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17.01.2011

11:39 Uhr

Eon-Chef Johannes Teyssen

„Der Energie-Wettbewerb ist viel intensiver geworden“

VonJürgen Flauger

ExklusivImmer wieder steht der Energieriese Eon in der Kritik, weil Marktmissbrauch gefürchtet wird. Im Interview mit dem Handelsblatt wehrt sich Eon-Chef Johannes Teyssen gegen Vorwürfe und erklärt, in welchen ausländischen Märkten der Konzern Zukunft sieht.

Johannes Teyssen: Der Eon-Chef wehrt sich gegen Kritik, es gebe zu wenig Wettbewerb auf dem Energiemarkt. Reuters

Johannes Teyssen: Der Eon-Chef wehrt sich gegen Kritik, es gebe zu wenig Wettbewerb auf dem Energiemarkt.

Herr Teyssen, wieder einmal steht der Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt in der Kritik. Das Bundeskartellamt will den Stromgroßhandel stärker kontrollieren, weil er Marktmissbrauch fürchtet. Warum kommt der Wettbewerb nicht endlich voran?

Johannes Teyssen: Ich kann das - zumindest was Eon angeht - nicht nachvollziehen. In der Vergangenheit gab es ja schon mehrfach Diskussionen und Ermittlungen - vom Bundeskartellamt und von der EU-Kommission. Und gerade in den letzten Jahren ist der Wettbewerb viel intensiver geworden. Gerade in der Erzeugung stehen wir in einem europäischen Wettbewerb, da macht der Blick auf Deutschland allein keinen Sinn.

Trotzdem traut man dem Energieriesen Eon nicht.

Teyssen: Konkrete Verstöße hat das Kartellamt trotz intensiver Untersuchung nicht feststellen können, es bleibt bei der Unterstellung, wir könnten theoretisch manipulieren. Insofern ist das Wort vom "Freispruch zweiter Klasse", dass man lesen konnte, völliger Unsinn. Und im Übrigen: So riesig sind wir doch gar nicht. Alleine in den vergangenen zwei Jahren haben wir in Deutschland über 5 000 Megawatt an Stromkapazität abgeben müssen. Unser Marktanteil in der Stromproduktion beträgt nur noch 14 Prozent

Das ist immer noch hoch.

Ich kenne keinen Wettbewerbsmarkt, in dem ein solcher Anteil als bedenklich betrachtet wird. Schauen Sie sich mal die Marktanteile führender Automobilhersteller in Deutschland an. Im deutschen Strommarkt gibt es auch Unternehmen, die wesentlich mehr Erzeugungskapazität als wir haben. Nach aktuellen Untersuchungen unabhängiger Institute ist ein Markt bestimmender Einfluss von Eon beim besten Willen nicht mehr konstruierbar. Zusätzlich haben wir das überregionale Stromnetz verkauft und die Stadtwerke-Holding Thüga. Damit haben wir auch in allen wichtigen Marktsegmenten für mehr Wettbewerb gesorgt.

Naja, das war nicht ganz freiwillig. Das Stromnetz und die Kraftwerke mussten sie ja abgeben, um ein Kartellverfahren der EU-Kommission beizulegen.

Bei einzelnen Maßnahmen, insbesondere bei der Erzeugung, konnte von Freiwilligkeit keine Rede sein. Aber letztlich ist etwas entstanden, von dem der Markt profitiert. Und letztlich profitieren auch wir. Wir haben eine etwas schwächere Marktstellung in Deutschland, dafür aber stärkere Positionen im Ausland.

Wie viel Prozent des Umsatzes macht Eon noch in Deutschland?

Gut die Hälfte. Aber die Zahl ist verzerrt, weil wir auch den gesamten europaweiten Energiehandel in Deutschland betreiben.

Sind Sie noch die Nummer eins in Deutschland?

Größe ist für uns kein Selbstzweck. Und es kommt immer darauf an, was man betrachtet. Wir haben zwar den größten Gesamtumsatz der deutschen Energieversorger. RWE war gemessen an den Aktivitäten in Deutschland, etwa der Stromproduktion und dem Vertrieb, aber immer größer. Wenn Sie mit der Nummer 1 in Deutschland reden wollen, müssen Sie nach Essen gehen.

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