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24.01.2008

21:11 Uhr

Entlastung des Vorstands vertagt

Siemens legt dubiose Zahlungen offen

Der Schmiergeld-Skandal bei Siemens erstreckt sich über weite Teile des Konzerns. In sechs Bereichen seien zweifelhafte Zahlungen in größerem Umfang entdeckt worden, sagte Finanzchef Joe Kaeser am Donnerstag auf der Hauptversammlung in München.

Siemens - Kein Freibrief für den Vorstand. FOTO: dpa Quelle: dpa

Siemens - Kein Freibrief für den Vorstand. FOTO: dpa

HB MÜNCHEN. Bereits bekannt war, dass die frühere Kommunikationssparte Com mit 449 Millionen Euro am stärksten betroffen war. Nun schlüsselte der Konzern erstmals auch die übrigen Zahlungen auf: In der Energieerzeugung tauchten über sieben Jahre 301 Millionen Euro an Beraterzahlungen auf, denen keine klare Gegenleistung gegenüber stand.

In der Verkehrstechnik waren es 88 Millionen Euro, in der Energieverteilung 80 Millionen Euro. Die zweifelhaften Zahlungen in der Medizintechnik bezifferte Kaeser auf 44 Millionen Euro, bei den Industriellen Dienstleistungen auf 24 Millionen Euro. Hinzu kommen noch insgesamt 10 Millionen Euro in den übrigen Bereichen sowie 258 Millionen Euro bei ausländischen Gesellschaften. Insgesamt kommt der Konzern so auf die bereits bekannte Gesamtsumme von 1,3 Milliarden Euro.

Auch hat die Siemens -Hauptversammlung in einem beispiellosen Vorgang die Entlastung fast des gesamten Vorstands wegen der Schmiergeldaffäre vertagt. Mit einer Mehrheit von mehr als 90 Prozent des anwesenden Kapitals wurde die Entscheidung auf der Hauptversammlung am Donnerstag in München verschoben. Lediglich der Vorstandsvorsitzende Peter Löscher wurde von der Vertagung ausgenommen. Damit reagierten die Anteilseigner auf neue Erkenntnisse in der Schmiergeldaffäre. Es gibt neue Hinweise auf eine mögliche Verstrickung von Führungskräften in die Affäre.

Gerhard Cromme bleibt unterdessen Siemens -Aufsichtsratsvorsitzender. Nach der Hauptversammlung sei er am späten Donnerstagabend bei der Sitzung des Kontrollgremiums als Vorsitzender wiedergewählt worden, teilte Siemens am Freitag in München mit. Zuvor war er von der Hauptversammlung mit einer Mehrheit von gut 94 Prozent des anwesenden Kapitals erneut in den Aufsichtsrat gewählt worden. Damit erhielt er das schlechteste Ergebnis aller Kandidaten.

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