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29.03.2014

17:25 Uhr

Energiewende

Kraftwerks-Zulieferer befürchten Jobverluste

Weil herkömmliche Kraftwerke immer unrentabler werden, bangen viele Zulieferer um die Jobs in der Branche. Die Exportchancen für deutsche Energietechnik schätzen sie insgesamt aber weiterhin als hoch ein.

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg: Viele Zulieferer der Branche befürchten Einschnitte durch die Energiewende. dpa

Braunkohlekraftwerk in Brandenburg: Viele Zulieferer der Branche befürchten Einschnitte durch die Energiewende.

Düsseldorf/BerlinDie Energiewende gefährdet nach Einschätzung der deutschen Kraftwerks-Zulieferer viele Jobs in der Branche. „Die Auswirkungen stellen die Unternehmen des Energieanlagenbaus und die Kraftwerks-Serviceanbieter vor schwierige Marktbedingungen, da die Auftragsvergabe fast zum Stillstand gekommen ist“, sagte der Vorstand des Fachverbands Anlagenbau, Reinhard Maaß, der „Wirtschaftswoche“. Immer mehr technisches Wissen drohe ins Ausland abzuwandern. Bundesweit seien derzeit etwa 10.000 Arbeitsplätze akut bedroht.

Viele Versorger und Stadtwerke können angesichts des beschleunigten Ökostrom-Ausbaus bei gleichzeitig niedrigen Börsenstrompreisen konventionelle Kohle- und Gaskraftwerke nicht mehr rentabel betreiben. So hat etwa der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE bereits mehrere Kohlekraftwerke vom Netz genommen.

Am 8. April will das Bundeskabinett den umstrittenen Reformentwurf zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) beschließen. Dieser enthält neben verringerten Fördersätzen auch einen festen Ausbaukorridor für regenerative Träger wie die Wind-, Solar- und Bioenergie. Maaß räumte ein, dass es aber auch für konventionelle Energietechnik aus Deutschland weiterhin gute Exportchancen gebe.

Wieviel Erneuerbare die Energieversorger haben

RWE

Laut einer Studie, die die Umweltschutzorganisation Greenpeace Ende Februar 2014 veröffentlichte, hat von RWE in Europa produzierter Strom einen Anteil von Wasserkraft von 2 Prozent und einen Anteil von anderen Erneuerbaren Energien von weiteren zwei Prozent. Die Zahl bezieht sich auf die tatsächlich erzeugte Strommenge, nicht auf die Kapazitäten.

Eon

Der Düsseldorfer Energiekonzern Eon produziert insgesamt drei Prozent seines in Europa hergestellten Stroms aus Erneuerbaren Energien inklusive Windkraft und steht damit im Vergleich schlechter da als Konkurrent RWE.

Vattenfall

Der schwedische Konkurrent Vattenfall produzierte insgesamt vier Prozent seines Stroms in Europa mithilfe regenerativer Energiequellen.

EnBW

EnBW steht im Vergleich der großen vier Energieversorger in Deutschland am schlechtesten da. Das Unternehmen gewinnt nur insgesamt zwei Prozent seines Stroms europaweit aus erneuerbaren Quellen.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger dringt europaweit auf eine höhere Energieeffizienz aller Erzeugungsarten - auch angesichts der Krim-Krise und der Abhängigkeit von russischem Gas und Öl. „Die EU braucht ein verbindliches Ziel für Energieeffizienz“, sagte er „Spiegel Online“. Wegen der Expertise deutscher Anbieter würden klare Vorgaben die Wirtschaft ankurbeln, glaubt Oettinger: Sie dürften seiner Einschätzung nach „wie ein Konjunkturprogramm wirken“. Dies gelte auch für die Dämmungs- und Gebäudetechnik.

Ein Streitpunkt bei der Umsetzung der Energiewende bleiben die Rabatte auf die Ökostromumlage für Firmen mit hohem Energieverbrauch. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia prüft derzeit, für welche Unternehmen solche Ausnahmen in welchem Umfang weiter gelten könnten.

Der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo, und IG-Metall-Chef Detlef Wetzel forderten die Bundesregierung in der „Wirtschaftswoche“ auf, die Befreiung energieintensiver Sektoren von der EEG-Umlage zu erhalten. Der zuständige Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Rainer Baake (Grüne), sprach sich in der „Welt am Sonntag“ für eine engere Abstimmung mit den EU-Partnern in der Energiepolitik aus.

Von

dpa

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