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20.02.2014

10:09 Uhr

Energiewende

Gaskraftwerke werden zu Ladenhütern

VonDana Heide

Für die Energieversorger lohnt sich der Betrieb ihrer Gaskraftwerke oft nicht mehr. Neue Anlagen werden gar nicht erst gebaut, zu unsicher ist die Investition derzeit. Das große Geschäft findet im Ausland statt.

Ein Mitarbeiter von Siemens kontrolliert die Technik einer Gasturbine: Eine allgemeingültige Lösung für das Problem mit den unrentablen Gaskraftwerken ist bisher nicht in Sicht. dpa

Ein Mitarbeiter von Siemens kontrolliert die Technik einer Gasturbine: Eine allgemeingültige Lösung für das Problem mit den unrentablen Gaskraftwerken ist bisher nicht in Sicht.

DüsseldorfDer derzeitige Star bei Siemens wiegt so viel wie ein vollgetankter Airbus A380 und hat die Kraft von 1.200 Porsche 911. Die Rede ist von der H-Klasse Gasturbine Nummer 28, sie ist so effizient wie keine andere Gasturbine weltweit. Deutschland war das erste Land, in dem sie im Jahr 2011 eingesetzt wurde, im Gaskraftwerk Irsching von Eon. Die Ironie an der Geschichte: Das hocheffiziente Kraftwerk ist inzwischen ein Fall für Staatshilfe.

Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien und dem Fall der Börsenstrompreise sind viele konventionelle Kraftwerke überflüssig geworden. Weil ein Überangebot an Strom besteht, werden per Gesetz erst Windkraft & Co. eingesetzt und danach aus wirtschaftlichen Gründen die Atom- und Kohlekraftwerke. Die vergleichsweise teuren Gaskraftwerke werden erst ganz zum Schluss angeschaltet. Viele Energieversorger wollen daher ihre Gaskraftwerke stilllegen, weil sich ihr Betrieb auf Grund der geringen Nutzungszeiten nicht mehr lohnt.

Welche Kraftwerke RWE abschalten will

Amer 8

Der Energieversorger RWE will in den nächsten Jahren zahlreiche Kraftwerke aus dem Markt nehmen. Darunter ist auch das Steinkohlekraftwerk Amer 8 in den Niederlanden. Die Anlage mit einer Erzeugungskapazität von 610 Megawatt soll Anfang 2016 stillgelegt werden.

Moerdijk 2

Die meisten der Anlagen, die RWE aus dem Markt nehmen will, sind Gaskraftwerke, wie etwa Moerdijk 2 in den Niederlanden. Die Anlage hat eine Erzeugungskapazität von 430 Megawatt und soll bereits Ende dieses Jahres langfristig konserviert werden.

Gersteinwerk F und Gersteinwerk G

Auch die Anlagen Gersteinwerk F und Gersteinwerk G sollen eingemottet werden. Gersteinwerk F noch in diesem Jahr und Gersteinwerk G Mitte 2014. Die Gaskraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 355 Megawatt und stehen in Deutschland.

Weisweiler H und Weisweiler G

Weisweiler H und Weisweiler G arbeiten ebenfalls mit Gas. Die deutschen Kraftwerke haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 270 Megawatt und sollen bis Oktober 2013 langfristig konserviert werden.

Emsland B und Emsland C

Die deutschen Gaskraftwerke Emsland B und Emsland C haben jeweils eine Erzeugungskapazität von 360 Megawatt und sollen bis Mitte 2014 zumindest in den Sommermonaten abgeschaltet werden.

Die desolate Situation vieler Gaskraftwerke hat auch Folgen für die Hersteller der Turbinen. Der deutsche Markt ist zum Erliegen gekommen, das Geschäft findet im Ausland statt. Siemens Absatzzahlen der vergangenen Jahre sind ein Paradebeispiel dafür, wo der Bedarf an Turbinen hoch ist - und wo nicht. Seit 2011 hat Siemens noch weitere 27 seiner H-Klasse-Gasturbinen Nummer 28 verkauft. 13 davon gingen in die USA, 13 nach Asien und nur ein weiteres nach Düsseldorf in Deutschland.

Im Allgemeinen sei Europa derzeit ein schwieriger Markt, noch immer haben die Unternehmen mit den Folgen der Finanzkrise zu kämpfen und halten sich zurück mit Investitionen, auch der Energiebedarf hat sich noch nicht wieder erholt, heißt es von Siemens. Deutschland sei allerdings wegen der Situation der Gaskraftwerke besonders problematisch.

Das Geschäft mit den Gasturbinen ist hierzulande nahezu zum Halt gekommen. Mathias Zuber, Senior Berater und Kraftwerksexperte bei der Unternehmensberatung Ecoprog, schätzt, dass derzeit von den eigentlich geplanten Gaskraftwerken gerade mal ein Fünftel überhaupt im Bau sind. Der Rest der ursprünglich geplanten 50 Projekte liege auf Eis oder sei gleich ganz abgesagt worden.

Kommentare (36)

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bhayes

20.02.2014, 10:52 Uhr

"Nötig ist ein Marktdesign": Was für ein perverser Begriff! Ein Oxymoron, ein in sich widersprüchlicher Begriff.

HofmannM

20.02.2014, 10:59 Uhr

Das EEG ist daran schuld, dass Gaskraftwerke wie auch andere Kraftwerke nicht mehr wirtschaftlich in Deutschland betrieben werden dürfen. Die Politik hat mit dem Diktat der Energiewende auf Basis des EEG dafür gesorgt, dass kein Wettbewerbsmarkt (Marktwirtschaft) im deutschen und auch teilweise im europäischen Energiesektor zugelassen ist. DER EINSPEISEVORRANG für Wind, Sonne und Faulgasanlagen verbietet diesen Wettbewerb (Marktwirtschaftlichkeit) in der Energiebranche. Mit dieser Zwangs-EEG-Regelung vernichtet Deutschland nicht nur seine Energiebranche, sondern die von Europa gleich mit. Dies bedeutet für Deutschland und für Europa weiterhin...Mangel, Arbeitsplatzverlust, Armut und technischer Komplettausfall wie auch Investions- Forschungs- und Entwicklungsstopp.
Schafft endlich dieses EEG ab und stampft endlich diese wirtschafts- und wohlstandsvernichtende grünsozialistische Energiewende ein. Danke!

Account gelöscht!

20.02.2014, 11:02 Uhr

Sind die Gaskraftwerke wirklich zu teuer, oder sind die Emmisionszertifikate nur zu billig, da sie die schwarz-gelbe Regierung verschenkt hat?

Während Kohlekraftwerke unsere Umwelt belasten, stehen die Gaskraftwerke still. Zumal Gas aus überschüssigen Windstrom gewonnen werden kann, und kaum Verluste beim Transport in Gasnetzen im Gegensatz zum Transport in Stromnetzen auftreten.

Ich glaube hier ist eher Korruption (Lobbyarbeit der Konzerne) die Ursache für die Unwirtschaftlichkeit.

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