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12.01.2007

12:14 Uhr

Entwicklung der Boeing 747

Die Königin der Lüfte

VonJens Eckhardt

Die Entwicklung von Großflugzeugen dauert meist mehrere Jahre und kostet Milliarden. Bei der Boeing 747 war das nicht anders. Für den Jumbo setzte der US-amerikanische Flugzeugbauer in den 60er-Jahren seine Existenz aufs Spiel, doch das Risiko hat sich gelohnt – eine Entstehungsgeschichte, von der heute Airbus-Manager etwas lernen könnten.

Die Boeing 747 bei ihrer Premier 1968. Foto: dpa

Die Boeing 747 bei ihrer Premier 1968. Foto: dpa

SEATTLE. Joseph Sutter ist keine auffällige Erscheinung. Das Alter hat ihn gebeugt und seine Bewegungen langsam werden lassen, aber seine hellen Augen blitzen frisch, umringt von ungezählten Lachfalten. Jeder kennt ihn bei Boeing, denn Joe, wie ihn dort alle nennen, ist der Vater der „Königin der Lüfte“.

Als leitender Ingenieur war er für die Entwicklung der Boeing 747 verantwortlich – und wie seine Schöpfung scheint er unverwüstlich. Noch heute, im Alter von 85 Jahren, reist Sutter als Botschafter für Boeing um die Welt. Als Lufthansa jetzt den ersten Großauftrag für die neueste Passagierversion der 747-8 unterschrieb, war er voller Vaterstolz dabei.

Entscheidungen über neue Flugzeuge sind für Hersteller und Fluggesellschaften immer eine gigantische Wette auf die Zukunft. Die Entwicklung dauert Jahre und kostet Milliarden, und zwischen Konzeption und Jungfernflug können sich der Markt und damit die Anforderungen der Fluggesellschaften stark verändern.

Die Entstehungsgeschichte der 747 in den 60er-Jahren zeigt viele Parallelen zur aktuellen Entwicklung des neuen Airbus-Superjumbos A380. Beide Firmen wagten sich technisch in unbekannte Regionen vor. Zweifel, ob ein solcher Riesenvogel überhaupt fliegen oder der Markt die zusätzliche Kapazität benötigen würde, begleiteten beide Projekte.

Ob Boeing mit der 747 oder wie jetzt Airbus mit der A380 – derartige Aufgaben erfordern höchste Ingenieur- und Managementkunst. Design, Reichweite, Kapazität – jede einzelne Entscheidung kann das Ende des oft milliardenschweren Projekts und gleichsam den Untergang der gesamten Firma bedeuten. Heftige Turbulenzen sind garantiert – es gibt sie heute bei Airbus, und es gab sie einst bei Boeing.

Weil Flugzeuge jahrzehntelang im Dienst stehen, hat der Erfolg oder Misserfolg eines Flugzeugdesigns ein langes Leben. Lockheed verschätzte sich zu Beginn der Großraumjet-Ära mit der Reichweite seiner L-1011 und zog sich am Ende ganz aus dem Zivilgeschäft zurück. Die nach dem Zweiten Weltkrieg dominierende Douglas Aircraft hielt zu lange an Propellern fest. Als sie ihre DC-9 und den dreistrahligen Großraumjet DC-10 auf den Markt brachte, spielte Boeing bereits die führende Rolle im Düsenzeitalter. Douglas fusionierte mit dem Rüstungskonzern McDonnell, aber die beiden Firmen wuchsen nie zu einer Einheit zusammen, McDonnell Douglas wurde schließlich von Boeing übernommen – und das zu einer Zeit, als Boeing die heikelste Phase seiner Firmengeschichte, die Markteinführung der 747, erfolgreich abgeschlossen hatte.

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