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01.06.2012

19:29 Uhr

Energiewende

Die Profiteure des Netzausbaus

VonJürgen Flauger, Axel Höpner

Die Energiebranche investiert in das überregionale Stromnetz über 30 Milliarden Euro. Während Siemens, ABB und Alstom an Großkomponenten liefern, freuen sich auch Mittelständler auf Aufträge.

Durch die Energiewende werden Tausende Kilometer an neuen Leitungen benötigt. dpa

Durch die Energiewende werden Tausende Kilometer an neuen Leitungen benötigt.

Die Betreiber des deutschen Stromnetzes stöhnen über die Energiewende. Über 30 Milliarden Euro müssen sie in den kommenden zehn Jahren in die großen Übertragungsleitungen investieren, damit das Netz die Herausforderungen durch den Atomausstieg und den Ausbau der erneuerbaren Energien bewältigen kann.

Die Hersteller von Stromleitungen, -masten und Transformatoren freuen sich über die Energiewende. Für sie bedeuten die 30 Milliarden Euro ein gutes Geschäft. Über die Jahre könne sich Siemens sicherlich eine Milliardensumme von dem Auftragsvolumen sichern, sagte Udo Niehage, der Energiewendebeauftragte des Technologiekonzerns, dem Handelsblatt: "Wenn die Projekte zur Realisierung kommen, rechnen wir uns sehr gute Chancen aus." Ähnlich optimistisch ist Konkurrent ABB. Schließlich sieht sich der Konzern als "Weltmarktführer in der Stromübertragung und -verteilung" und will sich mit einem "kompletten Angebot, das von Transformatoren und Schaltanlagen über Hochspannungskabel bis hin zu kompletten, schlüsselfertigen Umspannwerken reicht", um Aufträge bemühen. Auch Alstom darf sich als wichtiger Lieferant Hoffnungen machen.

Seit dieser Woche wissen die Unternehmen, um welchen Markt sie kämpfen werden. Die vier Betreiber des Übertragungsnetzes, das den Strom überregional mit Höchstspannungsleitungen transportiert, Amprion, 50-Hertz, Tennet und Transnet-BW, haben einen Plan vorgelegt, wie das Stromnetz mit der Energiewende mithalten kann. Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien wird es für sie schließlich immer schwieriger, die Spannung stabil zu halten. Beispielsweise wird immer mehr Strom im Norden produziert, wo riesige Windparks vor den Küsten entstehen, der zu den Industriebetrieben im Süden transportiert werden muss.

Dem Plan zufolge müssen bis 2022 gut 4 000 Kilometer optimiert werden, und 1 700 Kilometer lange Starkstromleitungen müssen neu gebaut werden. Die vier Betreiber wollen aber auch vier Trassen mit einer neuartigen Technik, den Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungsleitungen (HGÜ), bauen. Hier wird nicht Wechsel-, sondern Gleichstrom transportiert. 2 100 Kilometer sind davon geplant. 20 Milliarden Euro wollen die Übertragungsnetzbetreiber in all diese Leitungen an Land investieren. Hinzu kommen zwölf Milliarden Euro für den Anschluss der Offshore-Parks.

Aber auch die Stadtwerke, denen die regionalen Verteilnetze gehören, die den Strom zum Verbraucher bringen, haben schon einen Investitionsbedarf von 25 Milliarden Euro angemeldet.

"Aus ABB-Sicht ist der Netzausbau zu bewältigen", sagt Peter Terwiesch, Vorstandsvorsitzender der ABB AG. ABB verspricht sich wie Konkurrent Siemens speziell von der neuen HGÜ-Technik ein gutes Geschäft. Eine dreistellige Millionensumme kostet alleine jede Umrichtstation, mit der am Beginn jeder Leitung Wechsel- in Gleichstrom und am Schluss wieder zurückgewandelt werden muss.

"Da sind wir ein Markt- und Technologieführer", sagt Siemens-Manager Niehage. In den vergangenen Jahren kamen die Münchener bei Großprojekten zum Beispiel in Indien und China auf Marktanteile von 40 Prozent. Diese Messlatte will Siemens beim Netzausbau in Deutschland eher noch übertreffen. "Unser Ehrgeiz muss es natürlich sein, auf dem Heimatmarkt noch besser abzuschneiden", sagt Niehage.

Der Netzausbau verspricht aber nicht nur Industriekonzernen ein gutes Geschäft, die große Komponenten wie Transformatoren liefern. "Bei den Zubehörteilen, der Montage der Leitungen und Masten, dem Bau von Gebäuden oder Fundamenten werden wir vor allem auf Mittelständler zurückgreifen", sagt Ludger Meier, der bei Amprion Bau und Betrieb leitet.

Ein Spezialist für Starkstromkabel ist die Westfälische Drahtindustrie. AGO Stahlbau fertigt Gittermasten für Freileitungen. Zum Einsatz kommen aber auch lokale Baufirmen. "Häufig sind das Unternehmen aus der Region, die am Bau der Leitungen verdienen", sagt Meier, "ein Teil der Investitionssumme fließt also in die betroffenen Regionen in Deutschland."

Kommentare (4)

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Walt

01.06.2012, 19:59 Uhr

Strom übertragung ist nicht kostenlos. Die Kosten für Netzausbau werden Kunden bezahlen müssen. Also, liebe Kunden, bereiten sie sich vor, die Rechnung von 30 miliarden EUR bekommen sie.

kartoffel

01.06.2012, 20:21 Uhr

Nichts ist schöner als Staatsaufträge in Milliardenhöhe zu bekommen. Nur mit Rüstungsaufträgen kann man vielleicht noch mehr verdienen. Deutsche Bürger, nach dem Anstieg der Stromkosten steigen erst die Industriepreise, dann die Konsumpreise und alle anderen Lebenshaltungskosten. Wollt Ihr das wirklich? wenn ja, dann weiter so!

ews

01.06.2012, 22:05 Uhr

Liebes HB, es gibt noch einige andere Transformatorenhersteller auf der Welt auch in Dt., die sie noch nicht aufgezählt haben. Soll das Werbung für die Großen sein? Als Steuerzahler ist mir eh egal wer es macht, da Qualität eh kein Merkmal mehr ist und auch die Inder genau sogut Transformatoren herstellen können. Was interessiert ist der Preis - und der erscheint recht hoch. Deshalb liebe Regierung mehrere Angebote einholen und veröffentlichen. Mehr Transparenz führt zu stärkerem Wettbewerb und besseren Preisen.

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