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08.10.2011

17:40 Uhr

Energiewende

Österreichs Strom hilft Deutschland

VonStefan Menzel

Der deutsche Winter könnte hart werden. Denn die deutschen Energieversorger müssen auf die neuen Bedingungen nach dem Atomausstieg reagieren - und bei den österreichischen Nachbarn einkaufen.

Beim Atomausstieg ist Deutschland unter anderem auf Strom aus Österreich angewiesen. dpa

Beim Atomausstieg ist Deutschland unter anderem auf Strom aus Österreich angewiesen.

WienSollte der nächste Winter hart und eisig werden, können sich Deutschlands Stromverbraucher auf Hilfsleistungen aus den Alpen verlassen. Österreichs Energieversorger wollen Deutschland nach eigenen Angaben in der dunklen Jahreszeit Strom liefern, falls dort die eigene Produktion nicht mehr ausreicht.

Die Unternehmen aus der Alpenrepublik reagieren damit auf die Abschaltung der deutschen Atomkraftwerke. Diese war im Rahmen des Atomausstiegs Ende Juni im deutschen Bundestag beschlossen worden.

Die beiden größten Stromkonzerne aus Österreich, die Verbund AG und die Energieversorgung Niederösterreich (EVN), wollen zusätzliche Kraftwerkskapazitäten bereithalten. Auch die Stadtwerke aus Wien haben Hilfen zugesagt. Damit steht eine Kraftwerksleistung von knapp 1100 Megawatt für deutsche Verbraucher zur Verfügung, was ungefähr einem Atomkraftwerk entspricht. Die deutsche Entscheidung zum Ausstieg aus der Kernenergie hat unmittelbare Auswirkungen auf die Versorgungssicherheit, weil ältere Atomkraftwerke bereits abgeschaltet worden sind.

Die zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten aus der Alpenrepublik sollen in erster Linie Verbrauchsspitzen ausgleichen, wenn extrem kalte Temperaturen den Stromverbrauch in Deutschland in die Höhe treiben sollten.
In der Bundesrepublik stehen zusätzlich noch einmal ungefähr 1000 Megawatt an eigener Kraftwerksleistung als weitere Reserve für extreme Wetterbedingungen zur Verfügung.

Österreich stellt die zusätzlichen Kraftwerkskapazitäten nicht ganz uneigennützig bereit. Die Stromnetze in Deutschland und Österreich sind besonders eng miteinanderverknüpft. Sollte es zu Versorgungsproblemen in der Bundesrepublik kommen, könnte sich der Engpass auf Österreich ausdehnen und auch dort zu Stromausfällen führen.

"Österreich hat natürlich höchstes Interesse an einer sicheren und problemlosen Stromversorgung in Deutschland", sagt Walter Boltz, Chef von Energie-Control, dem Wiener Gegenstück zur deutschen Bundesnetzagentur. Besonders eng sind die Verflechtungen beim Strom zwischen Süddeutschland und Österreich.

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