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19.01.2010

17:13 Uhr

Energiewirtschaft

Eon-Chef Bernotat greift die Bundesnetzagentur an

VonJürgen Flauger, Klaus Stratmann

Streitpunkte in der Energiebranche gibt es derzeit viele; Atomkraft oder die Modernisierung des Stromnetzes sind zwei der wichtigsten. Es gab auf der Handelsblatt-Tagung Energiewirtschaft also viel zu besprechen. Eon-Chef Bernotat und Bundeswirtschaftsminister Brüderle waren sich in einem einig: Es muss schleunigst gehandelt werden.

Eon-Chef Bernotat würde gern die Atomkraftwerke länger laufen lassen. EUROFORUM Informa Deutschland SE

Eon-Chef Bernotat würde gern die Atomkraftwerke länger laufen lassen.

BERLIN. Eon-Chef Wulf Bernotat sieht die Modernisierung des Stromnetzes durch die strenge Regulierung in Deutschland bedroht. "Die gegenwärtige Praxis der Bundesnetzagentur bietet nicht nur keine Anreize für Investitionen, sie wirkt sogar als Investitionsbremse", sagte Bernotat gestern auf der Handelsblatt-Energietagung in Berlin. Jeder investierte Euro bringe den Netzbetreibern zurzeit nur 83 Cent an Ertrag zurück. Unter anderem würden Fremdkapitalzinsen nicht ausreichend berücksichtigt. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, wies die Vorwürfe entschieden zurück.

Der Eon-Chef fürchtet Verzögerungen beim Umbau des deutschen Stromnetzes zu einem intelligenten Netz, einem sogenannten Smart Grid. Dieses soll eine bessere Prognose des Verbrauchs und effizientere Steuerung des Angebots ermöglichen. Hintergrund ist der durch den Klimawandel bedingte und staatlich geförderte massive Ausbau der erneuerbaren Energien. Da Strom aus Windrädern oder Solardächern abhängig von den Wetterverhältnissen in extrem schwankender Menge anfällt und zudem dezentral eingespeist wird, lässt sich die Produktion nur schwer prognostizieren. Zudem wird auch der Verbrauch immer schwerer kalkulierbar - unter anderem durch den erwarteten Boom der Elektroautos, die unregelmäßig an die Ladestationen angeschlossen werden.

Um die neuen Herausforderungen bewältigen zu können, soll Schritt für Schritt eine intelligente Steuerung eingeführt werden. Ausgangspunkt sind intelligente Stromzähler in den Haushalten, die den Versorgern aktuelle Verbrauchsdaten liefern und die langfristig auch Geräte in den Haushalten steuern können. Zudem muss aber auch das gesamte Netz mit moderner Informationstechnologie aufgerüstet werden. Die nötigen Investitionen werden von Bernotat für Deutschland auf rund 20 Mrd. Euro geschätzt. Allein auf Eons umfangreiches Nieder- und Mittelspannungsnetz entfielen neun bis zehn Mrd. Euro.

"Das bestehende Stromnetz ist nicht für eine stärker dezentral organisierte, von erneuerbaren Energien dominierte Energieversorgung ausgelegt", sagt Bernotat. "Ein modernes Stromnetz ist der Schlüssel zur Energiezukunft." Nur mit ihm könnten die energie- und klimapolitischen Ziele verwirklicht werden. Die Bundesregierung hat den Aufbau von intelligenten Netzen auch im Koalitionsvertrag festgehalten. "Allerdings wird es dazu - ich muss das so deutlich sagen - unter den derzeitigen regulatorischen Rahmenbedingungen nicht kommen", kritisierte Bernotat. Die Regulierung habe bislang nur ein Ziel: Kostensenkung.

Kommentare (4)

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Weltenbummlerin

20.01.2010, 08:23 Uhr

Herr bernotat macht seinem schlechten Ruf alle Ehre. Er betreibt rücksichtslos die Gewinnmaximierung des Stromkonzerns auf Kosten seiner Kunden und des Steuerzahlers. Mit seinen rücksichtslosen und unverantwortlichen Forderungen zieht er mit dem Geschäftsgebaren der banker gleich. Es wird höchste Zeit die Strommonopole zu zerschlagen um weiteren Schaden vom Deutschen Volk abzuwenden. Die Gier kennt keine Grenzen!!!

Denkerist

20.01.2010, 10:09 Uhr

Es zeigt sich deutlich, daß das Stromnetz in privaten Händen keine Zukunft haben kann.
Die Monopolstellung nutzen die 4 Konzerne redlich aus - zulasten der Verbraucher und des Steuerzahlers.
Es wird versucht, EE zu verhindern bzw. zumindestens zublockieren. Die Unsummen Gelder die die Verbraucher an überhöhten Energiepreisen zahlen, hätten zur Netzinstandhaltung und -modernisierung genutzt werden müssen. Stattdessen wurdne riesige Gewinne an Aktionäre ausgeschüttet.
Erinnern wir uns an die Stromausfälle im Münsterland - es waren Vorkriegsmasten!!!
parallelen zur bahn zeigen sich auf.
Aber von der bieneMaja Regierung ist hier nichts zu erwarten, zu tief ist der Sumpf der Verflechtung zwischen Politik und Energiewirtschaft.

3 weiße Tauben **** aufs Dach

20.01.2010, 10:46 Uhr

Einfach Strom sparen. Können wir unseren Stromverbrauch um 30% senken, so wird es für bernotat eine KO-Ohrfeige!

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