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04.06.2013

14:02 Uhr

Entwicklungsstopp

Astra-Zeneca gibt Arthritis-Medikament auf

Enttäuschende Resultate in Studien haben den Arzneimittelhersteller dazu veranlasst, die Entwicklung des Medikaments abzubrechen. Dabei ist das Repertoire an neuen Präparaten ohnehin schon unterbesetzt.

Das Firmenschild am Hauptsitz von Astra-Zeneca in London. ap

Das Firmenschild am Hauptsitz von Astra-Zeneca in London.

LondonDer britische Arzneimittelhersteller Astra-Zeneca hat die Entwicklung eines lange als Hoffnungsträger gehandelten Arthritis-Medikaments gestoppt. Die Entscheidung ist ein Dämpfer für die Medikamentenentwicklung des Konzerns, dessen Nachschub an neuen Präparaten gegenwärtig dünn bestückt ist. Die Tablette Fostamatinib war eines der wenigen weit fortgeschrittenen Projekte.

"Die Resultate der klinischen Studien in der späten Phase haben die vielversprechenden Ergebnisse, die wir in der frühen Entwicklung sahen, nicht bestätigt", begründete Medizin-Chef Briggs Morrison am Montag die Entscheidung. Ganz überraschend kommt der Schritt nicht. In den vergangenen sechs Monaten waren Studienresultate mit der Tablette enttäuschend ausgefallen.

Pharmabranche an der Patentklippe

Wichtige Patente laufen aus

Die Pharmabranche steht vor schwierigen Zeiten: Nach Einschätzung des Beratungsunternehmens Accenture werden bis zum Jahr 2015 rund 50 Blockbuster ihren Patentschutz verlieren – das sind Arzneien, die für mindestens eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr sorgen. Die Originalprodukte verlieren nach Patentablauf in der Regel massiv Marktanteile an die deutlich preisgünstigeren Nachahmer-Produkte der Generikahersteller.

Cholesterinsenker und Blutverdünner

Betroffen sind die Medikamente etlicher Pharmakonzerne. Etwa der Cholesterinsenker Lipitor, mit dem Pfizer einst mehr als 12 Milliarden Dollar Umsatz pro Jahr machte. Oder der Blutverdünner Plavix, der Sanofi und Bristol-Myers Squibb 2011 mehr als neun Milliarden Dollar in die Kassen spülte. Auch das Asthma-Mittel Singulair von Merck verliert seinen Schutz.

Generikahersteller profitieren

Von Ablauf der Patente profitieren die Hersteller von Generika: Sie dürfen die Arzneien kopieren und zu günstigen Preisen verkaufen. Das dämpft die Kosten – auch die Patienten profitieren davon.

Probleme mit dem Nachschub

Der Pharma-Industrie fällt es immer schwere, neue Blockbuster-Medikamente zu entwickeln. Das hat mit den strikteren Zulassungsbedingungen und den schärferen Kontrollen der Behörden zu tun. Ein Beispiel: Der deutsche Hersteller Merck stoppte das Multiple-Sklerose-Medikament Cladribin, weil es in mehreren Ländern keine Zulassung bekam.

Der zweitgrößte britische Pharmakonzern kündigte für das zweite Quartal nun Abschreibungen in Höhe von 140 Millionen Dollar an. Auf die Ergebnisziele 2013 habe dies aber keinen Einfluss, erklärte Astra-Zeneca. Der Arzneimittelhersteller hatte die Substanz 2010 von der kalifornischen Biotechfirma Rigel Pharmaceuticals erworben. Astra-Zeneca will die Rechte jetzt an das Unternehmen aus San Francisco zurückgeben. Für Rigel ist das ein schwerer Schlag: Die Firma hat noch kein Medikament auf den Markt gebracht. Entsprechend hoch waren die Erwartungen an Fostamatinib.

Die Arthritis-Tablette galt als möglicher Konkurrent für zu spritzende Arzneien wie das Präparat Humira des US-Konzerns AbbVie. Als möglicher Konkurrent galt auch die neue Tablette Xeljanz des US-Rivalen Pfizer. Der Markt für Arthritis-Medikamente wird aktuell auf mehr als 20 Milliarden Dollar im Jahr eingeschätzt.

Von

rtr

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