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23.01.2008

10:11 Uhr

Energiewirtschaft

Stromkonzerne geben sich handzahm

Es gibt eine neue Koalition in Deutschland: die "große Koalition der Vernunft", ausgerufen von der Energiewirtschaft. Die Branche will heraus aus der Schusslinie, will kalkulierbare Rahmenbedingungen und einfach wieder etwas mehr Ruhe. Im Gegenzug bietet sie ihren Kunden und der Politik mehr Offenheit und größere Verlässlichkeit an.

juf/str BERLIN. Gestern sah es so aus, als hätten die Energieunternehmen in Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) einen ersten Koalitionspartner gefunden. "Wir wollen daran arbeiten, wieder eine Interessenidentität zwischen Kunden, den energiepolitischen Zielen der Regierung und den Interessen der Energiewirtschaft herzustellen", sagte EnBW -Chef Hans-Peter Villis am Dienstag zum Auftakt der Handelsblatt-Jahrestagung Energiewirtschaft. Eine "große Koalition der Vernunft" sei dringend erforderlich, um die deutsche Energiewirtschaft insbesondere im Erzeugungsbereich zukunftsfähig zu machen. Villis regte einen Energiedialog an, "der auf der Grundlage bestehender Diskussionsstrukturen schnellstmöglich etabliert werden und bis zur Sommerpause zu verabschiedungsreifen Vorlagen in Bezug auf den Energiemix der Zukunft kommen soll".

Wirtschaftsminister Glos ging auf das Angebot zum Dialog ein - und zwar mit einem versöhnlichen Unterton. Mit Sorge beobachte er wachsende Widerstände gegen Kohlekraftwerke. "Wir brauchen auch in Zukunft einen hohen Anteil von Braun- und Steinkohle für die Stromversorgung", sagte Glos. Sie seien Garanten für eine preisgünstige und sichere Stromerzeugung. Zugleich warnte Glos davor, die Rolle der erneuerbaren Energien zu stark zu betonen.

Zwar gebe es einen breiten gesellschaftlichen Konsens über den Nutzen der erneuerbaren Energien. Sie könnten jedoch weder kurz- noch mittelfristig die tragende Säule der Energieversorgung werden. "Die Erneuerbaren sind wichtig, aber sie sind nicht alles", sagte Glos. Und der von der rot-grünen Vorgängerregierung mit den Energieversorgern ausgehandelte Ausstieg aus der Kernenergie sei nicht durchdacht, kritisierte Glos und deutete an, das Thema eigne sich aus seiner Sicht für den Wahlkampf.

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