequenz unter 50 Hertz. Die Frequenz steigt über diesen Wert, wenn umgekehrt mehr Strom ins Netz eingespeist als verbraucht wird.
Im westeuropäischen Verbundnetz schwankt die Netzfrequenz im Normalbetrieb in engen Grenzen und weicht nur bis etwa 0,05 Hertz vom Nennwert 50 Hertz ab. Diese Schwankungen entstehen durch die laufenden Lastzu- bzw. -abschaltungen, also wenn z.B. die Stromkunden ihre Motoren anwerfen oder Toaster und Lampen an- und ausschalten. Bei größeren Frequenzabweichungen werden automatisch Gegenmaßnahmen in Gang gesetzt, um Schäden zu vermeiden. Dabei handelt es sich ist in erster Linie um den Einsatz von Regelleistung, mit der das entstandene Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch innerhalb von Sekunden beseitigt wird.

Account gelöscht!

22.01.2012, 10:03 Uhr

- 1 -
Bei größeren Abweichungen würde zum einen die Funktion zahlreicher elektrischer Geräte beeinträchtigt, zum Beispiel von Präzisionsgeräten, Motoren, elektrischen Uhren oder Computern. Zum anderen würden auch die Stromerzeugungsanlagen Schaden nehmen. So können z.B. Generatoren in den Kraftwerken beschädigt werden, wenn die Frequenz unter 47,5 Hertz sinkt. Die dann auftretenden Resonanzschwingungen führen zu einer Zerstörung.
Der intensive Ausbau der erneuerbaren Energien stellt die Netzbetreiber vor erhebliche Probleme. Denn Strom aus Windenergieanlagen wird nur dann erzeugt, wenn der Wind weht, und Energie aus Photovoltaikanlagen nur dann, wenn die Sonne scheint. Wetterprognosen helfen zwar, tatsächliche Windstärken und regionale Sonneneinstrahlung vorherzusagen, trotzdem bleibt stets ein Restrisiko, ob wirklich der erwartete Strom aus Windenergie- bzw. Photovoltaikanlagen zur Verfügung stehen wird.
Für den kurzfristigen Ausgleich nicht vorhersehbarer Schwankungen in Erzeugung und Verbrauch von Strom muss immer Regelenergie bereitstehen. Dabei wird je nach Bereitstellungszeit nach Primärregelleistung, Sekundärregelleistung und Minutenreserve unterschieden. Primärregelleistung muss zur Hälfte innerhalb von 15 Sekunden und vollständig innerhalb von 30 Sekunden aktivierbar sein, Sekundärregelleistung in fünf Minuten und Minutenreserve innerhalb von 15 Minuten. Als Regelkraftwerke werden Dampfturbinen-, Speicherwasser-, Pumpspeicherwasser- und Gasturbinenkraftwerke eingesetzt, die z.B. im Teillastbetrieb arbeiten oder im Bedarfsfall gestartet werden. Wegen des kurzfristigen und ungewissen Einsatzes der Regelenergie ist ihr Preis meist deutlich höher als der für längerfristig planbare Stromprodukte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×