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31.01.2014

13:47 Uhr

Energiewende

Windkraft vor Energie-Reform mit Rekordausbau

Die Windkraft-Förderung könnte künftig gekürzt werden. Um noch zu alten Konditionen bauen zu können, wurde verstärkt investiert. Sigmar Gabriel will auch das fortan verhindern – die Energiebranche läuft Sturm.

Hinter einem Stop-Schild drehen sich die Rotoren von Windkraftanlagen. Gabriel will die jährlich neu hinzu kommende Leistung deckeln. dpa

Hinter einem Stop-Schild drehen sich die Rotoren von Windkraftanlagen. Gabriel will die jährlich neu hinzu kommende Leistung deckeln.

BerlinInmitten der Debatte über eine Kürzung der Windkraft-Förderung meldet die Branche den stärksten Zubau aller Zeiten. 2013 seien rund 1200 Windräder mit fast 3,3 Gigawatt neuer Leistung installiert worden, teilte der Bundesverband Windenergie (BWE) am Freitag in Berlin mit. Dies ist etwa ein Drittel mehr als 2012 und entspricht der Kapazität von drei Atomkraftwerken. Knapp drei Gigawatt kamen an Land hinzu, der Rest auf hoher See. Grund dafür sei auch die Debatte über Kürzungen der garantierten Abnahmepreise für Windstrom, die bereits vor gut einem Jahr aufkam. Um noch zu alten Konditionen bauen zu können, wurde verstärkt investiert. Da zudem noch viele Genehmigungen vorlägen, werde auch 2014 trotz der geplanten Energie-Reform von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel allein an Land zwischen 2,5 und drei Gigawatt gebaut, sagte der BWE voraus.

Dies ist mehr als Gabriel künftig zulassen will: Er hat einen Deckel von 2,5 Gigawatt vorgeschlagen. Wird mehr gebaut, greifen in der Zeit danach zusätzliche Kürzungen bei den Abnahmevergütungen für neue Anlagen, um den Zubau zu bremsen. Zudem plant er Einschnitte bei den Abnahmepreisen des Stroms neuer Windräder an guten Standorten, die bereits jetzt als überfördert gelten.

Ausgewählte Firmen, die von der EEG-Umlage befreit sind

Allgemeines

Insgesamt 1716 Unternehmen sind im Jahr 2013 von der EEG-Umlage ausgenommen. Das enspricht einer begünstigen Strommenge von 95 Terawattstunden – das sind etwa 16 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Alleine 2013 blieben den Firmen rund vier Milliarden Euro an Kosten erspart.
Befreit werden können Unternehmen, die mindestens eine Gigawattastunde Strom im Jahr verbrauchen und deren Stromkostenanteil mehr als 14 Prozent beträgt.

Ausblick

Für 2014 haben 2379 Unternehmen eine Befreiung von der EEG-Umlage beantragt. Das entspricht dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zufolge fast 120 Terawattstunden oder 20 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland. Allerdings werden etliche Anträge auch abgelehnt.

allfein Feinkost

Der Geflügelverarbeiter gehört zur PHW-Gruppe, dem größten Geflügelzüchter und -verarbeiter Deutschlands. Dort wird unter anderem für Aldi produziert. Drei allfein-Standorte in Lohne, Dannenberg (beide Niedersachsen) und Zerbst (Sachsen-Anhalt) sind von der EEG-Umlage ausgenommen.

Aurubis

Extrem viel Strom wird in der Metallherstellung benötigt. Der Kupferproduzent Aurubis beziffert die Entlastung durch die Befreiung in den vergangenen drei Jahren auf 102 Millionen Euro.

BASF

Zu den energieintensiven Unternehmen in Deutschland zählen viele Chemiebetriebe. Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF hat berechnet, dass ein Ende der EEG-Umlagebefreiung allein im Stammwerk jährliche Mehrkosten von mehr als 300 Millionen Euro bedeuten würde.

Bogestra – Bochum-Gelsenkirchener Straßenbahnen

Ein Kompromiss mit der EU könnte sich darin andeuten, dass die Befreiung für Unternehmen ausgesetzt wird, die nicht im internationalen Wettbewerb stehen. Dazu zählen etwa Straßenbahnunternehmen – insgesamt 53 sind in Deutschland befreit. Die volle EEG-Umlage zahlen zu müssen würde die Bogestra jährlich 1,28 Millionen Euro kosten.

Lanxess

Der Kautschuk-Hersteller hat in den vergangenen drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro gespart durch die EEG-Befreiung. Eine diskutierte mögliche Nachzahlung dürfte das Unternehmen in die Verlustzone drücken.

Storck

Ein Werk des Süßwarenherstellers („Merci“, „Toffifee“ etc.) in Berlin ist von der EEG-Umlage ausgenommen.

Vion

Die Betriebe des Schweineschlachters Vion sind zum großen Teil von der EEG-Umlage befreit. Die Stromkosten müssen mindestens 14 Prozent der Bruttowertschöpfung des Unternehmens ausmachen, um in Frage zu kommen. Gegen Vion wurde etwa in der ZDF-Sendung Frontal der Vorwurf erhoben, durch den Einsatz von Werkverträgen statt Festangestellten unter diese Schwelle zu kommen.

Schwarzwald-Sprudel

Nicht nur Industrieunternehmen sind befreit, auch Lebensmittelbetriebe. Schwarzwald Sprudel gehört der Supermarktkette Edeka.

Um einen Ansturm von Investoren zu verhindern, die noch zu alten Konditionen bauen wollen, hat er einen Stichtag 22. Januar festgelegt. Dies ist der Tag des Kabinettsbeschlusses zu den Eckpunkten der Reform. Nur Windrad-Projekte, die bis dann bereits genehmigt wurden, sollen noch gebaut werden.

Unter anderem gegen diese Regelung läuft die Branche Sturm, da teils schon erheblich in Planungen investiert worden sei. Man habe bereits Signale empfangen, dass sich hier etwas ändern könne, sagte BWE-Präsidentin Sylvia Pilarsky-Grosch. Befürchtet wird zudem, dass durch Förderkürzungen, deren Details noch offen sind, ein Ausbau in windschwächeren Binnenländern unmöglich würden.

Zwar wurde auch 2013 im Küstenland Schleswig-Holstein am meisten neu gebaut, doch schon an zweiter Stelle folgt Rheinland-Pfalz. Auch in Bayern wurden mehr Windräder errichtet als in Vorjahren. Bei den Ländern ist der Widerstand gegen die Pläne Gabriels daher besonders groß. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) hatte sie "volkswirtschaftlich unsinnig" genannt, da Windstrom an Land unter den erneuerbaren Energien am günstigsten sei. Die Länder können eine Reform des Erneuerbaren Energien Gesetzes (EEG) im Bundesrat zumindest erheblich verzögern.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Unter_Strom

31.01.2014, 14:49 Uhr

Zitat : Windkraft vor Energie-Reform mit Rekordausbau

- In der Nordsee stehen ganze Windparks still wegen fehelender Netzzuleitungen, die in etwa 10 Jahren gebaut werden sollen.
Damit diese Windräder NICHT Verrosten, treibt man sie mittel Generatoren an und verbrät damit Strom und Ressourcen.

Die Grünen Sektanten mit Rot/Gelb/Schwarzen Dilettanten haben somit ganze Arbeit geleistet : auf Kosten des Stromverbrauchers !

24 Mrd. Euro werden jährlich in den Wind gepustet : von unfähigen und verlogenen Trittins, Merkels, Rößlers, Altmeiers, Gabriels initiiert und in die Wege geleitet !

holger29

31.01.2014, 15:02 Uhr

Die Kosten für "Erneuerbare Energien" betragen aktuell gut 30 Mrd. €/a (EEG, Netz, Netzausbau, EKF Fond). Die Kosten für die Kapazitätsbereitstellung moderner Grosskraftwerke, ca. 10 Mrd. €/a kommen hinzu und werden von den Versorgern getragen. Diese Kosten werden die Versorger nicht dauerhaft tragen können. Jede zusätzliche Windmühle, jede zusätzliche Solaranlage erhöht diese Kosten. Je mehr Anlagen hinzugebaut werden, desto eher kommt der Zeitpunkt wann die Gesellschaft mit den Kosten überfordert ist. Im Sinne von lieber schnell und schmerzhaft ist ein schneller Ausbau "Erneuerbarer Energien" wünschenswert.

Es gilt:

Im Stromnetz müssen Einspeisung und Last in jedem Augenblick identisch sein. Schwankungen im Sekundenbereich werden durch die rotativen Massen der Turbogeneratoren der modernen Grosskraftwerke stabilisiert. In der nächsten Stufe erfolgt die Stabilisierung durch die Kesselreserve der Dampfkraftwerke bis dann Leistungsänderungen bei Gasturbinen und PSP die weitere Stabilisierung übernehmen.

Die umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen tragen nicht zur Netzstabilität bei. Der Anteil des Windstroms muss daher im Sinne der Netzstabilität begrenzt bleiben. Bereits heute wird diese Grenze vielfach überschritten, Anlagen zu Lasten der Stromzahler abgestellt, oder der umweltschädliche Oekostrom für Lau, oder zu Negativpreisen exportiert.

zarakthuul

31.01.2014, 15:38 Uhr

3GW(Land)*0,2(Vollastfaktor)=0,6GW
0,3 GW(offshore)*0,5=0,15GW
Summe 0,75 GW Die durchschnittlich zur Verfügung stehen. Ein so kleines AKW ist mir nicht bekannt.
Somit ist die Aussage das die Kapazität derer von 3 AKW entspricht äußerst irreführend.
Das die Aussagen von Lobbyverbänden erstaunlich wenig mit der Wahrheit zu tun haben, ist allerdings lange bekannt.
Oder auch : "Rauchen ist nicht gesundheitschädlich" P.Morris !

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