Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.01.2016

06:18 Uhr

Eon spaltet sich auf

Uniper, eine schwierige Geburt

VonJürgen Flauger

Innerhalb eines Jahres hat Eon seine konventionelle Stromproduktion abgespalten und mehr als 50.000 Mitarbeiter verteilt. Am 1. Januar ist Uniper an den Start gegangen. Noch liegt viel Arbeit vor den Mitarbeitern.

Eon-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen hatte die Öffentlichkeit mit seinem radikalen Strategieschwenk überrascht. dpa

Eon

Eon-Vorstandsvorsitzender Johannes Teyssen hatte die Öffentlichkeit mit seinem radikalen Strategieschwenk überrascht.

DüsseldorfDie Möbelpacker kamen am 18. Dezember – und bis kurz vor Weihnachten konnten Tausende Mitarbeiter von Eon allenfalls von zuhause aus arbeiten. Zehn Lastwagen fuhren ständig zwischen den verschiedenen Standorten hin und her. 40.000 Umzugskartons wurden ein- und ausgepackt, 1200 Schreibtische verschoben, 3200 Mitarbeiter wechselten ihr Büro. Die einen, die künftig für die neue, grüne Eon SE arbeiten werden, zogen von Düsseldorf nach Essen um – die anderen, die für die neue Kraftwerksgesellschaft Uniper tätig sein werden, verteilten sich an ihrem künftigen Sitz in Düsseldorf neu.

Die Trennung ist vollzogen. Eon hat in kaum mehr als einem Jahr den radikalen Schnitt geschafft – und nicht weniger als das bisherige Kerngeschäft, die konventionelle Stromproduktion abgespalten. Die neue Kraftwerksgesellschaft Uniper ist am ersten Januar operativ an den Start gegangen. Noch ist aber viel Arbeit nötig, bis Eon und Uniper ihre Trennung auch gesellschaftsrechtlich endgültig vollzogen haben – und noch mehr Arbeit ist nötig, um beide Unternehmen auch zum Erfolg zu führen.

„Wir bleiben weiterhin zutiefst davon überzeugt, dass die Herausforderungen der Energiewirtschaft in Zukunft eine deutlich stärkere Fokussierung auf zwei jeweils ganz unterschiedliche Energiewelten erfordern wird“, hielt Eon-Chef Johannes Teyssen vor kurzem noch einmal fest. Anfang Dezember 2014 hatte er die Öffentlichkeit mit seinem radikalen Strategieschwenk überrascht: Die Eon SE, die Teyssen selbst führen wird, wird sich in der neuen Energiewelt versuchen. Das Unternehmen wird Vertrieb, erneuerbare Energien und Netze übernehmen und versuchen, mit der Energiewende Geld zu verdienen.

Um die alte Energiewelt wird sich Uniper kümmern. Das Unternehmen übernimmt die Kohle- und Gaskraftwerke – und damit nicht weniger als das bisherige Kerngeschäft. Hinzu kommen der Großhandel, die Gasproduktion und die Wasserkraft. Eigentlich wollte Teyssen Uniper auch die Abwicklung der Kernkraftwerke übertragen. Dem schob die Bundesregierung aber mit einem neuen Gesetz, das die Haftung für Atomrisiken neu regelt, einen Riegel vor. Um Rückbau und Entsorgung wird sich also weiter die Eon SE kümmern.

Teyssen sieht in der Aufspaltung die einzige Möglichkeit, den schleichenden Zerfall des Energiekonzerns zu stoppen. Eon brachen im Kerngeschäft die Gewinne weg, weil die großen, konventionellen Kraftwerke zunehmend von Wind- und Solaranlagen aus dem Markt gedrängt wurden. Gleichzeitig fehlten die Finanzen, um neue Wachstumsmöglichkeiten zu erschließen. Die radikale Trennung soll nun für beide Teile Kräfte frei setzen.

Im vergangenen Jahr war Eon freilich noch viel mit sich selbst beschäftigt. 4800 einzelne Maßnahmen hatte das 800 Mitarbeiter starke „Spin-off“-Team unter der Leitung von Marc Spieker identifiziert, 4200 sogenannte „Meilensteine“ sind abgearbeitet. Rund 1300 Gesellschaften mussten verteilt werden. Ende April stand nicht nur der Name des neuen Unternehmens fest. „Uniper“ wurde von einem Mitarbeiter vorgeschlagen, setzt sich aus den Worten „Unique“ und „Performance“ zusammen und soll die Leistungsfähigkeit des neuen Unternehmens wiedergeben.

Energiekonzerne im Umbruch

Zwei Wege, ein Ziel

Der Strom- und Gasversorger Eon, der einst seine Stärke aus Kohle, Gas und Atomkraft bezog, mutiert nach seinem eigenen Bestreben zu einem lupenreinen „grünen Versorger“. Und verheißen die Pläne zur Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts in den Eon-Mutanten Uniper einen Ausweg aus der Krise? Oder führt am Ende doch der Weg, den die Essener Konkurrenten RWE einschlagen wollen, indem sie den Konzern radikal vereinfachen und mehr Macht in der Zentrale konzentrieren, am schnellsten raus aus der Krise?

Was ist der Grund für die Zerschlagung von Eon?

Der Branchenprimus auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt war wie alle großen Mitspieler durch die Energiewende in die Bredouille geraten. Zuvor waren Eon & Co durch die Ausweitung des Wettbewerbs auf den Märkten bereits Macht genommen worden. Unter anderem trennten sie sich von den Höchstspannungsnetzen. Mit der Entscheidung zum Ausstieg aus der Atomenergie aber erfolgte der entscheidende Schnitt – das Ende für die herkömmlichen Kohle- und Atomriesen war eingeläutet. Strom aus Wind und Sonne erhielt Vorfahrt.

Was erhofft sich Eon von der Abspaltung?

Jahrelang hatte der Konzern enorme Gewinne aus dem Strom- und Gasgeschäft gescheffelt und Aktionäre mit steigenden Dividenden verwöhnt. Das ist seit ein paar Jahren vorbei. Dabei steht der Konzern unter einem hohen Druck durch die Kapitalmärkte. Durch die Abtrennung erhofft sich die neue Eon, die sich künftig ganz auf Ökostrom, Energienetze und Kundenlösungen konzentriert, Rückenwind: Das Unternehmen ist frei von Altlasten - nur noch der Name erinnert an seine Herkunft.

Warum entschied sich RWE gegen die Aufspaltung?

Bei dem Konkurrenten aus Essen sind die Eigentümerverhältnisse anders gelagert. Während Eon eine börsennotierte Publikumsgesellschaft mit zahlreichen Anlegern ist, haben bei RWE die Kommunen noch ein entscheidendes Wörtchen mitzureden. Auch die waren jahrelang durch üppige Dividenden verwöhnt worden. Eine Zerschlagung des Konzerns in zwei Teile wäre vor dem Hintergrund kaum durchsetzbar gewesen. RWE-Chef Peter Terium bezeichnete einen solchen Schritt auch als nicht „wünschenswert“. Hinzu kommt, dass bei RWE das Geschäft mit regenerativen Energien noch nicht so weit entwickelt ist wie bei Eon.

Was bedeutet die Abspaltung bei Eon für die Atomrückstellungen?

Darüber ist in den vergangenen Monaten viel berichtet und spekuliert worden. Eon-Chef Johannes Teyssen nannte diese Rückstellungen, die für den Rückbau der Atomanlagen vorgesehen sind und in der Eon-Bilanz 2014 eine Summe von mehr als 16 Milliarden Euro ausmachten, bei der Vorlage der Halbjahreszahlen als „sicher“. Die Summe wird vollständig Uniper zugeschlagen. Und Teyssen beteuert, dass das Unternehmen seinen Verpflichtungen voll und ganz nachkommen werde. Kritik kommt von Tobias Riedl von der Umweltschutzorganisation Greenpeace: „Die geplante Aufspaltung von Eon in eine „Good“ und eine „Bad Bank“ ist der dreiste Versuch des Konzerns, sich der Haftung für den selbst produzierten Atommüll zu entziehen.“ Eon strebe an, dass künftige Milliardenkosten für die Entsorgung des verstrahlten Abfalls möglichst die Bürger tragen sollten, sagt Riedl.

Welche Perspektiven hat Uniper?

Auf dem deutschen Strom- und Gasmarkt wird es Uniper schwer haben. Auch wenn Eon den Bereich heute als einen für Jahrzehnte wichtigen Baustein beim Umbau des Energiesystems sieht - nämlich durch seine absichernde Funktion für die erneuerbaren Energien - wird das Unternehmen nach Ansicht von Branchenbeobachtern noch lange an seinem Image als Auslaufmodell zu tragen haben.

Welche Lichtblicke sind beim Umbau der Konzerne zu erkennen?

Mit dem massiven Ausbau der Erzeugung von Windkraft und Solarenergien und dem Anschluss der Parks an die Stromnetze ernten die Unternehmen allmählich die ersten Früchte ihrer Investitionen. Mittlerweile ist Eon an 10 Windparks auf See in Europa beteiligt und kommt weltweit auf eine Kapazität von 4000 Megawatt. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der gesamten Stromerzeugung liegt derzeit bei rund 14 Prozent, bei RWE sind es mit 5 Prozent deutlich weniger.

Quelle: dpa

Damals wurden auch die Vorstandteams um den alten und neuen Eon-Chef Johannes Teyssen und den künftigen Chef von Uniper, Ex-Finanzvorstand Klaus Schäfer bestimmt. Im Sommer erfuhren die zweite und die dritte Führungsebene, für wen sie künftig arbeiten – und inzwischen sind 40.000 Mitarbeiter der Eon SE zugeordnet und 14.000 Uniper. 700 Führungskräfte wurden verteilt. Kurz vor Weihnachten wurden die letzten Top-Management-Posten besetzt. Mehr als 1000 Verträge mit externen Partnern mussten angepasst, 300 sogar neu geschlossen werden.

Beide Unternehmen sind jetzt operativ arbeitsfähig. Abgeschlossen ist die Arbeit freilich noch lange nicht. Unter Hochdruck arbeiten die Finanzexperten des Unternehmens am heikelsten Teil der Operation, dem Spaltungsbericht. Er muss rechtzeitig vor der Hauptversammlung am 8. Juni vorliegen. Der Spaltungsbericht muss detailliert aufschlüsseln, welche Vermögenswerte zu welchem Teil gehören werden, und wie die Schulden verteilt werden. Er wird festlegen, in welchem Verhältnis Eon den Anteilseignern Aktien von Unipern gibt und dabei jeglichen Klagen von gewieften Anlegern standhalten.

Am 8. Juni solle die Aktionäre dann die Trennung abschließen. Anschließend wird Uniper-Chef Schäfer auf Roadshow gehen und bei Investoren für sein Projekt werben. Eon wird direkt die Mehrheit abgeben, langfristig ist die komplette Scheidung geplant.

Kommentare (17)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.01.2016, 08:45 Uhr

Die Arbeit hat EON, RWE und ENBW doch schon längst eingestellt. Das was EON seit der Einführung der asozialen Energiewende mit seinen marktfeindlichen EEG betreibt, ist kein "Arbeiten" mehr, sonder reine VERMÖGENS VERNICHTUNG!!!!
"Arbeit" wäre es gewesen, wenn sich EON, RWE und ENBW gegen diese wertevernichtende und marktfeindliche Politik einer asozialen Energiewende mit ihren staatlichen Subventionsabgabenzwangsgesetz = MARKT- und Wirtschaftsfeindlichen EEG gestemmt und gekämpft hätten.
So aber hat sich EON, RWE und ENBW dem marktfeindlichen - GRÜN-SOZIALISTISCHEN DDR System Dikatat einer Merkelführung unterworfen. Und wo das staatlich sozialistisch/kommunistische Diktat die DDR Wirtschaft hingeführt hat bzw. nicht geführt hat, kann man in den Geschichtsbüchern nachlesen.
Energiewende/EEG = erst kommt die Lüge, dann der Betrug/Selbstbetrug danach der Mangel und zum Schluss die Armut!

Frau Monika Forro

04.01.2016, 09:17 Uhr

Herr Hofmann,

die Energiewende ist keineswegs als asozial zu kommentieren.

EON und Co. haben ihre Lobbyarbeit unterschätzt und somit auf einen lahmen Gaul gewettet. Jedem, der nur einigermaßen klaren Verstand besitzt, weiß das Kernenergie nur eine Übergangstechnologie ist und war. Das gilt auch für fossile Energieträger. Einzig der Lobbyarbeit vieler Konzerne auf der Welt ist eine Stagnation bei der Weiterentwicklung und Einführung neuer Technologien geschuldet. Wen wundert nun die Entwicklung von EON? Hat EON nicht auch überall seine Lobbyisten verteilt?

Soweit ich mich erinnere hat EON den größten Teil seiner Auslandsinvestments in den Sand gesetzt. Wenn Sie also von Kapitalvernichtung sprechen, dann sollten Sie die Ursachen des Niedergangs des EON-Konzerns genauer hinterfragen.

Aus meiner Sicht wird EON in ein paar Jahren übernommen werden.

Das hat aber nix mit der Energiewende zu tun, sondern ist auf jahrelanges Missmanagement zurück zuführen. Solange der Aufsichtsrat von EON diesen Kurs unterstützt, wird sich durch die Spaltung keine Innovation fördern lassen. Ein Name (Uniper) ist Schall und Rauch, bei der heutigen Kurzlebigkeit von Unternehmensstrategien. Am Ende hat die Spaltung womöglich nur weiteres Aktienärskapital und langfristig Arbeitsplätze vernichtet. Bei EON wäre dies ja nichts Neues!

Account gelöscht!

04.01.2016, 09:32 Uhr

@Monika Forro
Klar ist die Energiewende asoziale. Weil diese Energiewende auf dem marktfeindlichen EEG basiert und dieses EEG macht nichts anderes als das Geld von den Sozial Schwachen und der Mittelschicht in unserer Gesellschaft zu den wenigen EEG Profiteuren umzuleiten. Strompreissteigerungen und Stromrationierungen werden in Zukunft immer mehr das Bild dieser Asozialen Energiewende sein.
Weiterhin wird es für die Kommunen und Städte wie auch die Bundesländer keine Gewinn Dividenden der Konzerne von EON, RWE und ENBW wie auch Vattenfall mehr geben. Diese Dividendenausschüttungen waren vor der Energiewende (vor dem politischen Zwangsausstieg aus der Kernkraft) gang und gebe. Und diese Dividenden = Gewinnausschüttungen der Kohle, Gas und vor allen Kernkraftbranche haben die Kommunden, die Städte, die Gemeinden und Länder also unsere Öffentliche Infrastrukurt sehr stark finanzell unterstützt. Somit ist die Energiewende und der damit Verbunde Zwangsausstieg aus der Kernkraft ein Angriff auf die Öffentliche Hand...also auf uns als Gesellschaft. Mangel und Armtu werden das Kennzeichen dieser asozialen Energiewende mit ihren marktfeindlichen Subventionsabgtabenwzangsgesetz EEG sein. Danke!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×