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17.12.2016

11:52 Uhr

Entschädigungen für US-Kunden

VW bekommt Gnadenfrist bis Montag

VW hat eine weitere Frist erhalten, um im US-Streit um die Dieselaffäre einen Kompromiss zu erreichen. Im Ringen um die Entschädigung von rund 80.000 Volkswagen-Kunden soll bis Montag eine Lösung gefunden werden.

Die US-Fahne spiegelt sich im Logo eines Volkswagens. dpa

Volkswagen in USA

Die US-Fahne spiegelt sich im Logo eines Volkswagens.

San Francisco/WolfsburgVolkswagen muss bei der Aufarbeitung der Diesel-Affäre in den USA erneut nachsitzen. Die bis Weihnachten erhoffte Einigung auf einen Vergleich mit Behörden und Autokäufern zu den großen 3,0-Liter-Motoren der Oberklasse-Tochter Audi muss weiter aufgeschoben werden. Am Freitagnachmittag (Ortszeit) konnte der zuständige US-Richter Charles Breyer in San Francisco noch keinem von den Parteien vorgeschlagenen Ergebnis zustimmen.

Zwar gab er sich nach der Anhörung in Kalifornien zuversichtlich, dass es am Ende eine Lösung gebe - in den Verhandlungen sei zuletzt „substanzieller Fortschritt“ erzielt worden. Zugleich erhöhte Breyer aber auch den Druck, um die rund 80.000 betroffenen Fahrzeuge mit manipulierten 3-Liter-Dieselantrieben möglichst schnell von der Straße zu bekommen. Schon am Montag verlangt er von den Anwälten erneut Auskunft über den Stand der Gespräche.

Der Wolfsburger Autokonzern versicherte, weiter mit Hochdruck eine Einigung anzustreben. „Volkswagen arbeitet mit vollem Einsatz daran, die Dinge in Ordnung zu bringen“, hieß es. Zum genauen Stand und den Inhalten der Verhandlungen wollte sich das Unternehmen mit Verweis auf die vereinbarte Vertraulichkeit nicht näher äußern.

VW ist angewiesen, die Wagen mit den von Audi entwickelten Motoren durch technische Umrüstung in einen gesetzeskonformen Zustand zu bringen oder durch Rückkauf aus dem Verkehr zu ziehen. Bei den 2-Liter-Maschinen hatte der Konzern schon einem Vergleich zugestimmt, der bis zu 16,5 Milliarden US-Dollar (15,8 Milliarden Euro) kosten könnte – der teuerste Deal dieser Art in der Geschichte der Autobranche.

Die Sparprogramme bei Volkswagen

1993: Massenentlassungen drohen

Im Jahr des Amtsantritts des späteren VW-Patriarchen Ferdinand Piëch als Vorstandschef steckt der Konzern in einer tiefen Krise. Er produziert im Vergleich mit der globalen Konkurrenz viel zu teuer, es droht die Entlassung von bis zu 30.000 Beschäftigten.

Hartz verhindert Kahlschlag

Peter Hartz, von Piëch eingestellter Personalvorstand und späterer Entwickler der Arbeitsmarktreformen der Regierung Schröder, kann den Kahlschlag abwenden. Er führt in enger Abstimmung mit dem Betriebsrat und der IG Metall unter anderem die Vier-Tage-Woche bei Volkswagen ein - eine Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich. Auch der umstrittene „Kostenkiller“ und Ex-General-Motors-Manager José Ignacio López bringt den verlustreichen Konzern finanziell wieder auf Kurs.

2006: Ende der Vier-Tage-Woche

Die Hauptmarke Volkswagen-Pkw fährt chronisch niedrige Erträge ein - eine deutliche Parallele zur heutigen Lage. Nach monatelangen Verhandlungen zum neuen Haustarifvertrag bei VW einigen sich die Parteien auf eine Abkehr von der Vier-Tage-Woche. Als Gegenleistung für die wieder deutlich längeren Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlangt die IG Metall vom Unternehmen verbindliche Zusagen für die langfristige Zukunft der sechs westdeutschen Werke.

Nachdem Kernmarken-Chef Wolfgang Bernhard mit Stellenstreichungen und Produktionsverlagerungen gedroht hat, verlässt er den Konzern. VW kann dennoch die Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

2016: Dieselskandal belastet VW

Nach Jahren satter Gewinne dümpelt die Marke mit dem VW-Emblem – gemessen an der Marge (Anteil des Gewinns am Umsatz) – im Branchenvergleich erneut vor sich hin. Zugleich muss der Gesamtkonzern die Milliardenlasten des Abgas-Skandals verdauen und sich stärker auf die Zukunftsthemen der Branche konzentrieren.

Der „Zukunftspakt“

Der „Zukunftspakt“ soll daher den Spardruck, den Umbau in Richtung E-Mobilität, Digitalisierung und Dienstleistungen sowie das Interesse der Belegschaft an sicheren Jobs und Standorten in die Balance bringen. Nach Monaten des Ringens steht fest: Dies wird nicht ohne Zugeständnisse bei den Jobs gehen. 30.000 Stellen sollen weltweit bis 2020 auslaufen, Kündigungen gibt es aber nicht.

Der Skandal um weltweit elf Millionen Fahrzeuge mit manipulierten Testwerten zum Ausstoß von Stickoxiden war im September 2015 zuerst in den Vereinigten Staaten aufgeflogen. Dies stürzte Volkswagen in eine tiefe Krise, brachte Ex-Vorstandschef Martin Winterkorn zu Fall und führte unter anderem zu teuren Rückstellungen. Volkswagen hat bislang bereits rund 18,2 Milliarden Euro zur Seite gelegt.

Die 3,0-Liter-Dieselmotoren stecken nicht nur in Audi-Luxusmodellen, sondern auch in teuren SUVs wie dem Porsche Cayenne und VW Touareg. Eine Umrüstung gilt als vergleichsweise schwierig: Die einzuhaltenden Grenzwerte für Stickoxide sind in den USA deutlich schärfer als in Europa. Ein Rückkauf aber könnte erneut empfindlich ins Geld gehen. Anfang November hatte sich in dem Streit zunächst bereits ein Ergebnis abgezeichnet. Doch kurz darauf sorgten Berichte über mögliche weitere Abgas-Manipulationen bei Audi für neue Unruhe.

Volkswagen in den USA: Neustart in steinigem Gelände

Volkswagen in den USA

Neustart in steinigem Gelände

Der Wolfsburger Autokonzern nimmt einen neuen Anlauf in den USA. Mit Geländewagen will Volkswagen nach der Dieselaffäre das Vertrauen bei amerikanischen Kunden zurückgewinnen. Doch noch ist die Affäre nicht ausgestanden.

Die Dieselkrise trifft Europas größten Autobauer ohnehin zur Unzeit. Der laut Experten kommende Vormarsch des Elektromotors sowie die Digitalisierung der Branche erfordern Milliarden-Investitionen. Auch abseits des Abgas-Skandals gibt es bei den Wolfsburgern Probleme. Die seit Jahren im Konkurrenzvergleich gewinnschwache Kernmarke mit dem VW-Logo will in den kommenden Jahren weltweit bis zu 30 000 Arbeitsplätze abbauen, um rentabler zu werden.

Von

dpa

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