Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.05.2011

09:48 Uhr

Eon-Chef Johannes Teyssen

"Ein Atomausstieg bis 2020 ist unrealistisch"

VonJürgen Flauger, Wolfgang Reuter

ExklusivEine rasches Ende der Atomkraft hält Eon-Chef Teyssen für nicht machbar, er fordert Planungssicherheit für die Versorger. Im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt er, wie eine sinnvolle Alternative aussehen könnte.

Eon-Chef Johannes Teyssen: "Alles andere als tatenlos". Quelle: dapd

Eon-Chef Johannes Teyssen: "Alles andere als tatenlos".

Handelsblatt: Herr Teyssen, die Bundesregierung will Eon durch ein rasches Aus der Atomkraftwerke praktisch enteignen – und Sie gucken tatenlos zu. Wie wollen Sie das Ihren Aktionären erklären?

Johannes Teyssen: Unsere Aktionäre nehmen schon wahr, dass ich alles andere als tatenlos bin, sondern dass ich mich sehr aktiv an der Diskussion beteilige. Wir haben bewusst nicht gegen das Moratorium geklagt, mit dem zwei unserer Kernkraftwerke für drei Monate vom Netz müssen. Und das kann ich den Aktionären einfach erklären: Wenn man nichts gewinnen kann, kann man nur verlieren – und das gilt es zu vermeiden.

Naja, das Moratorium ist juristisch sehr fragwürdig.

Trotzdem blieb abzuwägen, was schwerer wiegt: der finanzielle Schaden durch das Moratorium oder der Imageschaden bei einer Klage. Außerdem wollten wir ein Zeichen setzen. Wenn das Land nach Fukushima eine dreimonatige Ruhephase braucht, dann respektieren wir das.

RWE-Chef Großmann hat sich aber für eine Klage entschieden. Setzt er sich vor Gericht durch, stehen Sie dumm da.

Wenn Herr Großmann sich durchsetzt, werde ich ihm herzlich gratulieren. Trotzdem gilt nach dem deutschen Aktienrecht das Prinzip, dass Vorstände unter sorgfältiger Abwägung aller Interessen auch zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen können. Für Eon jedenfalls ist der Verzicht auf eine Klage der richtige Weg.

Das Moratorium ist ja erst der Anfang. Die Regierung will den Atomkonsens aus dem Jahr 2000 aufkündigen und ein festes Ausstiegsdatum setzen. Welche Probleme würde Ihnen das bereiten?

Die Regierung muss zwar eine einfache Regelung finden, die die Bürger verstehen. Dass damals kein festes Datum vereinbart wurde, sondern jeder Reaktor Strommengen zugeteilt bekommen hat, war aber schon durchdacht. Ein festes Datum ist problematisch. Es ist doch nicht Sinn der Sache, möglichst schnell möglichst viele Kilowattstunden zu produzieren. Die Sicherheit muss immer absolute Priorität haben. Andererseits dürfen Atomgegner keinen Anreiz haben, möglichst viele Stillstände zu provozieren – mit der Folge, dass wir den Erzeugungsausfall nicht mehr nachholen könnten.

Kann die Bundesregierung denn so ohne weiteres ein festes Ausstiegsdatum setzen?

Nein, das geltende Gesetz ist in Kraft, und wir haben Anspruch auf Vertrauensschutz.

Müssten Sie dann nicht Ihre Zurückhaltung aufgeben und klagen, um das Eigentum der Aktionäre zu schützen?

Es kommt auf das Gesamtpaket an. Aber natürlich sind wir verpflichtet, im Interesse der Aktionäre auf den Schutz unseres Vermögens zu achten.

Kommentare (4)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Block

05.05.2011, 10:06 Uhr

"Wenn das Land nach Fukushima eine dreimonatige Ruhephase braucht, dann respektieren wir das."

Der Mann hats noch immer nicht kapiert. Die Menschen in diesem Land wollen keine "Ruhephase", sondern raus aus der Dinosauriertechnik bis 2015.

Herbert

05.05.2011, 10:22 Uhr

Auf Brennstoffe wie Gas und Öl gibt es mit größter Selbstverständlichkeit Steuern. Nur für Kernbrennstoffe gibt es seit 40 Jahren eine dreiste Steuerbefreiung.

Die Kernbrennstoffsteuer muss nicht abgeschafft, sondern erhöht werden. Eine Verdreifachung wäre sicherlich angebracht. Es kann schließlich nicht angehen, dass der Steuerzahler erst über 100 Milliarden Euro Subventionen für die Atomindustrie zahlt, die Kostenrisiken einer Atomkatastrophe von 10000 Milliarden (Prognos-Schätzung) fast vollständig allein trägt (Deckungssume der Haftpflichtversicherung der AKW-Betreiber: 0,25 Milliarden Euro) und anschließend auch noch Milliardenbeträge für die Beseitigung der Atomsauereien in Asse und Morsleben zahlen soll!

BenCartwright

05.05.2011, 14:20 Uhr

Herr Theyssen möchte Planungssicherheit? Kein Problem, Herr Theyssen! Sie und ihre Kollegen sollten schleunigst ihre persönliche Zukunft planen, denn wir haben es satt! Wir wollen und brauchen keine betrügerisch arbeitende, abzockende, preistreibende, lügende Energiedinos mehr! Und das Gefasel von billigem Atomstrom kann ich schon lange nicht mehr hören!
Wie kann es sein, dass der Bund jährlich Milliarden für Forschung an veralteter unerwünschter Forschung ausgibt und für die Forschung an der Speichertechnologie gerademal 20 Millionen??? Wieviel Geld wollen sie noch in den Rachen gestopft kriegen??? Ersticken sie bitte dran, sie Abzocker!
Monatlich wird uns übel beim Blick auf die Stromrechnung.Dabei stand da lange Zeit das Resultat des "billigen" Atomstroms! Mit Verlaub, das einzig billige sind ihre Argumentationen! Erklären sie ihren Aktionären mal, warum sie zugucken wie ihnen die Kunden in Scharen davonlaufen und sie nicht umdenken um den Exodus aufzuhalten. Ich freu mich über jeden Einzelnen, der ihnen davonläuft!
Mögen sie irgendwann nen Hut vor sich halten und Spenden für verarmte Stromriesen sammeln!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×