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12.08.2011

10:25 Uhr

Energiewende

Eon-Umbau erfolgt tropfenweise

VonKristin Schmidt, Martin Murphy

Mit Details zum geplanten Konzernumbau hält sich Eon-Chef Johannes Teyssen sehr bedeckt. Nur Scheibchenweise kommt diese an Tageslicht. Gestern war wieder so ein Tag

Eon steht vor dem größten Umbau in der Konzerngeschichte. Quelle: dpa

Eon steht vor dem größten Umbau in der Konzerngeschichte.

Auf der Mitarbeiterversammlung bei der Essener Tochter Eon Ruhrgas kündigte Teyssen gestern einen Verkauf der Tochter Open Grid Europe, wie es in Kreisen von Teilnehmern des gestrigen Treffens hieß. Die Betreibergesellschaft von Gasnetzen beschäftigt rund 1500 Mitarbeiter und kam zuletzt auf einen Umsatz von 1,2 Milliarden Euro – und sie ist hochrentabel. Laut Geschäftsbericht für 2010 lag die Nettorendite bei rund 20 Prozent.

Teyssen hatten am Mittwoch den größten Konzernumbau in der Eon-Geschichte angekündigt. Um die Kosten um 1,5 Milliarden Euro zu drücken, sollen bis zu 11000 der knapp 80000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Bis zum Herbst soll das Maßnahmenpaket geschnürt werden, bis dahin wollte sich der Vorstand um Teyssen zu Details nicht äußern.

Laut Aufsichtsratskreisen hat Teyssen aber schon eine Schließung der Münchener Eon Energie-Zentrale mit 400 Mitarbeitern angekündigt. Auch Dutzende kleinere Standorte vor allem in Süd- und Norddeutschland sollen dicht gemacht werden.

Teil des Konzernumbaus ist auch der Verkauf von Randbeteiligungen, der 15 Milliarden Euro in die Kasse spülen soll. Rund neun Milliarden Euro hat Eon bereits eingefahren. Welche Aktivitäten noch unter den Hammer kommen sollen, darüber schwieg sich Teyssen öffentlich aus. Mit Open Grid Europe ist nun zumindest ein Name gefallen. Der Konzern lehnte einen Kommentar dazu ab.

In der Belegschaft formiert sich Widerstand gegen die Umbaupläne. Betriebsrat und Gewerkschaften hat Teyssen nicht in den Prozess eingebunden, sie sind tief verärgert. Und die Belegschaft erhält Rückenwind aus der Politik. Zu einer für heute angesetzten außerordentlichen Sitzung des Konzernbetriebsrats wird auch SPD-Chef Sigmar Gabriel anreisen.

Die Sozialdemokraten galten in früheren Jahren eigentlich als enge Verbündete der Energiekonzerne. Gabriel hat aber schon klar gestellt, er will die Energiewende nutzen, um die Marktverhältnisse zu ändern.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

12.08.2011, 11:38 Uhr

Mein "Freund" Sigmar Gabriel...
Zuerst auf das Atommoratorium hinarbeiten (dessen Notwendigkeit jetzt mal dahingestellt sei) und dann noch den Energiekonzernen in die Umbaupläne hineinpfuschen?

Die Belegschaft tut mir Leid... aber Gabriel ist dort eh nur auf Stimmenfang à la "Keine Entlassungen!" (die er durch seine Politik selbst provoziert hat!!!)

Typisches Beispiel für die schmierige Politikerkaste!

Event_Horizon

12.08.2011, 11:58 Uhr

Recht haben Sie. Er hat den Energieunternehmen ja schon das Leben als Umweltminister gehörig schwer gemacht.

Vielleicht wurde er ja auch nur eingeladen um vom Betriebsrat vorgeführt zu werden - wer weiß :)

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