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01.05.2013

09:50 Uhr

Enttäuschende Zahlen

Pfizer denkt über Abspaltung nach

Der US-Pharmakonzern Pfizer hat im ersten Quartal ziemlich schlecht verdient. Auch die Ertragsprognose hat der Viagra-Hersteller kassiert. Jetzt denkt der Konzern über die Abspaltung einer wichtigen Konzernsparte nach.

Eine Frau geht am Pfizer-Hauptquartier in New York vorbei: Der US-Pharmakonzern hat schlechte Zahlen vorgelegt. Reuters

Eine Frau geht am Pfizer-Hauptquartier in New York vorbei: Der US-Pharmakonzern hat schlechte Zahlen vorgelegt.

New YorkEine schwache Nachfrage nach Impfstoffen und Nachahmer-Präparaten hat den amerikanische Pharmakonzern Pfizer zum Jahresstart deutlich gebremst. Der größte Arzneimittel-Hersteller der USA enttäuschte mit seiner Umsatz- und Ergebnisentwicklung im ersten Quartal und stutzte zudem seine Gewinnprognose für das laufende Jahr zurecht. Pfizer überraschte zudem mit Überlegungen für eine weitere Aufspaltung des Konzerns. Die Börse reagierte negativ auf den Quartalsbericht: Pfizer-Aktien büßten mehr als drei Prozent ein.

Zwar sprang der Gewinn im ersten Quartal binnen Jahresfrist um 53 Prozent auf 2,75 Milliarden Dollar in die Höhe. Im Vorjahr hatten allerdings hohe Kosten für Rechtsstreitigkeiten und den Umbau der Produktion die Bilanz belastet. Vor Sonderposten verdiente der Konzern 54 Cent je Aktie - Analysten hatten einen Cent mehr erwartet.

Der Konzernumsatz schrumpfte deutlich um neun Prozent auf 13,5 Milliarden Dollar. Auch damit verfehlte Pfizer die Erwartungen. Die Verkaufserlöse mit dem Impfstoff Prevnar zum Schutz vor Lungenentzündungen und anderen Infektionen sanken um zehn Prozent auf 846 Millionen Dollar. Noch im Vorquartal waren die Prevnar-Erlöse um 19 Prozent nach oben geschnellt. Experten zufolge hielten sich Großhändler angesichts gut gefüllter Lager mit Bestellungen zurück. Prevnar ist immerhin das drittumsatzstärkste Produkt des Konzerns.

Pfizers wichtigste Medikamente

Platz 10

Premarin Family - Umsatz: 1,07 Milliarden Dollar

Das Östrogen-Medikament wird unter anderem bei der Brustkrebs- und Prostatakrebs-Behandlung eingesetzt.

Platz 9

Sutent - Umsatz: 1,23 Milliarden Dollar

Das Mittel wird bei der Krebstherapie eingesetzt und soll die Bildung von Metastasen verhindern.

Platz 8

Zyvox - Umsatz: 1,34 Milliarden Dollar

Das Antibiotikum wird in Europa unter dem Namen Zyvoxid verkauft und bei bakteriellen Infektionen eingesetzt.

Platz 7

Norvasc - Umsatz: 1,35 Milliarden Dollar

Das Medikament soll Bluthochdruck verhindern und wird besonders Herzpatienten verschrieben.

Platz 6

Viagra - Umsatz: 2,05 Milliarden Dollar

Die Wirkung der kleinen blauen Pillen dürften weltweit bekannt sein. Das Mittel gegen Erektionsstörungen sorgt vor allem bei Überdosierung für Probleme.

Platz 5

Celebrex - Umsatz: 2,71 Milliarden Dollar

Bei Gelenkerkrankungen wie Arthritis soll dieses Medikament Schmerzen, Entzündungen und Fieber entgegenwirken.

Platz 4

Prevnar 13/ Prevenar 13 - Umsatz: 3,72 Milliarden Dollar

Mit diesem Impfstoff werden Patienten vor bakteriellen Erkrankungen wie Lungenentzündung und Hirnhautentzündung geschützt.

Platz 3

Enbrel - Umsatz: 3,74 Milliarden Dollar

Bei rheumatischen Erkrankungen soll das gentechnologisch hergestellte Protein helfen, Entzündungen vorzubeugen.

Platz 2

Lipitor - Umsatz: 3,95 Milliarden Dollar

Das Medikament senkt den Cholesterinspiegel und ist damit einer der Umsatztreiber der Schweizer. In Deutschland wird der Wirkstoff auch unter den Namen Sortis und Atorvalan vertrieben.

Platz 1

Lyrica - Umsatz: 4,16 Milliarden Dollar

Das umsatzsstärkste Medikament der Schweizer löst Krämpfe, wie beispielsweise bei Epilepsien und Angstsstörungen. Besonders bei der Diabetes wird der Wirkstoff eingesetzt.

Auch in den Schwellenländern erwischte Pfizer einen flauen Jahresstart. Der Umsätze legten im ersten Quartal dort nur um fünf Prozent zu. Noch im vierten Quartal stand ein Plus von 17 Prozent in den Büchern. Die Verkäufe von Generika schrumpften zudem um 16 Prozent. Kräftig zurück gingen die Verkäufe auch mit dem einstigen Top-Präparat, dem Cholesterinsenker Lipitor, das inzwischen scharfe Konkurrenz durch billigere Nachahmer hat. Die Umsätze brachen um 55 Prozent auf 626 Millionen Dollar ein.

Für das Gesamtjahr 2013 rechnet Konzernchef Ian Read jetzt nur noch mit einem Gewinn je Aktie von 2,14 bis 2,24 Dollar. Bisher hatte er 2,20 bis 2,30 Dollar in Aussicht gestellt. Die schwache japanische Währung belaste die Geschäfte im zweitgrößten Pharmamarkt der Welt, begründete das Management. Bei Investoren konnte Pfizer mit seinem Zwischenbericht nicht punkten. „Relativ zum Potenzial des Unternehmens und seiner Ertragskraft war das einfach ein schlechtes Quartal“, sagte Michael Liss, Portfolio-Manager bei American Century Investments.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Das Pfizer Management brachte bei Vorlage des Quartalsberichts auch eine mögliche weitere Aufspaltung des Konzerns ins Spiel. Rund drei Jahre werde es brauchen dies zu prüfen, erklärte die Konzernführung. Ziel sei es, das Geschäft mit patentgeschützten Arzneien und das Geschäft mit Generika getrennt voneinander zu betreiben. Im ersten Quartal steuerte die Sparte Established Products, die die Generikageschäfte umfasst, rund ein Fünftel zum Konzernumsatz bei. Pfizer hatte bereits seine Tiermedizin-Geschäfte im Februar in eine neue Gesellschaft mit dem Namen „Zoetis“ abgespalten.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

01.05.2013, 11:35 Uhr

ein Großteil der Probleme bei diesem Konzern sind aufgrund unglaublicher Arroganz hausgemacht. Geradezu unverantwortlich war es in Deutschland, wie man mit dem know-how der Firmen Warner-Lambert und Pharmacia nach deren "Einkauf" umgegangen ist. Weil man sich für die absolut größten hielt, wurden hier durchaus vorhandene Kompetenz-Center einfach platt gemacht. Ich kann nicht verhehlen, dass mir die "Entwicklung" dieses Konzerns seit einigen Jahren durchaus eine gewisse Freude macht.....

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