Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2008

20:29 Uhr

Eon-Konzern

Da wackeln die Wände

VonHelmut Hauschild

Dem Eon -Konzern droht eine Strafe in Millionenhöhe. Die EU-Kommissarin Neelie Kroes wirft dem Energieriesen vor, mit illegalen Methoden ein Kartellverfahren behindert zu haben und möchte an Eon ein für alle Kartellsünder abschreckendes Exempel statuieren.

Es geht um viel Geld: Eon droht eine Kartellstrafe. Foto: Archiv Quelle: ap

Es geht um viel Geld: Eon droht eine Kartellstrafe. Foto: Archiv

BRÜSSEL. Dies ist eine jener vertrackten Geschichten, deren Tragweite zunächst niemand ahnt. Sie beginnt im Mai 2006, ganz unspektakulär mit einem Schaden an einem europablauen Siegel aus Plastikfolie, das an der Tür eines Besprechungsraums der Eon Energie AG in München klebt.

Nächste Woche wird Mutterkonzern Eon, wenn nicht noch ein Wunder geschieht, wegen dieses Schadens ein Bußgeld in Millionenhöhe zahlen müssen. Es wäre das vorläufige Ende eines mit Indizien, Gutachten und Gegengutachten ausgetragenen Gezerres um ein angeblich gebrochenes amtliches Siegel der EU-Kommission. Es ist eine Schlacht auf unbekanntem Terrain: Noch nie seit ihrem Bestehen hat die EU ein Unternehmen wegen eines Siegelbruchs bestraft.

Mehr noch als um viel Geld geht es in diesem Wirtschaftskrimi ums Prinzip: Der Energiemulti Eon kämpft gegen den rufschädigenden Verdacht, mit illegalen Methoden ein Kartellverfahren behindert zu haben. Seine Gegenspielerin, EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, will an Eon ein für alle Kartellsünder abschreckendes Exempel statuieren.

Als Kroes? Beamte am 29. Mai 2006 mit einem Durchsuchungsbefehl die Zentrale von Eon Energie in Münchens feiner Brienner Straße heimsuchen, ist man dort überrumpelt. Zwar kursieren seit Monaten Gerüchte, Kroes habe Europas Energiekonzerne wegen Kartellabsprachen im Visier. Doch der Überraschungscoup der EU gelingt. Die Ermittler platzen mitten in eine Vorstandssitzung hinein, sie beschlagnahmen Laptops und Aktenordner, dann knöpfen sie sich die Büros der Mitarbeiter vor.

Das Beweismaterial schaffen sie in einen Besprechungsraum. Es sind Szenen wie in einem "Tatort"-Krimi. Als die Razzia am Abend noch immer nicht beendet ist, verplomben die EU-Beamten die Tür mit einem Siegel.

Am nächsten Morgen gegen acht Uhr kommen die Ermittler wieder - und entdecken an der Siegelfolie eine Beschädigung. War diese groß oder klein? Ist sie absichtlich oder zufällig entstanden? Es gibt dazu zwei sehr unterschiedliche Versionen. Und offenbar keine Brücke, auf der Kroes und der Energiekonzern sich noch die Hände schütteln könnten.

Bei Eon heißt es, in der linken unteren Ecke des Siegels seien Bruchstücke des Wortes "Void" - Englisch für "entwertet" - zu sehen gewesen, daneben leichte Klebstoffspuren. Die Buchstaben erscheinen, wenn das Siegel abgelöst wird. Es habe sich um einen Klebstoffstreifen von etwa zwei Millimetern gehandelt, der Schaden sei viel zu klein, um den Bruch des Siegels zu beweisen. Außerdem sei die vom Hersteller vorgeschriebene maximale Lagerdauer der Siegelfolie weit überschritten gewesen, was die Qualität des Klebstoffs beeinträchtige.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×