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19.01.2007

18:39 Uhr

Entsenderecht für Stiftung

Aktionärs-Rebellion bei Thyssen verpufft

VonMarkus Hennes

Die Rebellion in- und ausländischer Aktionärsgruppen gegen einen Machtzuwachs der Alfried Krupp von Halbach-Stiftung im Aufsichtsrat des größten deutschen Stahlkonzerns Thyssen-Krupp ist fehl geschlagen: Es fehlten mehrere Millionen Gegenstimmen, um die Novelle des Entsendungsrechts zu kippen.

Bei Thyssen Krupp soll nach dem Willen des Vorstands die Stiftung mehr Macht bekommen. Hintergrund ist die Befürchtung, das Unternehmen könnte feindlich übernommen werden. Foto: dpa

Bei Thyssen Krupp soll nach dem Willen des Vorstands die Stiftung mehr Macht bekommen. Hintergrund ist die Befürchtung, das Unternehmen könnte feindlich übernommen werden. Foto: dpa

BOCHUM. Die Hauptversammlung in Bochum entschied am frühen Abend mit der erforderlichen Mehrheit von 78,91 Prozent der Stimmen, dass die Krupp-Stiftung ohne Zustimmung der Hauptversammlung künftig bis zu drei Vertreter in den Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp entsenden darf. Insgesamt gab es 62 Millionen Gegenstimmen. 74,1 Millionen Neinstimmen wären erforderlich gewesen, um das Entsendungsrecht zu kippen.

Mehrere Aktionärsvereinigungen hatte auf der Hauptversammlung insbesondere kritisiert, dass das Entsenderecht der Stiftung wichtige Mitbestimmungsrechte der Hauptversammlung verletzt. Denn bislang ist sie es, die die Aufsichtsratsmitglieder jedes Jahr aufs Neue bestimmt.

Hans-Martin Buhlmann, Vorsitzender der Vereinigung Institutioneller Privatanleger aus Köln, nannte es "unakzeptabel", dass das Entsenderecht der Stiftung "auf ewig" gilt. Thomas Hechtfischer von der deutschen Schutzvereinigung für Wertpapiersitz befürcht, dass das Entsendungsrecht "einen Keil" zwischen die Krupp-Stiftung und die übrigen Aktionäre treibt. Auch sieht Hechtfischer die Gefahr, dass das Entsendungsrecht "wie ein Deckel" auf dem Aktienkurs liegt.

Hans-Christoph Hirt, Experte für gute Unternehmensführung und -kontrolle beim Londoner Pensionsfonds Hermes, sieht in einem in der Satzung verankerten Entsendungsrecht für die Stiftung einen Rückschritt in der Entwicklung der Corporate Governance in Deutschland. Thyssen-Krupp verstoße mit dem Entsendungsrecht gegen das international übliche Prinzip, dass eine Aktie eine Stimme haben sollte.

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